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Vorbild Chamäleon: Agilität ist die höchte Form der Anpassungsfähigkeit einer Organisation an die Umwelt. Bild: pixabay

Was ist Agilität und wie kann ein Unternehmen agil werden? Betrachtet man die verschiedenen Definitionen von Agilität in der Literatur, so kristallisiert sich heraus, dass die agile Organisation im wesentlichen durch vier Dimensionen gekennzeichnet ist.

Agilität ist  kein neues Thema, sondern existiert bereits seit fast 70 Jahren in unterschiedlichen Facetten und Ausprägungen (lesen Sie auch: Das Konzept der Agilität: Geschichte und Entwicklung). Es erhält aber durch die Digitalisierung eine größere Bedeutung und eine hohe Aktualität. Allerdings bleibt der Begriff Agilität in Publikationen und im beruflichen Sprachgebrauch häufig nach wie vor unscharf – oder optimistischer ausgedrückt – schillernd. Nachfolgend ein Überblick über Definitionsansätze aus wissenschaftlicher Literatur und in der Praxis.

Agilität: Definition in der Literatur

In der Literatur wird unter Agilität die Fähigkeit eines Unternehmens verstanden, sich kontinuierlich an seine komplexe, turbulente und unsichere Umwelt anzupassen. Zudem muss es sich schnell an interne und externe Veränderungen anpassen, indem es die Fähigkeit entwickelt, diese Veränderungen möglichst rechtzeitig zu antizipieren, selbst innovativ und veränderungsbereit zu sein, ständig als Organisation zu lernen und dieses Wissen allen relevanten Personen zur Verfügung zu stellen. So wird Agilität zu einem essenziellen Faktor für den Erhalt der Wettbewerbsfähigkeit und damit für das Überleben eines Unternehmens.

Die agile Organisation: schlank, flexibel, kundenorientiert

Betrachtet man eine Vielzahl unterschiedlicher Beiträge zum Thema Agilität, so kann man bestimmte Eigenschaften und Besonderheiten derjenigen Organisationen identifizieren, die immer wieder als charakteristisch für agile Organisationen beschrieben werden. Dabei handelt es sich zumeist um flexible und schlanke, innovative und kundenorientierte, mitarbeiterkompetenzorientierte, sich auf neue Technologien stützende Organisationen, die Marktentwicklungen frühzeitig erkennen und sich bei den Strukturen und Prozessen wie bei den Personen (quantitativ und qualitativ) und Kulturen schnell anpassen. Das Grundprinzip ist: Schnelles und richtiges Anpassen fördert das Überleben! Dieses Grundprinzip ist entnommen aus der Evolutionstheorie sowie aus Gedanken der Kontingenztheorie.

Agilität ist Anpassung an interne und externe Veränderungen

Die Evolutionstheorie argumentiert, dass die Entwicklung von Organisationsstrukturen einem evolutionären Prinzip folgt, das in zwei alternativen Varianten auftritt: Die Organisationsumwelt (exogen) und/oder die Organisationsinwelt (endogen) determinieren den Evolutionsprozess. Danach gibt es drei Gründe, warum Organisationen nur in geringem Maße fähig sind, sich an Umweltveränderungen anzupassen.

  • Im Unternehmen gibt es unterschiedliche Interessengruppen, die unterschiedliche Ziele verfolgen.
  • Es existieren nur unvollkommene Informationen über Zweck-Mittel-Beziehungen.
  • Und schließlich gibt es das Phänomen der Trägheit von Organisationen.

Die organisationale Trägheit lässt sich in interne und externe Hindernisse einteilen. Die internen Hindernisse können nicht getätigte Investitionen, fehlendes Know-how oder innerer Widerstand gegen Veränderung sein. Die externen Hindernisse können Markteintritts- und Marktaustrittsbarrieren oder die finanzielle Belastung für die Beschaffung des nötigen Know-hows sein.

Aus den oben beschriebenen Erkenntnissen lassen sich zwei Schlussfolgerungen ziehen, die für die Definition des Begriffs "Agilität"essentiell sind:

  • Agilität ist eine wichtige Voraussetzung für die Anpassung an eine sich verändernde Umwelt sowie an eine veränderte Inwelt, was das Überleben von Organisationen sichert.
  • Das Gegenteil von Agilität ist die Trägheit eines Unternehmens.

Agilität: Definition und Verständnis des Begriffs in der Praxis

Inzwischen liegen erste quantitative Studien zur Verbreitung und Ausgestaltung von agilen Methoden und Praktiken in Unternehmen in Deutschland vor. Notwendigerweise können diese Befragungen jedoch nur schwer eruieren, welche Konzepte und begriffliche (Vor-)Verständnisse von Agilität oder agilen Methoden die Befragten überhaupt zugrunde legen. Daher hat das Institut für Personalforschung (IfP) an der Hochschule Pforzheim eine explorativ angelegte qualitative Studie durchgeführt. Mehr zu dieser Studie lesen Sie im Beitrag: "Was ist Agilität und welche Vorteile bringt eine agile Organisation?"

Die vier Dimensionen von Agilität: Geschwindigkeit, Anpassungsfähigkeit, Kundenzentriertheit und Haltung

In der Studie kristallisierte sich heraus, dass in der Praxis unter Agilität vier zentrale Aspekte verstanden werden: Geschwindigkeit, Anpassungsfähigkeit, Kundenzentriertheit und Haltung. Unter Geschwindigkeit und Anpassungsfähigkeit wird verstanden, dass Organisationen schnell und dynamisch auf Veränderungen reagieren und sich schnell an Veränderungen anpassen müssen.

Der dritte zentrale Aspekt ist die stärkere Kundenzentriertheit, die durch Agilität erzielt wird oder werden soll. Hier sind es vor allem die kurzen Zyklen und Iterationen, das Vorwärtsgehen in kleinen Schritten und die Möglichkeit punktuell und schnell auf Kundenwünsche zu reagieren.

Neben Geschwindigkeit, Anpassungsfähigkeit und Kundenorientierung benennen die Studienteilnehmer einen weiteren für sie zentralen Aspekt: die agile Haltung. Diese agile Haltung, manchmal auch als agiles Mindset bezeichnet, umfasst verschiedene Punkte bezüglich (veränderter) Verhaltensweisen der Organisationsmitglieder. Wesentlich ist demnach ein wertschätzender Umgang, der eine Begegnung auf Augenhöhe ermöglicht.

Mehr zu agilen Methoden der Arbeitsgestaltung lesen Sie hier.

 

Download-Tipp:

Studie: Wie agil sind deutsche Unternehmen?

Schlagworte zum Thema:  Agilität

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