06.05.2015 | Serie Kolumne Recruiting

Das Arbeitgeberportal ist erst der Anfang

Serienelemente
Henner Knabenreich, Berater und Blogger, zeigt in seiner Kolumne monatlich neue Recruiting-Trends auf.
Bild: Haufe Online Redaktion

Eigentlich sollte es eine Selbstverständlichkeit sein, findet unser Kolumnist Henner Knabenreich: das eigene Arbeitgeberportal. Doch viele Unternehmen haben immer noch keines oder nutzen es nicht ausreichend. Dabei ist das erst der Anfang für die Recruiting-Strategie im Netz.

Brauchen Unternehmen eigentlich Arbeitgeberportale? Eine Frage, die Sie sich mit Sicherheit auch schon gestellt haben. Verneinen dürfen Sie diese nur, wenn Sie folgende Kriterien erfüllen: Jeder -  und wirklich jeder – potenzielle Bewerber kennt Ihr Unternehmen. Tja, und hier können wir schon aufhören mit der Aufzählung. Denn glauben Sie mir – und das ist so sicher, wie das Amen in der Kirche – es kennt Sie nicht jeder in jeder Zielgruppe beziehungsweise nicht jeder hat Sie als potenziellen Arbeitgeber auf dem Schirm. Was sogar für in der breiten Masse beliebte Arbeitgeber wie BMW, Daimler oder SAP gilt, betrifft natürlich erst recht Mittelstand, Kleinunternehmen und Hidden Champions. Und weil jedes Unternehmen vor der Herausforderung steht, potenzielle Mitarbeiter für sich zu begeistern, muss es natürlich alles nur Erdenkliche tun, um die entsprechende Reichweite und Bekanntheit aufzubauen.

Die Mindeststandards der Karrierewebseite

Am Anfang aller Maßnahmen stehen natürlich Ihre Hausaufgaben. Sprich, sich mit Werten, Zielen und Unternehmenskultur auseinandersetzen, um diese Informationen potenziellen Bewerbern dann glaubwürdig aufbereitet auf Ihren Karriereseiten bereitzustellen. Dass diese dann auch auffindbar sind – durch einen auf der Unternehmenshomepage sichtbar platzierten Karriere-Button oder in der Stellenanzeige genannte URL – sollte selbstverständlich sein. Das ist das Mindeste, was Sie tun können und müssen. Alle Wege laufen hier zusammen, hier informiert sich der Bewerber, hier startet der Bewerbungsprozess.

Die Karriereseite ist erst der Anfang im Netz

Reicht doch aus, werden Sie jetzt sagen und sich bequem zurücklehnen.

So? Stehen die Bewerber bei Ihnen Schlange? Das berühmte F-Wort ist kein Thema für Sie? Prima!

Ist natürlich Quatsch. Denn natürlich brauchen Sie zusätzliche Präsenzen, um auf sich als Arbeitgeber aufmerksam zu machen. Wie schon oben erwähnt, ist es eben nicht so, dass jeder Sie kennt. Demzufolge müssen Sie alle Register ziehen, um das zu ändern. Seien wir ehrlich: In den meisten Fällen ist das, was als Fachkräftemangel empfunden wird, nichts anderes als Ihr mangelndes Engagement, sich als Arbeitgeber zu verkaufen. So heißt es beispielsweise in "Wettbewerbsfaktor Fachkräfte" von McKinsey: "Viele Unternehmen schöpfen die Möglichkeiten des Personalmarketings nicht voll aus – oder ihre Recruiting-Strategie ist nicht weitsichtig genug angelegt […] (wenn es denn überhaupt eine gibt, Anm. d. Verf.). Verbesserungen sind meist möglich in der Gestaltung […] der Online-Präsenz."

Und das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) bringt es folgendermaßen auf den Punkt: "Die Handlungsoptionen für Betriebe sind noch lange nicht ausgeschöpft."

Auf anderen Plattformen die Zielgruppe treffen

Genauso ist es. Längst werden nicht alle Möglichkeiten genutzt, die einem das wundersame Neuland Internet bietet. Natürlich sollten Sie sich nicht auf jedes x-beliebige Portal stürzen. Vielmehr ist entscheidend, dass Sie dort vertreten sind, wo sich Ihre Zielgruppe tummelt und auf Sie aufmerksam werden kann.

Denn was ist mit den Millionen von potenziellen Bewerbern da draußen, die Sie nicht kennen, Sie aber unbedingt kennen sollten, weil Sie ja ein Top-Arbeitgeber sind? Dumm nur, dass das keiner weiß, weil Sie sich eben nicht darum bemühen, auf anderen Plattformen Flagge zu zeigen.

Mithilfe der Suchmaschinen zum Ziel

Genau das müssen Sie aber: Sie müssen möglichst viele Duftnoten im Netz verteilen, eine Spur auslegen, der der Bewerber dann folgen kann. In dem Sie auf den richtigen Jobbörsen vertreten sind (und nicht nur auf einer einzigen), in dem Sie Portale nutzen, auf denen sich die Zielgruppe tummelt (nein, das ist nicht Facebook und schon gar nicht eine Jobmesse auf Twitter) und Sie so für Reichweite sorgen.

Die meisten dieser Plattformen verschaffen Ihnen nicht nur direkt Zugang zur Zielgruppe, beispielsweise durch entsprechende Unternehmensprofile, auch indirekt treiben Sie Ihnen dank Google Bewerber in die Arme. Denn Anbieter wie Kimeta, Kununu oder Ausbildung.de betreiben etwas, was Sie leider nur allzu selten berücksichtigen: Suchmaschinenoptimierung. Dank dieser Suchtreffer bekommen Sie deutlich mehr Reichweite und Aufmerksamkeit. Und am Ende die richtigen Bewerber. Etwas, was Sie ausschließlich mit Ihrer Karriereseite nicht schaffen.

Blogger und Berater Henner Knabenreich

Henner Knabenreich ist Geschäftsführer der Knabenreich Consult GmbH. Er berät Unternehmen bei der Optimierung ihres Arbeitgeberauftritts. Zudem ist er Initiator von personalblogger.net und betreibt selbst den Blog personalmarketing2null.de.

Schlagworte zum Thema:  Recruiting, Fachkräftemangel, Rekrutierung, Personalmarketing

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