Kolumne E-Learning: Lernen und Arbeiten wachsen zusammen

Unter dem Stichwort "Performance Support" wird das Lernen während des Tuns schon seit einiger Zeit als Ideal dargestellt. Mit dem Aufschwung von Kollaborationstools wie Slack, MS Teams oder Trello könnte diese Idee jetzt endlich im Arbeitsalltag ankommen, meint Kolumnistin Gudrun Porath.

Eines der wichtigen Argumente für digitales Lernen lautet, dass damit Lernen am Arbeitsplatz möglich ist. Oder, noch besser, Lernen im Prozess der Arbeit. Geredet wird davon schon lange. Die Corona-Pandemie könnte auch hier einen entscheidenden Durchbruch bringen. E-Learning-Anbieter sollten dabei Kollaborationsplattformen im Blick behalten.

Studie offenbart Potenziale von Kollaborationssoftware

Die Umfrage des Marktanalysten Fosway Group trägt den Titel "How is Covid-19 changing Learning?" ("Wie verändert Covid-19 die betriebliche Weiterbildung?"). Die Ergebnisse sind auf den ersten Blick nicht überraschend: Die Ausgaben für digitales Lernen sind gestiegen, wer sich schon vor der Pandemie ausführlich mit der Einführung digitalen Lernens beschäftigt hatte, hat weniger Schwierigkeiten, mit den Folgen der Pandemie für Learning and Development (L&D) zurechtzukommen. Ganz allgemein ist die Nachfrage nach digitalem Lernen durch Endanwender gestiegen und neben "einfachen" Mitarbeitern lernen jetzt auch hochrangige Stakeholder digital. In der Tabelle der beliebtesten und erfolgreichsten Lerninhalte beziehungsweise Lernformate liegen Videos vor kuratierten Inhalten und Micro-Learning, Standard-Kurse dagegen landen im unteren Drittel und noch hinter Performance Support.

Es gebe Anzeichen, dass sowohl die Akzeptanz als auch der wahrgenommene Erfolg von traditionellem E-Learning nachlassen würden, folgern die Fosway-Analysten. Dazu passt, dass Learning Experience Plattformen (LXP), virtuelle Klassenräume und kollaboratives Lernen Höhenflüge erleben. 84 Prozent der befragten L&D-Verantwortlichen meinen, dass digitales Lernen stärker in Kollaborationsplattformen eingebunden werden müsse. 

Lernen mit Slack, Trello oder MS Teams

Womit wir beim Punkt sind. Ja, bestätigt David Wilson, Fosway-Gründer und Chef, daheim in den englischen Cotswolds nahe Oxford vor dem Bildschirm sitzend, es sei davon auszugehen, dass Lernen und Arbeiten in Folge der Pandemie näher zusammenwachsen statt getrennt voneinander zu passieren. Das sei nicht etwa auf eine neue Beliebtheit von Performance-Support-Materialien zurückzuführen, sondern vielmehr auf den vermehrten Einsatz von Plattformen wie Microsoft Teams, Slack oder Trello, welche die Kollaboration im Unternehmen fördern und unterstützen. In diese Plattformen, das wünschen sich L&D-Verantwortliche, sollen nun also digitale Lerninhalte verstärkt eingebunden werden. Was ist da passiert?

Seit Jahren versuchen E-Learning-Anbieter, das Thema Performance Support zu stärken, mehr oder weniger erfolgreich. Damit ist nichts anderes gemeint, als den Schwerpunkt vom Training oder Lernen in Standardkursen - und damit auf Vorrat - auf die direkte Leistungsunterstützung beim Tun zu verlegen. Lernen im "Moment of Need" ist das Stichwort, das in diesem Zusammenhang immer wieder fällt.

Dieses Lernen kann im Büro, wenn alle da sind, schon mal auf Zuruf erfolgen. Wenn alle im Homeoffice sitzen oder an verschiedenen Standorten zusammen an einem Projekt arbeiten, ist die Kollaborationsplattform das Mittel der Wahl. Ich stelle eine Frage in den Chat und wer das nötige Wissen hat, antwortet. Davon haben dann alle was. Die Arbeit muss ich dafür nicht unterbrechen. Das Tool hilft mir vielmehr dabei, produktiv zu sein und mein Wissen zu erweitern. Jetzt stelle man sich vor, die Plattform ist so intelligent, dass sie erkennt, welche Fragen häufig gestellt werden. Auf Basis dieser Auswertung poppt - zack - bei der nächsten passenden Frage ein Learning Nugget auf. Schon habe ich digitales Lernen in die Kollaborationsplattform eingebunden, Lernen und Arbeiten sinnvoll verbunden.

Neue Konkurrenz für LXP und LMS

Müssen LXP- und LMS-Anbieter nun fürchten, dass Unternehmen verstärkt in Kollaborationsplattformen investieren statt in Lernplattformen? Vorerst sicher nicht. Aber sie sollten genau beobachten, was die neue Konkurrenz so macht. In der Krise haben diese Plattformen Unternehmen und deren Mitarbeitern maßgeblich dabei geholfen, produktiv zu bleiben, ihren Job zu machen. Weder ist die Krise vorbei noch wird die Erfahrung, wie gut das funktioniert hat, so schnell vergessen werden. Ist der Druck stark genug, brauchen Veränderungen keine langwierigen theoretischen Diskussionen und Marketingmaßnahmen. Sie geschehen einfach.


Über die Kolumnistin: Gudrun Porath ist freie Journalistin. Sie beobachtet unter anderem für das Haufe Personal-Portal und die Haufe-Zeitschrift "wirtschaft + weiterbildung" die Trends auf dem E-Learning-Markt.

Schlagworte zum Thema:  E-Learning, Software, Personalentwicklung