Teilzeitausbildung / Arbeitsrecht

1 Vorteile der Teilzeitausbildung für Unternehmen

Bei der oft schwierigen Suche nach geeigneten Auszubildenden können die Unternehmen durch die Möglichkeit der Teilzeitausbildung einen größeren Interessenten- und Bewerberkreis ansprechen. Die meist jungen Mütter oder Väter, die sich für eine Berufsausbildung neben der Kindererziehung entscheiden, sind in der Regel sehr engagiert, pflichtbewusst und organisiert in ihrer Arbeitsweise. Wird eine Vollzeitausbildung durch Mutterschutz- oder Elternzeit unterbrochen, kann die Ausbildung im Rahmen eines Teilzeitmodells dennoch beendet werden. Teilzeitauszubildende können – je nach Betriebsorganisation und Bedarf – im Unternehmen flexibel eingesetzt werden. Teilzeitausbildung bedeutet Familienfreundlichkeit; dies stellt einen Imagegewinn für das Unternehmen dar und sichert den Aufbau von Fachkräften.

2 Voraussetzungen der Teilzeitausbildung

2.1 Berechtigtes Interesse

Eine Teilzeitausbildung kann derjenige in Anspruch nehmen, der ein berechtigtes Interesse im Sinne des § 8 Abs. 1 Satz 2 BBiG bzw. § 27 b Abs. 1 Satz 2 HwO an einer verkürzten täglichen oder wöchentlichen Ausbildungszeit hat. Ein berechtigtes Interesse liegt vor, wenn

  • der oder die Auszubildende ein eigenes Kind betreut,
  • einen pflegebedürftigen Angehörigen pflegt oder
  • vergleichbare schwerwiegende Gründe vorliegen.

Das berechtigte Interesse kann dabei von Beginn der Ausbildung an vorliegen, so dass die Ausbildung vollumfänglich über die gesamte Dauer in Teilzeit erfolgt. Es kann aber auch erst nachträglich im Laufe der Vollzeitausbildung entstehen.

 

Praxis-Beispiel

Nachträgliches berechtigtes Interesse

Bekommt eine Auszubildende in Vollzeit während ihrer Ausbildung ein Kind, hat sie ein berechtigtes Interesse an der Umwandlung ihrer Ausbildungsstelle in eine Teilzeitausbildung. Hierdurch kann der Abschluss der Ausbildung sichergestellt werden, der in Vollzeit entweder gar nicht oder nur nach einer erheblichen Erziehungspause erfolgen könnte.

2.2 Antrag

Die Durchführung einer Ausbildung in Teilzeit muss nach § 8 Abs. 1 BBiG vom Auszubildenden und dem Ausbildenden gemeinsam beantragt werden. Die reine Vereinbarung zwischen Auszubildendem und Betrieb reicht nicht aus. Der Antrag ist bei der jeweils zuständigen Stelle zu stellen. Dies sind die berufsständischen Organisationen wie z. B. die Industrie- und Handelskammer oder die Handwerkskammer.

2.3 Erreichung des Ausbildungsziels

Bei einer Verkürzung der täglichen bzw. wöchentlichen Ausbildungszeit nach § 8 Abs. 1 Satz 2 BBiG muss zu erwarten sein, dass das Ausbildungsziel in der gekürzten Zeit erreicht werden kann. Im Einzelfall kann die Gesamtausbildungsdauer verlängert werden, um die tägliche bzw. wöchentliche Verkürzung auszugleichen und die Erreichung des Ausbildungsziels sicherzustellen.

3 Modelle der Teilzeitausbildung

Im Wesentlichen gibt es 2 verschiedene Modelle der Teilzeitausbildung:

  • Die Ausbildungszeit einschließlich des Berufsschulunterrichts beträgt mindestens 25 Stunden bzw. 75 % der wöchentlichen Arbeitszeit. Die Gesamtausbildungszeit verlängert sich bei diesem Modell in der Regel nicht.
  • Die Ausbildungszeit beträgt einschließlich des Berufsschulunterrichts mindestens 20 Stunden. Bei dieser Ausgestaltung der Ausbildung verlängert sich die Gesamtausbildungszeit um maximal ein Jahr.
 

Achtung

Keine Reduzierung der Berufsschulzeit

Die Reduzierung der Ausbildungszeit betrifft nur die Ausbildungszeit im Betrieb. Der zeitliche Umfang der Anwesenheitspflicht in der Berufsschule wird nicht herabgesetzt.

Viele berufsständische Kammern oder andere Organisationen führen Modellprojekte für die Teilzeitberufsausbildung durch und stehen als Ratgeber bei der praktischen Umsetzung der Teilzeitausbildung zur Verfügung.

4 Ausbildungszeitrahmen

Sofern die wöchentliche Arbeitszeit 25 Stunden nicht unterschreitet, führt die Teilzeitausbildung im Regelfall zu keiner Verlängerung der kalendarischen Gesamtausbildungsdauer. Dies bedeutet, dass es bei den üblichen Ausbildungszeitrahmen für den jeweiligen Ausbildungsberuf verbleibt. Im Einzelfall kann aber die verkürzte tägliche oder wöchentliche Arbeitszeit mit einer verlängerten kalendarischen Ausbildungsdauer verbunden werden, wenn die Verlängerung zur Erreichung des Ausbildungsziels notwendig ist. Die Verlängerung beträgt maximal 1 Jahr. Über die Verlängerung entscheidet die jeweils zuständige Stelle, bei der auch der Antrag einzureichen ist.

5 Ausbildungsvergütung

Die Auszubildenden haben nach § 17 BBiG einen Anspruch auf angemessene Ausbildungsvergütung. Dies gilt auch für Teilzeitauszubildende. Die Ausbildungsvergütung orientiert sich an der Vergütung für eine Vollzeitausbildungsstelle. Je nach geleisteter Stundenzahl kann die Ausbildungsvergütung entsprechend zeitanteilig bzw. prozentual reduziert werden.

 

Praxis-Beispiel

Vergütung bei 75 % Arbeitszeit

Wird die tägliche bzw. wöchentliche Ausbildungszeit auf 75 % reduziert, kann auch die Ausbildungsvergütung dementsprechend auf 75 % der üblichen Vergütung für eine Vollzeitausbildungsstelle herabgesetzt werden.

Es kann aber auch die Zahlung einer ungekürzten Ausbildungsvergütung vereinbart werden.

6 Vertragliche Vereinbarungen

In dem verwendeten Berufsausbildungsvertrag ist die Vereinbarung einer Teilzeitausbildung als wesentlicher Inhalt des Vertrages...

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