Warum Beschäftigte an der Frontline kündigen
Was schätzen die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, die vor Ort anwesend sein müssen, um ihre Arbeit zu verrichten, an ihrem Job? Was treibt sie zu einer Kündigung? Diese und weitere Fragen hat UKG rund 8.200 Frontline-Beschäftigten aus Einzelhandel, Gastgewerbe und Gastronomie, Gesundheitswesen, Logistik und Vertrieb, Fertigung, öffentlicher Sektor sowie Außendienst und Vertragsdienstleistungen gestellt. Die Umfrage wurde in zehn Ländern durchgeführt und brachte ein eindeutiges Ergebnis: Burnout ist in dieser Berufsgruppe weit verbreitet.
Frontline Worker: Zwei getrennte Kulturen im Unternehmen
76 Prozent der Befragten berichten im Jahr 2025 von Burnout. In der Diskussion über Work-Life-Balance und Employee Experience wird die Gruppe der Frontline Worker oft übersehen. Das führt dazu, dass fast die Hälfte der Befragten (47 Prozent) angibt, dass es in ihrem Unternehmen zwei getrennte Kulturen gibt: eine für Frontline-Beschäftigte und eine für alle anderen.
KI kann die Arbeit der Deskless Worker erleichtern
Positiv dagegen blicken die Befragten auf das Thema Künstliche Intelligenz (KI). 73 Prozent der Frontline-Mitarbeitenden sind entweder optimistisch (43 Prozent) oder noch unentschlossen (30 Prozent), was die Nutzung von künstlicher Intelligenz am Arbeitsplatz betrifft. 38 Prozent geben an, dass sie derzeit KI am Arbeitsplatz nutzen. Und die Beschäftigten, die KI nutzen, berichten deutlich seltener von Burnout als jene ohne KI-Unterstützung.
Kündigungsgründe an der Frontline
Die Kündigungsbereitschaft an der Frontline bleibt hoch. Der Bericht ermittelte die fünf wichtigsten Gründe, warum Frontline-Beschäftigte ihren Arbeitsplatz kündigen würden.
- Niedrige Löhne: 56 Prozent der Befragten geben an, von Lohnzahlung zu Lohnzahlung leben zu müssen. Das waren weniger als im Vorjahr (64 Prozent), dennoch bleiben niedrige Löhne der Hauptgrund für eine Kündigung. Das gilt insbesondere für den Bereich Gesundheit/Pflege: Etwas mehr als die Hälfte der Frontline-Beschäftigten (51 Prozent) in nicht-akuten Gesundheitssystemen (zum Beispiel Kliniken, ambulante Dienste, Zahnmedizin) geben an, dass niedrige Löhne der Hauptgrund für ihre Kündigung sind. 44 Prozent der Frontline-Beschäftigten in akuten Gesundheitssystemen und 38 Prozent in der Langzeit-/Altenpflege würden ihren Arbeitsplatz aus dem gleichen Grund verlassen.
- Fehlende Flexibilität: Nach dem Gehalt ist die Flexibilität der Arbeitszeiten der zweitwichtigste Faktor, der Einfluss darauf hat, ob Mitarbeitende auf ihrem Arbeitsplatz bleiben. Die Hälfte gibt an, dass es schwierig ist, Schichten zu wechseln, wenn kurzfristig private Probleme auftreten. Und 57 Prozent können sich nicht so viel Freizeit nehmen, wie sie gern würden. 58 Prozent der Frontline-Beschäftigten im Gastgewerbe haben das Gefühl, dass ihre Arbeitszeiten es ihnen unmöglich machen, einen gesunden Lebensstil zu pflegen.
- Mangelnde Aufstiegsmöglichkeiten: 28 Prozent geben an, dass es in ihrem derzeitigen Unternehmen nicht genügend Aufstiegsmöglichkeiten gibt. Besonders betroffen ist hier der Bereich Verwaltung/Bildung: 32 Prozent der Mitarbeitenden im öffentlichen Dienst und 22 Prozent der Mitarbeitenden im Bildungswesen sagen, dass es für sie keine Aufstiegsmöglichkeiten gibt.
- Keine Anerkennung: Mitarbeitende an der Frontline geben an, dass mangelnde Anerkennung oder Belohnungen und fehlende Sozialleistungen (jeweils 26 Prozent) Gründe für das Verlassen ihrer Position sind. Besonders im Einzelhandel sagen viele Frontline-Beschäftigten (29 Prozent), dass es an Sozialleistungen mangelt. Und 27 Prozent geben an, dass ihre Bemühungen nicht anerkannt oder belohnt werden.
- Fehlende Entwicklungsangebote: In Zeiten von Weiterbildung und Upskilling geben 20 Prozent der Frontline-Beschäftigten an, dass es in ihrem Unternehmen nicht genügend Möglichkeiten gibt, neue Fähigkeiten zu erwerben. Der Wille und die Motivation zur Weiterentwicklung sind vorhanden. 36 Prozent der Frontline-Beschäftigten in der Fertigung geben an, dass sie neue Fähigkeiten, darunter auch KI-Kenntnisse, erlernen, um sich gegenüber ihrem Arbeitgeber zu beweisen und nicht durch KI ersetzt zu werden.
Eine frühere Analyse von UKG aus dem Oktober 2025 fokussierte sich auf das Potenzial von KI, Bournout bei Frontline-Beschäftigten zu reduzieren. Sie kommt zu dem Fazit: "Frontline workers who use AI the most are burned out the least". Die jetzt veröffentlichte umfassendere Betrachtung der Daten zeigt jedoch, dass es ebenso wichtig ist, die kulturellen und organisatorischen Faktoren anzupassen – von der Vergütung und der Autonomie bei der Arbeitszeitgestattung bis hin zu Karrierechancen und Work-Life-Balance.
Das könnte Sie auch interessieren:
Unternehmen sollten Benefits neu denken
-
Essenszuschuss als steuerfreier Benefit
592
-
Workation und Homeoffice im Ausland: Was Arbeitgeber wissen müssen
551
-
BEM ist Pflicht des Arbeitgebers
255
-
Acht rettende Sätze für schwierige Gesprächssituationen
223
-
Vorlage: Leitfaden für das Mitarbeitergespräch
212
-
Ablauf und Struktur des betrieblichen Eingliederungsmanagements
202
-
Probezeitgespräche als Feedbackquelle für den Onboarding-Prozess
183
-
Checkliste: Das sollten Sie bei der Vorbereitung eines Mitarbeitergesprächs beachten
180
-
Warum Offboarding an Bedeutung gewinnt
180
-
Das sind die 25 größten Anbieter für HR-Software
174
-
2026 – Warum der bAV-Arbeitgeberzuschuss ohne Digitalisierung zum Risiko wird
26.01.2026
-
Warum Beschäftigte an der Frontline kündigen
26.01.2026
-
Erfolgsfaktor Organisation
22.01.2026
-
Barriereseiten statt Karriereseiten
22.01.2026
-
Diese Themen stehen 2026 auf der HR-Agenda
20.01.2026
-
Führungspositionen immer unbeliebter
19.01.2026
-
Was Führungskräfte in der digitalen Transformation brauchen
15.01.2026
-
Recruitingmessen richtig vorbereiten
13.01.2026
-
Welche Kanäle für Recruiting und Active Sourcing geeignet sind
13.01.2026
-
Persönliche Kandidatenansprache auf Recruitingmessen
13.01.2026