Virtuelle Avatare übernehmen die Rolle des Bewerbers und des Recruiters in einer interaktiven 3D-Trainingsumgebung für Bewerbungsgespräche. Bild: DFKI

Die einen wollen den Job, die anderen eine Stelle mit dem bestmöglichen Kandidaten besetzen: Bewerbungsgespräche erfordern eine hohe Professionalität, die sich jetzt mit virtuellen Avataren trainieren lässt.

Das Training mit Avataren entstand in einem vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderten Projekt namens "Empathische Trainingsbegleiter für den Bewerbungsprozess", kurz Empat. Das Trainingssystem erlaube Bewerbern und Schulungspersonal, die eigenen sozialen und emotionalen Fähigkeiten in einem interaktiven Dialog mit virtuellen Avataren einzuschätzen und zu verbessern. Dabei übernehmen Avatare die Rolle des Bewerbers und des Recruiters in einer  interaktiven 3D-Trainingsumgebung für Bewerbungsgespräche. 

Der Trainingsavatar geht auf das Bewerberverhalten ein

Das System erfasst über eine Kamera die sozialen Signale (Sprache, Mimik, Gestik und Körperhaltung) der Benutzer, analysiert sie in Echtzeit und verarbeitet die Emotionen anhand eines entsprechenden Benutzermodells weiter, um  das Verhalten des interaktiven Trainingsavatars an die individuelle sozio-emotionale Situation des Bewerbers anzupassen. So ist es zum Beispiel sogar möglich, dass der Avatar den Bewerber gezielt provoziert, um seinen Umgang mit Kritik zu testen.

Das System ermögliche ein einfühlsames Trainieren von sozialen Fähigkeiten in verschiedensten Bereichen wie beispielsweise der Mitarbeiterführung und Kundeninteraktion, aber durchaus auch beim Wiedererlernen von kognitiven und körperlichen Fähigkeiten während der Rehabilitation neuro-psychologischer Erkrankungen, sagte Projektleiter Patrick Gebhard. Der Empat-Ansatz sei ein weiterer Schritt in Richtung sozial-emotionale interaktive Systeme, die zu unterschiedlichen Trainingszwecken eingesetzt werden könnten.

Empat-Ansatz zur Vorbereitung von Bewerbungsgesprächen

Im Rahmen des Projekts hatte man 22 Akzeptanz- und Evaluationsstudien durchgeführt, um ein möglichst breites Bild über die Einflussfaktoren im Bewerbungsgespräch und die Akzeptanz einer Empat-Simulation zu bekommen. Demnach sei der Empat-Ansatz der klassischen Vorbereitung auf Job-Interviews hinsichtlich Angstreduktion, Körpersprache und Interviewperformance überlegen. Virtuelles Training, gestützt durch automatische Erkennung von non-verbalem Verhalten, erweitert um Analyse und Feedback zum non-verbalen Verhalten, könne dazu dienen, echte Bewerbungsgespräche effektiv vorzubereiten.

Empat ist Teil des Förderschwerpunktes "Vom technischen Werkzeug zum interaktiven Begleiter - Sozial- und emotionssensitive Systeme für eine optimierte Mensch-Technik-Interaktion" ("Inter Emotio"). Präsentiert wurde die neue Art des Trainings von den Entwicklern vom Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz, DFKI, bei einem Netzwerktreffen in Bonn.

Schlagworte zum Thema:  Recruiting, Training, E-Learning

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