Gleichstellungsindex: Gleichstellung in EU-Ländern im Vergleich Infografik

Mit 68,6 von 100 Punkten belegt Deutschland im EU-Gleichstellungsindex den zehnten Platz. Der europaweite Wert für die Gleichstellung der Geschlechter liegt bei 68 und hat sich im Vergleich zum Vorjahr nur um 0,6 Punkte erhöht. Und die Coronakrise könnte bereits erreichte Fortschritte wieder zunichte machen.

Der kürzlich veröffentlichte Gleichstellungsindex des Europäischen Instituts für Gleichstellungsfragen (EIGE ) zeigt, dass trotz der Errungenschaften der letzten Jahrzehnte und der Maßnahmen der EU-Kommission die Gleichstellung nur sehr langsam vorankommt - und die Coronakrise nun noch zusätzliche Herausforderungen mit sich bringt.

Coronakrise bedroht Fortschritte in der Gleichstellung

"Europa hat bei der Gleichstellung der Geschlechter zaghafte Fortschritte gemacht. Doch infolge der Covid-19-Pandemie sind große Verluste zu verzeichnen. Die wirtschaftlichen Auswirkungen dauern für Frauen länger an, während die Lebenserwartung für Männer gesunken ist. Die Ergebnisse unseres Index können den führenden Politikern in Europa dabei helfen, die unterschiedlichen Auswirkungen der Pandemie auf Frauen und Männer zu bewältigen und die ungleichen kurz- und langfristigen Folgen abzumildern", sagte Carlien Scheele, Direktorin des EIGE.

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Schweden und Dänemark an der Spitze

Schweden und Dänemark sind auch in diesem Jahr die Spitzenreiter des Index, gefolgt von den Niederlanden, die Finnland und Frankreich überholten und den dritten Platz belegten. Luxemburg, Litauen und die Niederlande haben sich seit der letztjährigen Ausgabe am meisten verbessert. Slowenien ist das einzige Land, das sich verschlechtert hat. Bei der Gleichstellung der Geschlechter gibt es große Unterschiede zwischen den Ländern. Sie reichen von 83,9 Punkten in Schweden bis 52,6 Punkten in Griechenland. Deutschland liegt mit 68,6 Punkten auf Platz 10 und hat sich damit im Vergleich zum Vorjahr um zwei Plätze verbessert.

Woran die Gleichstellung in Deutschland noch hapert

Deutschland schneidet vor allem im Bereich Bildung schlecht ab. Mit einem Indexwert von 54,7 liegt Deutschland hier nur auf Platz 24 in der EU und hat im Vergleich zu 2010 zehn Plätze und 1,6 Indexpunkte verloren. Vor allem die ungleiche Konzentration von Frauen und Männern in verschiedenen Studienfächern und Berufen stellt für Deutschland nach wie vor eine Herausforderung dar. Etwa 32 Prozent der weiblichen Studierenden gegenüber neun Prozent der männlichen Studierenden belegen ein Studienfach im Bereich Bildung, Gesundheit und Soziales oder Geisteswissenschaften und Kunst. Trotz der Bemühungen, dieses Problem anzugehen, wie beispielsweise Sonderinitiativen zur Ermutigung von Frauen, Naturwissenschaften, Ingenieurwissenschaften oder IKT zu studieren, hat diese Ungleichverteilung seit 2010 zugenommen.

Die größten Fortschritte hat Deutschland in den vergangenen zehn Jahren bei der Teilhabe von Frauen an gesellschaftlicher, politischer und wirtschaftlicher Macht erzielt. Hier stieg der Indexwert von 38,3 auf 62,8. Damit liegt Deutschland auf Platz 7 in Europa und deutlich über dem EU-Durchschnitt (55,0).

Die höchste Punktzahl erreicht Deutschland im Bereich Gesundheit, wo es mit 90,7 Punkten auf Platz 5 unter allen Mitgliedstaaten liegt. Am besten schneidet das Land im Teilbereich Zugang zu Gesundheitsdiensten ab, wo es auf Platz 2 landet.

Auswirkungen von Covid-19 auf die Gleichstellung

Der diesjährige Index konzentriert sich auf die Zusammenhänge zwischen Gesundheit und Gleichstellung der Geschlechter - ein Bereich, der durch die Coronapandemie mehr denn je zutage getreten ist. So sind beispielsweise Frauen im Gesundheitssektor überrepräsentiert und haben daher ein höheres Risiko, sich mit dem Virus anzustecken. Das Gesundheitspersonal litt während der Pandemie auch unter akuter psychischer Belastung, weil es überlastet war und Patienten leiden und sterben sah.

Männer mit Covid-19 hatten ein höheres Risiko für einen Krankenhausaufenthalt als Frauen. Dies hängt mit ihrem Gesundheitsverhalten und Vorerkrankungen wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Diabetes zusammen, die bei Männern häufiger vorkommen. Die Geburtenraten gingen zurück, vor allem in den am stärksten von der Pandemie betroffenen Ländern. Psychische Belastungen, wirtschaftliche Unsicherheit und eine Zunahme der unbezahlten Betreuungsarbeit für Frauen veranlassten Paare, das Kinderkriegen hinauszuzögern - oder gar nicht erst zu beginnen. Dies geschah zu einer Zeit, in der der Zugang zu Diensten der sexuellen und reproduktiven Gesundheit erschwert war.

Da die Covid-19-Pandemie eine noch nie dagewesene Herausforderung für das kollektive psychische Wohlbefinden und die allgemeine Gesundheit der europäischen Bürger darstellt, ist es von entscheidender Bedeutung, dass die politischen Entscheidungsträger die Belange der Gleichstellung der Geschlechter in die Gesundheits- und sonstigen Erholungsmaßnahmen einbeziehen, um die besten Ergebnisse für alle zu erzielen.

Der EU-Gleichstellungsindex

Der EU-Gleichstellungsindex misst in regelmäßigen Abständen die Gleichstellung der Geschlechter in den EU-Mitgliedstaaten und macht Bereiche sichtbar, die verbessert werden müssen. Neben den sechs Kernbereichen (Arbeit, Einkommen, Bildung, Zeit, Macht und Gesundheit) wird auch das Thema Gewalt gegen Frauen untersucht. Dem Gleichstellungsindex 2021 liegen die Daten aus dem Jahr 2019 zugrunde.


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Schlagworte zum Thema:  Gleichstellung, Diversity