Wie weit ist die Digitalisierung in deutschen Firmen vorangeschritten? Eine Studie der Beratungsunternehmen Mercer und HR-Impulsgeber hat den digitalen Reifegrad von Unternehmen in den Dimensionen Organisation, Technologie und Methoden gemessen. Die Ergebnisse sind alarmierend – insbesondere für HR.

90 Prozent der Führungskräfte attestieren ihrem Unternehmen, keine bis wenig rechtliche und organisatorische Grundlagen geschaffen zu haben, um relevante interne wie externe Datenquellen nutzen zu können. Nur ein Drittel der Führungskräfte (33 Prozent) gibt an, dass in ihrem Unternehmen die Routineprozesse komplett digitalisiert sind. 28 Prozent der Unternehmen gelingt es, konsequent Produkte und Dienstleistungen um digitale Applikationen zu erweitern. Lediglich ein knappes Viertel der Unternehmen (24 Prozent) ist nach Einschätzung der Befragten in der Lage, „massenhaft Daten in Echtzeit zu erheben und auszuwerten“.

Schlechte Noten für Digitalkompetenzen von Mitarbeitern und Führungskräften

Im Hinblick auf die digitalen Fähigkeiten der Beschäftigten fallen zwei Ergebnisse besonders auf: Führungskräfte sprechen ihren Mitarbeitern mehrheitlich keine oder allenfalls mittelmäßige digitale Kompetenzen zu (vgl. dazu auch die Infografik: Digitalkompetenzen der Deutschen).Trotzdem bieten nur 21 Prozent der Unternehmen spezielle Weiterbildungsangebote an. In 43 Prozent der Unternehmen existieren keine oder kaum Angebote, die das Erlernen und Erweitern digitaler Kompetenzen fördern. Zu ähnlichen Ergebnissen kommt auch eine Untersuchung von Bitkom (Arbeitnehmer stecken im digitalen Dilemma).

Aus Sicht der Mitarbeiter zeigt sich in der Studie von Mercer und HR-Impulsgeber zwar die Mehrzahl ihrer Führungskräfte (56 Prozent) offen für Veränderungsvorschläge und 65 Prozent setzen in der Zusammenarbeit auf digitale Tools (Plattformen, Intranet usw.). Gleichzeitig stellen jedoch 61 Prozent der Beschäftigten fest, dass sich ihre Führungskräfte nur teilweise bis gar nicht für Digitalisierungsthemen wie Big Data und neue Geschäftsmodelle interessieren. Auch die notwendigen Fähigkeiten für den Umgang mit Digitalisierungsthemen bescheinigen 60 Prozent der Mitarbeiter ihren Führungskräften nicht vollständig.

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Welche Digitalkompetenzen Führungskräfte brauchen

Welche Digitalkompetenzen Mitarbeiter brauchen

Wie die Organisation Digitalkompetenzen fördern kann

Wie die Personalentwicklung Digitalkompetenzen fördern kann

HR ist Schlusslicht bei der Digitalisierung

Die Analyse der betrieblichen Funktionsbereiche zeigt, dass Beschaffung (30 Prozent), Vertrieb und Produktion (jeweils 26 Prozent) derzeit einen hohen oder sehr hohen Digitalisierungsgrad aufweisen. Am geringsten ist die umfassende Nutzung digitaler Anwendungen in der HR-Funktion (14 Prozent) ausgeprägt. So finden beispielsweise eine strategische, datengetriebene Personalplanung oder die digitale Abbildung von Personalprozessen in 47 Prozent der Unternehmen kaum bis gar nicht statt. Auch um die "Digital Readiness" der HR-Mitarbeiter ist es schlecht bestellt, wie der HR-Softwaremonitor des Personalmagazins ergab.

Digitaler Reifegrad: Vier Typen von Unternehmen

Auf Basis der Umfrageergebnisse kategorisieren die Studienautoren die befragten Unternehmen in vier Typen:

  • Digital Leaders
  • Digital Experts
  • Digitalfree Champions
  • Poor Digis

Digital Leaders sind in allen Dimensionen der Digitalisierung führend. Sie haben notwendige rechtliche und organisatorische Rahmenbedingungen geschaffen und sind dadurch in der Lage, schnell Daten zu erheben und auszuwerten. Die Digitalisierung der Produkte und Entscheidungsfindungen erfolgt mit Hilfe von Datenquellen.

Digital Experts sind in allen Feldern der digitalen Transformation aktiv, die Umsetzung digitaler Methoden ist im Unternehmen jedoch weniger stark ausgeprägt als bei den Digital Leaders. Dies kompensieren diese Unternehmen dadurch, dass sie bei unklarer Datenlage mit Unsicherheit umgehen können („sehr hohe Akzeptanz verschiedener Meinungen“).

Digitalfree Champions und Poor Digis zeigen in allen Dimensionen geringere Ausprägungen, vor allem aber bei den Kompetenzen im Umgang mit Digitalisierungsthemen und der Digitalisierung von Routineprozessen.

Entsprechend ihrem jeweiligen Entwicklungsstand bestehen in den Unternehmen unterschiedliche Herausforderungen in Bezug auf die Digitalisierung. Allen vier Typen ist jedoch gemein, dass sie im Bereich Training und Weiterbildung eher schlecht abschneiden.

Die vollständige Studie kann unter www.hr-impulsgeber.de heruntergeladen werden.

 

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