Schlechte Prognose für ein Azubi-Happy-End
In Deutschland enden 14,3 Prozent aller Ausbildungen damit, dass der Azubi seinen Ausbildungsberuf wechselt oder seine Ausbildung ganz abbricht. Zwar stellen die meisten Azubis schon zu Beginn ihrer Ausbildung fest, dass der gewählte Beruf nicht der richtige für sie ist – doch in 45 Prozent der Fälle geschieht der Abbruch erst nach über einem Jahr. Das sind zentrale Ergebnisse einer Studie des Tübinger Instituts für Angewandte Wirtschaftsforschung (IAW).
Die Wissenschaftler betrachteten dafür die Ausbildungsverläufe von circa 3.000 Auszubildenden, die zwischen 1987 und 1993 geboren wurden. Zudem führten sie in vier baden‐württembergischen Regionen Fallstudien durch. Das erlaubte ihnen, Risikofaktoren für Ausbildungsabbrüche zu identifizieren. Die wichtigsten sind demnach ein fehlender Schulabschluss, eine schlechte Abschlussnote in der Schule sowie geringe berufliche Qualifikationen der Eltern.
Doch auch die Persönlichkeit der Azubis trägt laut den Erkenntnissen der Wissenschaftler dazu bei, ob diese ihre Ausbildung eher abbrechen oder nicht. Fehlt den Azubis etwa das Selbstvertrauen oder mangelt es ihnen an Konfliktfähigkeit, wird dadurch ein Abbruch begünstigt.
Mehr Abbrüche in kleineren Betrieben
Auch die Betriebsgröße ist offenbar von Bedeutung: Ausbildungen in kleineren Betrieben werden den IAW-Erkenntnissen zufolge deutlich häufiger abgebrochen als in größeren. Dies gilt, obwohl die Wissenschaftler berücksichtigten, dass kleine Betriebe tendenziell eher weniger gut qualifizierte Jugendliche ausbilden.
Doch warum brechen Azubis in kleineren Betrieben eher ihre Lehre ab? Die Wissenschaftler vom IAW glauben, dass fehlende Ausbildungsstrukturen in kleinen Betrieben dafür verantwortlich sind. Zudem spielen offenbar auch andere persönliche Probleme und Konflikte eine Rolle: Die sind laut Studie in kleinen Betrieben schwieriger zu lösen.
Prüfungsangst ist ein Motiv für viele Abbrüche
Ein bemerkenswerter Aspekt ist zudem: Für Abbrüche am Ende der Ausbildungszeit ist den Beobachtungen der Wissenschaftler zufolge vor allem Prüfungsangst ein Motiv. Das deckt sich auch mit der Erfahrung von Praktikern, die bei Initiativen der "Assistierten Ausbildung" mit leistungsschwächeren Azubis zusammenarbeiten. Ein Beispiel dafür ist die Initiative "Vera", bei der Senioren ehrenamtlich Azubis coachen, die Schwierigkeiten rund um ihre Ausbildung haben.
In einem Interview mit der Haufe Online Redaktion erläutert Walter Fischer, Teamleiter bei "Vera", dass die überwiegende Mehrheit der Jugendlichen mit Fragen zu Prüfungen und Fachunterricht auf die Senioren-Experten zukämen. Meist zeige die tatsächliche Arbeit dann aber, dass es mehr um soziale als um fachliche Probleme gehe. "Oft trauen sich die Azubis etwa nicht zu fragen, wenn sie in der Schule oder im Betrieb etwas nicht verstanden haben", so Fischer.
Schlechte Prognosen für Ex-Azubis
Haben die Azubis ihre Ausbildung einmal abgebrochen, steht nur knapp die Hälfte von ihnen innerhalb von zwei Jahren wieder in einem neuen Ausbildungsverhältnis. Gut ein Fünftel geht einer Erwerbstätigkeit nach, mehr als jeder sechste Ex-Azubi bleibt ausbildungs‐ oder arbeitslos.
Die Studienautoren schlagen deshalb vor, dass Ausbildungsabbrecher in den Förderungen des Bunds und der Länder stärker als eigenständige Problemgruppe definiert werden sollten. Bisher setzten Maßnahmen eher auf die Vermeidung des Ausbildungsabbruchs, böten aber weniger Unterstützung für Abbrecher.
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