Unternehmenskultur: Aufgaben, Kennzeichen und Auswirkungen

Zusammenfassung

 
Überblick

Unternehmenskultur bezieht sich auf die in jedem Unternehmen bestehenden Vorstellungs- und Orientierungsmuster, die das Verhalten der Mitarbeiter und der Führungskräfte prägen.

1 Was ist Unternehmenskultur?

1.1 Kernmerkmale einer Unternehmenskultur

  1. Sie ist großteils nicht sichtbar und dennoch wirksam.
  2. Sie bezieht sich auf die im Unternehmen vorherrschenden gemeinsamen Orientierungen und Werte.
  3. Unternehmenskultur wird von den Mitarbeitern gelebt; die in ihr enthaltenden Orientierungsmuster sind selbstverständliche Annahmen des Denkens und Fühlens.
  4. Unternehmenskultur wird oft durch unbewusstes Lernen im Umgang mit Problemen vermittelt.
  5. Unternehmenskultur kann Sinn und Ordnung in einer komplexen Welt vermitteln.

1.2 Was ist Unternehmenskultur nicht?

In vielen Unternehmen bestehen Visionen, Leitbilder, Führungsgrundsätze und ähnliche "Verlautbarungen", denen entnommen werden kann, wie Führungskräfte und Mitarbeiter sich verhalten sollten. Derartige "Schriftsätze"“haben häufig sehr wenig mit der Praxis zu tun und aus ihnen kann man in der Regel keine Rückschlüsse auf die tatsächliche Unternehmenskultur ziehen. Im Gegensatz dazu bezieht sich die Unternehmenskultur auf die tatsächlich gelebten Vorstellungs- und Orientierungsmuster, die das Verhalten der Führungskräfte und Mitarbeiter prägen. Unternehmenskultur bezieht sich daher nicht auf das, was sein soll, sondern auf das, was tatsächlich ist!

Unternehmenskultur ist nicht

  • nur in wenigen Unternehmen vorhanden,
  • gleichzusetzen mit dem Wohl der Arbeitnehmer,
  • gleichzusetzen mit Betriebsklima,
  • das "Schöngeistige" oder die "Hochkultur",
  • besser, wenn stärker und/oder homogener.
 
Praxis-Tipp

Unternehmenskultur bei Mitarbeiterauswahl beachten

Bei der Auswahl von Mitarbeitern wird traditionell auf das Können und die Motivation der Neu-Einzustellenden geachtet. Dies reicht nicht aus. So ist es möglich, dass ein hoch befähigter und hochmotivierter Mitarbeiter nach einiger Zeit frustriert Ihr Unternehmen verlässt, da er nicht zu Ihrer Unternehmenskultur passt. Dem "Können" und dem "Wollen" der Mitarbeiter müssen daher bei der Einstellungsprüfung das "Sollen" und "Dürfen", die durch die Unternehmenskultur vorgegeben sind, vergleichend gegenübergestellt werden. Nur bei einer hohen Übereinstimmung werden Mitarbeiter und Unternehmen zufrieden sein. So nützt es Ihnen nichts, wenn die neu eingestellte, fähige, engagierte und voller sehr guter Ideen steckende Sachbearbeiterin in eine Subkultur Ihres Unternehmens kommt, in der hauptsächlich Routineaufgaben zu erledigen sind und keinerlei Veränderungen erwünscht sind.

1.3 Warum ist das Wissen über Ihre Unternehmenskultur für Sie so wichtig?

Stellen Sie sich vor, Sie müssten als Führungskraft ein Unternehmen in China leiten; die chinesische Sprache haben Sie in Deutschland gelernt. Können Sie sich vorstellen, dass Sie hier aufgrund der chinesischen Kultur erhebliche Schwierigkeiten haben? Ähnliches kann Ihnen passieren, wenn Sie eine neue Stelle in einem Unternehmen antreten, das eine ganz andere Unternehmenskultur hat als die Unternehmen, in denen Sie bisher gearbeitet haben. Ein (Führungs-)Verhalten, das in einer Unternehmenskultur Erfolg bringt, kann in einer anderen Unternehmenskultur im Extremfall zu Ihrer Entlassung führen. Eine entsprechende Unternehmenskultur kann Unternehmen helfen, sich besser und schneller an sich wandelnde Umweltbedingungen anzupassen und ihre internen Prozesse entsprechend zu gestalten.

In einem sehr dynamischen Unternehmen ist es üblich, Entscheidungsprozeduren zu hinterfragen und zu ändern, wenn diese nicht mehr der Situation angepasst sind. Eine Führungskraft aus solch einem Unternehmen kommt nun in eine Unternehmenskultur, in der es viele "heilige Kühe" gibt und in der Veränderungen von bestehenden Entscheidungsprozeduren als persönliche Angriffe gewertet werden. Die neue Führungskraft muss diese neue Unternehmenskultur schnell verstehen und in ihren Handlungen berücksichtigen, wenn sie nicht auf große Widerstände stoßen will. Besser wäre es gewesen, sie hätte bereits vor der Einstellung bei Betriebsbesichtigungen und Gesprächen mit verschiedenen Mitarbeitern die Unternehmenskultur analysiert und bemerkt, dass sie in solch einer Unternehmenskultur nicht glücklich werden wird.

Weitere Gründe, warum Wissen über die Unternehmenskultur so wichtig ist:

  • Gerade in Unternehmen mit ausgeprägten Subkulturen kommt es zwischen diesen häufig zu Konflikten, die ohne das Verständnis dieser Subkulturen nicht zu erklären und zu bearbeiten sind.
  • Bei der Einführung neuer Technologien kann die Unternehmenskultur sowohl förderlich sein als auch ein bedeutendes Hindernis darstellen.
  • Unternehmen müssen sich entwickeln um auf entsprechende Umweltänderungen zu reagieren. Hier kommt es entscheidend auf die jeweilige Unternehmenskultur an, inwieweit diese Entwicklung erfolgreich gelingt.

2 Wie kann man eine Unternehmenskultur erfassen und beschreiben?

2.1 Beschreibung der Unternehmenskultur nach Edgar Schein ("Scheinsches Schema")

Dieses Modell kann auch mit einem Eisberg verglichen werden: der obere Teil ist klar sichtbar, der untere Teil unterhalb der Wasseroberfläche bleibt unsichtbar. Bei der Analyse einer Unternehmenskultur geht man dabei von oben nach unten vor: Zuerst konzentriert man sich auf die sichtbaren Symbole und Zeichen, daraus erschlie...

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