Gleichstellungsindex: Gleichstellung in EU-Ländern im Vergleich Infografik

Mit 67,5 von 100 Punkten belegt Deutschland im EU-Gleichstellungsindex den zwölften Platz. Der europaweite Wert für die Gleichstellung der Geschlechter liegt bei 67,9 und hat sich im Vergleich zum Vorjahr nur um einen halben Punkt erhöht. Und die Corona-Krise könnte bereits erreichte Fortschritte wieder zunichte machen.

Der kürzlich veröffentlichte Gleichstellungsindex des Europäischen Instituts für Gleichstellungsfragen (EIGE) zeigt, dass trotz der Errungenschaften der letzten Jahrzehnte und der Maßnahmen der EU-Kommission die Gleichstellung nur sehr langsam vorankommt - und die Corona-Krise nun noch zusätzliche Herausforderungen mit sich bringt.

Corona-Krise bedroht Fortschritte in der Gleichstellung

"Die Coronavirus-Pandemie stellt eine ernsthafte Bedrohung für den Fortschritt der Gleichstellung der Geschlechter dar, die wir uns nicht leisten können. Mehr denn je müssen politische Entscheidungsträger die Ergebnisse unseres Index nutzen, um integrative Lösungen zu entwickeln, die die Gleichstellung der Geschlechter in unserer Gesellschaft sowohl während als auch nach der Pandemie fördern", so Carlien Scheele, Direktorin des EIGE.

Juliane Seifert, Staatssekretärin im Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ), sagte anlässlich der Veröffentlichung des Gleichstellungsindex: "Für mich ist ganz klar: Wir dürfen nicht zulassen, dass noch zwei weitere Generationen von Frauen in Europa nicht gleichberechtigt an Führungspositionen teilhaben, schlechter bezahlt werden und zu oft häuslicher Gewalt ausgesetzt sind." Deutschland werde sich während der EU-Ratspräsidentschaft dafür einsetzen.

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Schweden an der Spitze

Spitzenreiter innerhalb der EU ist mit 83,8 Punkten Schweden. An zweiter Stelle steht Dänemark mit 77,4 Punkten. Rumänien, Ungarn und Griechenland haben den größten Aufholbedarf: Alle drei Länder liegen unter 55 Punkten. Mit einem Plus von 2,3 Punkten hat Kroatien den größten Sprung gemacht, dicht gefolgt von den Niederlanden, die sich im Vergleich zum Vorjahr um 2,0 Punkte verbessern konnten. Mit 67,5 von 100 Punkten belegt Deutschland im EU-Gleichstellungsindex den zwölften Platz.

Woran die Gleichstellung in Deutschland noch hapert

Deutschland schneidet vor allem im Bereich Bildung schlecht ab. Mit einem Indexwert von 54 liegt Deutschland hier nur auf Platz 25 in der EU und hat im Vergleich zu 2010 sogar 2,3 Indexpunkte verloren. Vor allem die ungleiche Konzentration von Frauen und Männern in verschiedenen Studienfächern und Berufen stellt für Deutschland nach wie vor eine Herausforderung dar. Etwa 41 Prozent der weiblichen Studierenden gegenüber 17 Prozent der männlichen Studierenden belegen ein Studienfach im Bereich Bildung, Gesundheit und Soziales oder Geisteswissenschaften und Kunst. Trotz der Bemühungen, dieses Problem anzugehen, wie beispielsweise Sonderinitiativen zur Ermutigung von Frauen, Naturwissenschaften, Ingenieurwissenschaften oder IKT zu studieren, hat diese Ungleichverteilung seit 2010 zugenommen.

Die größten Fortschritte hat Deutschland in den vergangenen zehn Jahren bei der Teilhabe von Frauen an gesellschaftlicher, politischer und wirtschaftlicher Macht erzielt. Hier stieg der Indexwert von 38,3 auf 59,5. Damit liegt Deutschland auf Platz 8 in Europa und deutlich über dem EU-Durchschnitt (53,5).

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Auswirkungen der Digitalisierung auf die Gleichstellung

Der diesjährige Index konzentriert sich insbesondere auf die Auswirkungen der Digitalisierung auf das Arbeitsleben von Frauen und Männern. Demnach haben Frauen ein etwas höheres Risiko, in ihrer Arbeit durch Roboter ersetzt zu werden, und sind bei der Entwicklung künstlicher Intelligenz, digitaler Startups und hochtechnologischer Produkte wie Raumfahrzeugen, Lichtwellenleitern, Lasern und Mikrochips unterrepräsentiert. Insgesamt dominieren Männer die Entwicklung neuer Technologien in der gesamten EU.

Darüber hinais zeigt der Index, dass die Ausweitung der über Online-Plattformen organisierten Arbeit traditionelle geschlechtsspezifische Ungleichheiten wie das geschlechtsspezifische Lohngefälle und die geschlechtsspezifische Trennung reproduziert. Beispielsweise arbeiten Männer eher in der Softwareentwicklung oder bei der Lieferung von Lebensmitteln, während Frauen eher in der Online-Übersetzung oder bei Haushaltsdiensten arbeiten.

Der EU-Gleichstellungsindex

Der EU-Gleichstellungsindex misst in regelmäßigen Abständen die Gleichstellung der Geschlechter in den EU-Mitgliedstaaten und macht Bereiche sichtbar, die verbessert werden müssen. Neben den sechs Kernbereichen (Arbeit, Einkommen, Bildung, Zeit, Macht und Gesundheit) wird auch das Thema Gewalt gegen Frauen untersucht. Dem Gleichstellungsindex 2020 liegen die Daten aus dem Jahr 2018 zugrunde.


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Schlagworte zum Thema:  Gleichstellung, Diversity