Cost-of-Living-Ranking: Teuerste Städte für Entsendungen

Auslandsentsendungen und Expansionsstrategien ins Ausland stehen in Folge der Pandemie auf dem Prüfstand. Das Cost-of-Living-Ranking 2020 von Mercer zeigt, inwieweit die Corona-Krise die Kosten von Expatriate-Paketen beeinflusst und offenbart die derzeit teuersten Standorte.

Angesichts von Personal- und Gehaltskürzungen sowie Änderungen der Benefitsprogramme, stellen Unternehmen derzeit auch ihre Expansionsstrategien im Ausland in Frage. Damit Organisationen ihre Talentpools, Mobility-Programme und Vergütungspakete bezüglich geänderter Anforderungen überprüfen können, um das Wohlergeben der Mitarbeiter, aber auch wirtschaftliche Notwendigkeiten einzubeziehen, sind valide und transparente Daten unerlässlich.

Mit dem Cost-of-Living-Ranking Vergütungsstrategien entwickeln

Das Cost-of-Living-Ranking 2020 der Unternehmensberatung Mercer will multinationalen Unternehmen und Regierungen helfen, Vergütungsstrategien für ihre im Ausland tätigen Mitarbeiter festzulegen. Es verdeutlicht, dass spezifische Faktoren wie Währungsschwankungen, die Preissteigerungen bei Waren und Dienstleistungen sowie die Instabilität der Wohnungsmärkte wesentliche Faktoren sind, die die Kosten von Expatriate-Paketen beeinflussen.

Hongkong, Aschgabat und Tokio sind die teuersten Standorte für Expats

Laut des Cost-of-Living-Rankings 2020 führt Hongkong die Liste der teuersten Städte für Expatriates an, gefolgt von Aschgabat (Turkmenistan). Tokio und Zürich bleiben auf den Plätzen drei und vier, während Singapur an fünfter Stelle steht, zwei Plätze hinter dem Vorjahr. New York City belegte in diesem Jahr den sechsten Platz, 2019 lag "Big Apple" noch auf Platz neun. Die Daten von Mercer wurden im März 2020 erhoben und trotz der Pandemie waren die Preisabweichungen an vielen Standorten nicht signifikant (im April und im Mai 2020 wurden zusätzliche Analysen durchgeführt, um die Kosten zu verifizieren).

Mercer cost of living ranking

Drei europäische Städte befinden sich unter den Top Ten der teuersten Standorte. Auf Platz vier der weltweiten Rangliste bleibt Zürich die teuerste europäische Stadt, gefolgt von Bern (achter Platz), das gegenüber dem Vorjahr um vier Plätze gestiegen ist. Die nächste europäische Stadt in der Rangliste, Genf (Platz neun), liegt gegenüber 2019 vier Plätze weiter vorne.

"Grenzschließungen und Reisebeschränkungen beeinflussen nicht nur die Kosten für Waren und Dienstleistungen, sondern auch die Lebensqualität der Expatriates", erklärt Ilya Bonic, President Career und Head of Strategy bei Mercer. "Der Klimawandel, Fragen im Zusammenhang mit dem ökologischen Fußabdruck und die Herausforderungen für die Gesundheitssysteme haben multinationale Unternehmen dazu veranlasst, darüber nachzudenken, welchen Einfluss die Nachhaltigkeit auf die Lebensbedingungen der ins Ausland entsandten Mitarbeiter hat. Städte, die einen starken Fokus auf Nachhaltigkeit legen, können den Lebensstandard erheblich verbessern, was wiederum das Wohlbefinden und die Motivation der Mitarbeiter steigern kann", so Bonic.

Cost-of-Living-Ranking: Volatilität der Wechselkurse wirkt sich aus

Die ordnungsgemäße Überprüfung von Standorten und die Vergütung von Mitarbeitern bei internationalen Einsätzen ist ebenso wichtig wie kostspielig. Die Studie zeigt, dass sich die Ausgaben für Waren und Dienstleistungen mit der Inflation und den Währungsschwankungen verschieben, wodurch die Kosten für Auslandseinsätze manchmal höher und manchmal niedriger ausfallen.

"Plötzliche Änderungen der Wechselkurse wurden hauptsächlich durch die Auswirkungen von Covid-19 auf die Weltwirtschaft verursacht", erläutert Ulrike Hellenkamp, Expertin für Auslandsentsendungen bei Mercer. "Diese Volatilität kann sich auf Expatriates in vielfältiger Weise auswirken, von Knappheit und Preisanpassungen bei Gütern und Dienstleistungen oder wenn Mitarbeiter in der Währung ihres Heimatlandes bezahlt werden und Geld im Gastland für Einkäufe vor Ort umtauschen müssen."

Europäische Länder bleiben für Entsendungen in den Kosten stabil

Trotz geringer Preiserhöhungen in Europa haben sich mehrere europäische Lokalwährungen gegenüber dem US-Dollar abgeschwächt und viele Städte sind in der Rangliste nach unten gerutscht. Als die Volkswirtschaften Frankreichs und Italiens Ende 2019 schrumpften, lag das Wachstum in der Eurozone nahe bei null. Dennoch gibt es in keinem der führenden EU-Länder Anzeichen einer Krise, wenn es um die Inflation geht. Städte wie Paris (Platz 50), Mailand (Platz 47) und Frankfurt (Platz 76) sind in der diesjährigen Rangliste zurückgefallen.

München ist teuerste Stadt Deutschlands für Auslandsentsendungen

Die Entscheidung von Großbritannien, die EU zu verlassen, hat sich nicht auf die Landeswährung ausgewirkt, die nach wie vor stark ist und gegenüber allen wichtigen Weltwährungen an Wert gewinnt. London (Platz 19), Birmingham (Platz 129) und Belfast (Platz 149) rutschten im Ranking um vier, sechs beziehungsweise neun Plätze nach oben. Die teuerste Stadt Deutschlands ist München auf Rang 72.

Kosten für Expatriates in den USA und Südamerika steigen

Während der globale Wirtschaftsabschwung in der ersten Jahreshälfte 2020 einsetzte, trieb die Stärke des Dollars die Kosten für Expatriates in US-Städten in die Höhe. Infolgedessen sind die Städte in den Vereinigten Staaten in der diesjährigen Rangliste der teuersten Städte auf den vorderen Plätzen zu finden. New York (Platz sechs) ist die am höchsten eingestufte Stadt des Landes, gefolgt von San Francisco (Platz 16), Los Angeles (Platz 17), Honolulu (Platz 28) und Chicago (Platz 30). Winston Salem, North Carolina, (Platz 132) ist laut dem diesjährigen Ranking nach wie vor die günstigste US-Stadt für Expatriates.

In Südamerika rangiert San Juan (Platz 66) als teuerste Stadt, gefolgt von Port of Spain (Platz 73), San Jose (Platz 78) und Montevideo (Platz 88). Managua (Platz 198) ist die preiswerteste Stadt Südamerikas. Caracas in Venezuela ist aufgrund der komplexen Währungssituation aus der Rangliste ausgeschlossen, die Platzierung hätte je nach dem gewählten offiziellen Wechselkurs stark variiert.

Der kanadische Dollar hat an Wert gewonnen, was zu Sprüngen in der diesjährigen Rangliste geführt hat. Mit achtzehn Plätzen gegenüber dem Vorjahr ist Vancouver (Platz 94) die teuerste kanadische Stadt in der Rangliste, gefolgt von Toronto (Platz 98). Ottawa ist die günstigste Stadt Kanadas auf Rang 151.

Kosten für Expatriates im Nahen Osten, Asien-Pazifik und Australien    

Die Vereinigten Arabischen Emirate (UEA) setzen die Diversifizierung der Wirtschaft fort und verringern in der Folge den Einfluss der Ölindustrie auf das Bruttoinlandsprodukt (BIP). Im Zuge dieses anhaltenden Prozesses gab es sowohl in Dubai als auch in Abu Dhabi negative Preisbewegungen. Genau wie die UEA ist Saudi-Arabien bestrebt, die Auswirkungen der Erdölexporte zu begrenzen und zu einem stärker diversifizierten Wirtschaftsmodell überzugehen. Die Preise sind im Laufe der letzten sechs Monate stabil geblieben, mit der bevorstehenden Mehrwertsteuererhöhung ist jedoch mit einer Preisänderung zu rechnen. Tel Aviv (Platz zwölf) ist für Expatriates nach wie vor die teuerste Stadt im Nahen Osten, gefolgt von Dubai (Platz 23), Riad (Platz 31) und Abu Dhabi (Platz 39). Kairo (Platz 126) bleibt trotz eines Anstiegs um 40 Plätze die günstigste Stadt der Region.

Sechs der unter den Top Ten geführten Städte in der Rangliste liegen in Asien. Hongkong behielt seinen Platz als teuerste Stadt für Expatriates sowohl in Asien als auch weltweit aufgrund von Währungsschwankungen, die sich am US-Dollar messen lassen und die Lebenshaltungskosten vor Ort in die Höhe treiben. Diesem globalen Finanzzentrum folgen Aschgabat (2. Platz), Tokio (3. Platz), Singapur (5. Platz), Schanghai (7. Platz) und Peking (10. Platz). Mumbai (Platz 60) ist die teuerste Stadt Indiens, während Kalkutta (Platz 185) die günstigste indische Stadt im Ranking ist.

In der Rangliste sind australische Städte 2020 zurückgefallen, da die Landeswährung gegenüber dem US-Dollar an Wert verloren hat. Sydney (Platz 66), Australiens teuerste Stadt in der Rangliste für Expatriates, verzeichnete einen Rückgang um 16 Plätze.

Statt Entsendungen: interne Wechsel oder Umsiedlung von Expatriates  

"Die Covid-19-Pandemie zeigt, dass die Entsendung und Weiterbeschäftigung von Mitarbeitern im Auslandseinsatz eine enorm verantwortungsvolle und schwierige Aufgabe ist", erklärt Bonic. "Ein starker Anstieg der Auslandsentsendungen ist aufgrund der derzeitigen Situation nicht zu erwarten. Unternehmen sollten sich eher auf interne Wechselmöglichkeiten von Expatriates vorbereiten und Verständnis dafür zeigen, dass nicht alle Mitarbeiter bereit sein werden, ins Ausland zu gehen."

Kurzfristig kann die Vorbereitung auf neue Ansätze zur Auslandsentsendung auch die Umsiedlung von Expatriates bedeuten, die in ihr Heimatland zurückgeschickt wurden. Mittelfristig liegt die Priorität auf der Anpassung der Auslandsentsendung an neue Wirtschaftsmodelle, die sich auf verkürzte Lieferketten, regionale Einsätze und die Weiterbildung von Mitarbeitern konzentrieren. "Die Entwicklung zu neuen Formen der Auslandstätigkeit, die wir schon seit geraumer Zeit bemerken, wird sich - ausgelöst durch die Pandemie - erheblich verstärken und beschleunigen. Besonderes Augenmerk wird hierbei auf die Akzeptanz der Mitarbeiter, insbesondere was kritische Standorte anbelangt, und die Kostensituation gelegt werden müssen", betont Hellenkamp.


Zu den ausführlichen Ergebnissen und dem gesamten Ranking gelangen Sie hier.


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Schlagworte zum Thema:  Entsendung, Ausländische Betriebsstätte