09.07.2014 | Serie Kolumne Recruiting

Personalmarketing endlich wertschätzen

Serienelemente
Henner Knabenreich, Berater und Blogger, zeigt in seiner Kolumne monatlich neue Recruiting-Trends auf.
Bild: Haufe Online Redaktion

Ohne Personalmarketing ist es schwer, geeignete Bewerber zu finden. Doch obwohl das eigentlich klar ist, ist der Stellenwert des Personalmarketings in Unternehmen oft gering. Kolumnist Henner Knabenreich zeigt, woher diese Schieflage rührt und wie Sie sie gerade rücken können.

Irgendwie sind Sie selbst daran schuld, dass ich mich an dem Schreckgespenst Fachkräftemangel festgebissen habe. Weil Sie (jetzt vielleicht nicht gerade Sie persönlich) selbst viel dazu beitragen, indem Sie längst nicht alle Potenziale nutzen (siehe meine letzte Kolumne mit dem Titel "Mehr Personalmarketing nötig").

Aber vielleicht bin ich mit meiner Schuldzuweisung auch etwas voreilig: Natürlich können Sie nichts dafür, dass Sie sich neben Lohnbuchhaltung und Personaladministration auch noch um Personalbeschaffung kümmern müssen. Wer bitte ist schon in der glücklichen Lage, dass es eine eigene Abteilung für so etwas gibt? Meist sind Sie doch Mädchen für alles. Was wiederum den Stellenwert dieses für Unternehmen überlebenswichtigen Bereichs zeigt. Fürs Marketing als Gralshüter des Unternehmens werden große Budgets bereitgestellt oder Stellen geschaffen. Sie in Ihrem Personalbüro schauen in die Röhre. Ist das nachzuvollziehen?

Der Mitarbeiter als wertvollste Ressource

Was wäre ein Unternehmen ohne seine Mitarbeiter? Immer wieder lese ich "Die Mitarbeiter sind das Wertvollste unseres Unternehmens“ oder „bei uns steht der Mitarbeiter im Mittelpunkt". In anderen Unternehmen ist der Mitarbeiter nicht nur Mitarbeiter, sondern sogar Mensch. Und der macht dann den Unterschied.

Natürlich sind Ihre Mitarbeiter die wertvollste Ressource Ihres Unternehmens. Aber wenn das doch so ist, warum wird dann dem Unternehmensbereich, der dafür da ist, diese Ressourcen aufzuspüren und ans Unternehmen zu binden, ein so geringer Stellenwert eingeräumt? Warum wird Personalmarketing in vielen Unternehmen mit blindem Aktionismus betrieben (und im Falle von Stellenabbau oder Umstrukturierungen gar nicht)? Warum wird Personalmarketing nicht als wesentlicher Teil der Unternehmensstrategie begriffen? Denn genau darum geht es: Personalmarketing muss strategisch betrieben werden. Wir reden nicht vom kurzfristigen Schalten einer Stellenanzeige. Und schon gar nicht von in blindem Aktionismus erstellten Facebook-Karriereseiten oder rappenden Mitarbeitern in peinlichen Videos.

Langfristige Strategie im Personalmarketing ist nötig

Nein, wir reden von einer nachhaltigen und langfristigen Strategie. Davon, dass Sie als Arbeitgeber Flagge am Markt zeigen (in guten wie in schlechten Zeiten!), dass die Mitarbeiter, die da sind, auch bei Ihnen bleiben und dass die entsprechenden Stellen mit den passenden Mitarbeitern besetzt werden.

Aber warum das alles? Sie können doch auch Ihre Mitarbeiter in Spanien oder anderen Ländern mit hoher Arbeitslosigkeit "einkaufen" und ihnen hier eine neue Heimat geben. Diesem von der Politik geförderten Ruf eilen viele Unternehmen hinterher und locken solche Fachkräfte ins gelobte Land. Viel Geld wird dann investiert, um diese Mitarbeiter mit der deutschen Sprache und Kultur vertraut zu machen.

Alles schön und gut. Aber was ist, wenn die Wirtschaft in diesen Ländern wieder anzieht? Wenn dort händeringend qualifizierte Fachkräfte gesucht werden? Dann sind die, die Sie hierher geholt haben, schneller weg, als Sie bis drei zählen können. Vielleicht braucht es auch gar nicht so lange und das Heimweh packt die wackeren Auswanderer schon viel früher.

Konsequent den heimischen Arbeitsmarkt angehen

Dann aber schauen Sie wieder in die Röhre. Stöhnen über den Fachkräftemangel. Wäre es nicht viel einfacher, den Blick auf den heimischen Arbeitsmarkt zu richten? Und das Geld, welches in die Weiterbildung und Integration von ausländischen Arbeitskräften fließt, der Weiterqualifizierung von deutschen Fachkräften, die vermeintlich aufgrund ihrer Ausbildung und (sozialen) Kompetenzen nicht zum Unternehmen passen, zugute kommt? Wäre das nicht konsequent?

Und vergessen Sie nicht die Potenziale und Instrumente, die Ihnen das Personalmarketing an die Hand gibt: Das ist weitaus mehr als nur das Schalten einer Stellenanzeige in einer einzigen Jobbörse.

Die nötige Zeit nehmen

Aber ich weiß, Sie haben gar nicht die Möglichkeit, sich mit solchen Dingen auseinanderzusetzen. Schließlich machen Sie Ihren Job nur so nebenher. Glauben Sie mir, wenn Sie weiter so machen, werden die Mitarbeiter die längste Zeit der Mittelpunkt Ihres Unternehmens gewesen sein. Denn dann gibt es keine mehr...

Henner Knabenreich ist Geschäftsführer der Knabenreich Consult GmbH. Er berät Unternehmen bei der Optimierung ihres Arbeitgeberauftritts. Zudem ist er Initiator von personalblogger.net und betreibt selbst den Blog personalmarketing2null.de.

Schlagworte zum Thema:  Recruiting, Personalmarketing, Fachkräftemangel, Rekrutierung

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