Digitalisierung allein schafft keine neuen Arbeitsformen
Digitalisierung bedeutet im Bereich der Wissensarbeit vor allem, dass Unternehmen in neue Technologien investieren und Prozesse automatisieren. "Weiche Themen" wie Führung und Kultur bleiben hierbei häufig auf der Strecke. Und da New Work neben dem technologischen Fortschritt auch einen Kulturwandel braucht, sind neue Arbeitsformen in vielen Unternehmen noch keine Realität. Zu diesem Ergebnis kommt die Studie "Wissensarbeit im digitalen Wandel", für die Hays 1.000 hochqualifizierte Wissensarbeiter in Deutschland befragte.
Entwicklung hin zu New Work? Studie zeichnet ambivalentes Bild
Welche Veränderungen nehmen Wissensarbeiter in ihrem Arbeitsumfeld wahr? Laut der Studie sehen die Befragten, dass sich die Teamarbeit durch die Digitalisierung verbessert und die Arbeitsformen flexibler werden. Bei der Frage, ob sich ihre Unternehmen deshalb in Richtung New Work entwickeln, zeigt sich jedoch ein ambivalentes Bild. Während die eine Hälfte davon überzeugt ist, der Trend gehe hin zu neuen Arbeitsformen, ist ein ebenso großer Anteil der Wissensarbeiter skeptisch: Sie erkennen eher eine Tendenz dazu, weiter nach herkömmlichen Arbeitsmodellen zu arbeiten.
So nehmen 41 Prozent der Angestellten wahr, dass eigenverantwortliches Arbeiten - ein wesentlicher Aspekt von New Work - durch die Digitalisierung ausgebaut wird. Eine Vertrauenskultur halten 38 Prozent für etabliert. Außerdem konstatiert ein Drittel der Befragten einen Ausbau der Selbstorganisation. Demgegenüber stehen die Angaben derer, die einen Fortbestand "alter" Arbeitsformen erkennen: Drei von zehn Befragten stellen gar eine Stärkung der Hierarchien fest. Diesen Trend bestätigt auch eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Civey im Auftrag des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF), nach der 43 Prozent der deutschen Arbeitnehmer nicht erwarten, dass berufliche Hierarchien künftig flacher werden. Außerdem sprechen in der Hays-Studie 30 Prozent von perfektionierten Anreiz- und Kontrollsystemen. 38 Prozent der Wissensarbeiter haben eine Entwicklung hin zu strafferen Prozessen und Regeln erkannt.
Kaum Veränderungen der Unternehmensführung und -kultur
Als Ursache für das ambivalente Umfrageergebnis führen die Studienautoren von Hays an, dass sich viele Unternehmen beim digitalen Wandel vor allem auf die Technik fokussieren. So gibt ein Drittel der Wissensarbeiter an, ihr Arbeitsalltag habe sich durch neue Technologien stark verändert. Dies gilt jedoch in weit geringerem Maß hinsichtlich der Führung und Kultur. Hier sagen nur 16 beziehungsweise 17 Prozent, auf diesen Feldern hätte es starke Veränderungen gegeben.
New Work als Summe aus technologischem Fortschritt und Wandel der Führungs- und Unternehmenskultur ist demnach noch längst keine flächendeckende Realität, resümiert Dirk Hahn, CEO von Hays. "Um die vielfältigen Potenziale der Wissensarbeiter auszuschöpfen und zu integrieren, bedarf es deutlichen Veränderungen in den Unternehmenskulturen", so Hahn. Technisch seien viele Unternehmen mittlerweile zwar auf einem guten Weg, "aber die weichen Themen müssen parallel mitentwickelt werden, um die Digitalisierung kreativ zu gestalten."
Ausblick: Überblickswissen mehr gefragt als Spezialisierung
Die Studie untersuchte außerdem, ob die Wissensarbeiter glauben, dass die Digitalisierung ihre Arbeit überflüssig macht. Dem widerspricht die breite Mehrheit der Befragten (72 Prozent). Gleichwohl hält es rund die Hälfte der Wissensarbeiter für wahrscheinlich oder möglich, künftig mit Maschinen und digitalen Lösungen zu interagieren. Für ihre Tätigkeit sei künftig außerdem ein breiteres Überblickswissen gefragt (61 Prozent). Dagegen geht nur knapp ein Drittel der Befragten davon aus, dass durch die Digitalisierung der Grad ihrer Spezialisierung zunehme.
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