HR zwischen Effizienzdruck und KI-Erwartungen
Die aktuelle Umfrage "HR-Realities 2025" der Fosway Group, für die zwischen Juni und November 2025 insgesamt 244 HR-Fach- und Führungskräfte befragt wurden, zeigt eine HR-Funktion, die gleichzeitig rationalisieren, automatisieren und strategischer werden soll, jedoch mit strukturellen Defiziten kämpft. Die Autoren kommen zu dem Schluss, dass sich HR damit im perfekten Sturm befinde.
HR-Arbeit: Effizienz vor Expansion
89 Prozent der 244 befragten HR-Verantwortlichen aus vornehmlich großen Organisationen sehen ihre Budgets demnach unter Druck. Mehr als die Hälfte von ihnen spricht von einem signifikanten Einfluss. Investitionen in zusätzliche Stellen sind selten geworden. Nur neun Prozent rechnen mit einem wachsenden Personalbestand, während 51 Prozent einen Rückgang erwarten. Entsprechend haben sich die geschäftlichen Prioritäten verschoben. An erster Stelle stehen nicht mehr die Talentverfügbarkeit, sondern die Leistungsfähigkeit der Organisation und ihre Profitabilität.
Gleichzeitig rückt KI ins Zentrum der HR-Agenda: 95 Prozent der Befragten spüren bereits konkrete Auswirkungen und 70 Prozent gehen davon aus, dass bis 2030 mehr als ein Drittel ihrer heutigen Tätigkeiten automatisiert oder durch KI ersetzt werden könnte – ohne Effektivitätsverlust. KI wird somit nicht mehr als Spielerei, sondern als notwendiger Hebel gesehen, um mit knapperen Ressourcen handlungsfähig zu bleiben.
Ernüchterung bei Systemen und Experience in HR
Dem technologischen Anspruch steht jedoch eine ernüchternde Realität gegenüber. So halten über 70 Prozent der HR-Profis ihre bestehenden Systeme nicht für geeignet, um die Anforderungen einer modernen Belegschaft zu erfüllen. Nur acht Prozent bewerten die eigene Employee Experience als exzellent. Besonders deutlich wird die Lücke beim Thema Kompetenzen: Zwar möchten 87 Prozent der Unternehmen kompetenzbasiert arbeiten, doch weniger als zehn Prozent haben ihre Kompetenzmodelle technisch über das gesamte HR-Ökosystem integriert.
Auch im Bereich Lernen und Entwicklung bleibt die Lage angespannt. Nur rund ein Drittel der L&D-Teams fühlt sich ausreichend vorbereitet, um die kommenden zwei bis drei Jahre erfolgreich zu gestalten – trotz wachsender Erwartungen an Upskilling und Reskilling.
Technologie seit Jahren ein strukturelles Problem
Diese Zuspitzung kommt nicht aus dem Nichts. Bereits die HR-Realities-Studien ab 2022 machten deutlich, dass Skills-Engpässe, Systemfragmentierung und steigende Anforderungen an HR-Technologien strukturelle Probleme darstellen. Die Umfragen aus den Jahren 2023 und 2024 zeigten einen zunehmenden wirtschaftlichen Druck. Effizienz rückte vor klassische Talentthemen und KI tauchte zunehmend als Hoffnungsträger auf.
Überraschend an der aktuellen Umfrage ist weniger die Dominanz von KI, sondern vielmehr die Tatsache, dass sich die Schwächen der HR-IT trotz jahrelanger Digitalisierungsinitiativen kaum verringert haben. Unverändert geblieben ist auch die Unsicherheit im L&D-Umfeld: Zwar gilt Lernen als Schlüssel zur Transformation, organisatorisch und technologisch ist es aber nach wie vor eine Dauerbaustelle.
Strategische Rolle von HR wächst weiter
Die HR Realities 2025 stellen keinen Bruch dar, sondern markieren den Höhepunkt einer Entwicklung. Die Personalabteilung befindet sich im "perfekten Sturm" aus Kostendruck, Automatisierungserwartungen und strukturellen Defiziten. Die strategische Rolle der Funktion wächst weiter, doch ob sie eingelöst werden kann, hängt weniger von Visionen ab als von der Fähigkeit, Systeme, Kompetenzen und KI tatsächlich zusammenzubringen.
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