0

| Auslandsentsendung

Uber lässt grüßen: Wie sich die globale Mitarbeiter-Mobilität verändert

Innovationen in der Mobilitätsbranche verändern auch die Art und Weise, wie Auslandsentsendugen gemanagt werden.
Bild: Corbis

Technologische Innovationen und neue Geschäftsmodelle verändern die Global-Mobility-Branche und das Entsendungsmanagement in Unternehmen. „Uber-Mobilität“ nennt der Dienstleister Crown World Mobility diese Entwicklung – und hat die fünf wichtigsten Trends bei der Auslandsentsendung zusammengefasst.

Das amerikanische Unternehmen Uber, ein Online-Vermittlungsdienst für Fahrdienstleistungen, ist zum Inbegriff für revolutionäre Veränderungen in der Mobilitätsbranche geworden. Der Entsendungsdienstleiser Crown World Mobility spricht daher auch von „Uber-Mobilität“, wenn der die Trends und Zukunftsvisionen bei der Auslandsentsendung von Mitarbeitern betrachtet. Dies sind die fünf wichtigsten Entwicklungen:

1. Do it yourself: Selbstorganisierte Umzüge sparen Kosten

Teil der Uber-Mobilität ist die Möglichkeit des zu entsendenden Mitarbeiters, den Umzug selbst zu planen. Das bietet große Chancen für Unternehmen, die Auslandsumzüge zu geringen Kosten organisieren wollen: Sie können dem Mitarbeiter eine Pauschale anbieten, mit der er den Umzug zumindest zum Teil selbst plant und organisiert. Ein großer Vorteil kann dies auch für den Mitarbeiter sein, denn dieser Ansatz bietet Flexibilität und Wahlmöglichkeiten.

Die Entwicklung befindet sich noch in einem frühen Stadium. Der Nachteil ist, dass die derzeitigen IT-Anwendungen auf dem Markt von IT-Fachleuten, nicht von Mobilitätsexperten entwickelt wurden. Die Technologie ist nicht interaktiv und bietet dem Mitarbeiter keine Möglichkeit, an einem bestimmten Punkt auszusteigen, wenn er die persönliche Unterstützung eines Experten benötigt. Auch ist dem Mitarbeiter nicht immer bewusst, wo sich seine Informationslücken befinden, die es zu schließen gilt. Weiterhin wurden die Apps der ersten Generation weniger für Familien als vielmehr für jüngere Mitarbeiter am Anfang ihrer Karriere entwickelt, die unbegleitet ins Ausland gehen. Die Option, mit einem Experten live sprechen oder chatten zu können, wird zwar kommen – doch das dauert noch.

2. Sorgfaltspflicht und Compliance: Selbstorganisation birgt auch Sicherheitsrisiken

Ob Uber, Grab Cab oder Airbnb – sie alle beeinflussen unsere Art, wie wir an Informationen kommen wollen und eine Auswahl treffen. Was passiert also, wenn der Mitarbeiter den Flug, das Haus, das Taxi- oder Umzugsunternehmen auswählt? Wie weit geht die Sorgfaltspflicht des Unternehmens im Hinblick auf Sicherheit und Wohlergehen der Mitarbeiter und ihrer Familien, die um die Welt reisen?

Angesichts von Natur- und menschengemachten Katastrophen fragen sich Mobilitätsteams, wie viel Kontrolle sie selbst und das Unternehmen ausüben müssen. Von Organisationen wie International SOS gibt es dafür mittlerweile neue Apps, und Facebook bietet für Notfälle eine „I’m safe“-Funktionalität. In unserer Branche müssen sich solche Anwendungen jedoch noch etablieren. Offen ist auch noch, wie stark Mitarbeiter auf ihrer Auslandsentsendung überwacht werden sollten und ob beispielsweise die gewählte Unterkunft im Zielland einer Sicherheitsüberprüfung unterzogen werden soll (ein gutes Beispiel dafür, dass sich Technologien oft schneller entwickeln als Unternehmensrichtlinien und Parameter im Unternehmen). Klar ist: Einige sicherheitsrelevante Aspekte, die sich durch die Selbstorganisation einer Entsendung durch den Mitarbeiter ergeben, sind den meisten Unternehmen im Moment noch gar nicht bekannt.

Mobilitätsteams sollten sich vorausschauend auf Notfälle vorbereiten, statt bis zum Eintritt eines Notfalls zu warten. Dazu ist es zum Beispiel oft erforderlich, die Sicherheitsrichtlinien des Unternehmens zu überarbeiten und aktualisieren und Notfallrichtlinien regelmäßig an zu entsendende Mitarbeiter zu kommunizieren.

3. Recruiting: Auslandsentsendung als Incentive nutzen

Immer einer der Top-Trends ist die Kostenersparnis. Mehr Mobilität für weniger Geld und die Möglichkeit, innerhalb eines globalen Unternehmens neue Berufserfahrung zur Karriereförderung zu sammeln – das sind zwei große Plus-Punkte bei Entsendungen, die zu geringen Kosten und in weitgehender Eigenorganisation durchgeführt werden. Gerade in der Generation der Millennials und bei Personalchefs kann dies den Ausschlag geben, sich bei einem Unternehmen zu bewerben bzw. einen neuen Mitarbeiter einzustellen. In der typischen Karriere eines Millennials gilt es schon als langer Zeitraum, wenn der Mitarbeiter zwei Jahre auf derselben Position bleibt. Doch die Hierarchien in Unternehmen sind heute flacher als je zuvor. Immer weniger Mitarbeiter arbeiten sich in traditioneller Weise auf der Karriereleiter nach oben. Demgegenüber wird es immer mehr zum Standard, sich nach neuen Karrieremöglichkeiten innerhalb desselben Unternehmens, aber in einem anderen Teil der Welt umzusehen.

Selbstinitiierte Entsendungen sind ein Trend, der zunehmend an Fahrt gewinnt. Für Führungskräfte ist es sehr vielversprechend, dass Talente immer mobiler werden und Entsendungen zu geringeren Kosten als früher möglich sind. Kostengünstige Mobilitätsoptionen sind eine sehr effiziente Möglichkeit der Personalanwerbung und -bindung.

4. Big Data: Datenanalyse hilft bei Steuerung und Controlling des Entsendungsmanagements

Den meisten Mobilitätsteams ist bewusst, wie wichtig eine gute Datensammlung ist. Mit den neuen Technologien können Unternehmen mehr Informationen über ihre Mitarbeiter sammeln als früher: Mobilitätsausgaben, demographische Angaben, Ausnahmefälle, Ausgangs- und Zielorte, Einhaltung von Einwanderungsbestimmungen und Steuervorschriften etc. Damit lassen sich Mobilitätsprogramme immer besser auf spezifische Anforderungen abstimmen und mit Diversitäts- und Inklusionsstrategien, Anforderungen von Personalchefs, Talentplanung und Geschäftspartnern vernetzen. Mit aussagekräftigen Daten können Mobilitätsprogramme effizienter genutzt werden – und so einen besseren Service bieten.

5. Virtual Reality und Mobilitäts-Avatare: Was kommt als nächstes?

Lassen wir uns inspirieren und denken wir einmal in die Zukunft – wo werden die Mobilitätslösungen nicht in zehn Jahren, sondern bereits in zwei, drei oder vier Jahren sein?

Virtuelle Realität (VR) und 3D-Technologie werden das Reisen verändern: Vielleicht wird es mit neuen Anwendungen für kostengünstige Auslandsumzüge nicht immer nötig sein, dass der Mitarbeiter oder die Mitarbeiterin mit Partner ins Zielland fliegt, um sich dort mit der Umgebung vertraut zu machen, ein Haus oder eine Wohnung zu finden, eine Schule anzusehen, Dienstleistungen zu prüfen etc., kurz: um Entscheidungen zu treffen. Möglicherweise entwickeln sich auch neue Dienstleistungen zwischen den kostengünstigen Lösungen ohne Unterstützung durch Experten und den traditionellen Verfahren mit umfangreicher Betreuung. Ausschau halten sollten wir in naher Zukunft sicherlich nach verbesserten Versionen von Skype, Videotechnik und sogar Mobilitäts-Avatars. Diese könnten dann mit dem zu entsendenden Mitarbeiter interagieren, seine Fragen beantworten und seine individuellen Anforderungen erfüllen.

 

Mehr zum Thema Auslandsentsendung:

Die zehn wichtigsten Mobilitätstrends 2016

Mal eben kurz weg: Kurzfristige Entsendungen werden wichtiger

Global Mobility mit Unternehmenszielen verbinden

Haufe Online Redaktion

Auslandsentsendung, Entsendung, Expatriates, Mobilität

Aktuell

Meistgelesen