Studenten / Sozialversicherung

1 Studentische Kranken- und Pflegeversicherung

In der gesetzlichen Krankenversicherung und in der sozialen Pflegeversicherung besteht für Studenten, die an einer staatlichen oder staatlich anerkannten Hochschule (Universitäten oder Fachhochschulen) immatrikuliert sind, Versicherungspflicht.

Die Krankenversicherung der Studenten (KVdS) besteht grundsätzlich längstens bis zum Ablauf des Semesters, in dem das 30. Lebensjahr vollendet wird.

 
Hinweis

Anzahl der Fachsemester für KVdS ab 1.1.2020 nicht mehr relevant

Bisher endete die KVdS mit dem Abschluss des 14. Fachsemesters. Diese Begrenzung ist zum 31.12.2019 weggefallen. Studenten an staatlichen oder staatlich anerkannten Hochschulen bleiben damit kranken- und pflegeversicherungspflichtig, solange sie noch nicht das 30. Lebensjahr vollendet haben, unabhängig von der Anzahl zurückgelegter Fachsemester.

Über die Altersgrenze (Vollendung des 30. Lebensjahres) hinaus wird die studentische Kranken- und Pflegeversicherung fortgeführt, wenn

  • die Art der Ausbildung,
  • familiäre bzw. persönliche Gründe oder
  • der Erwerb der Zugangsvoraussetzung für das Studium im Wege des Zweiten Bildungswegs

die Überschreitung der Altersgrenze rechtfertigen.

 
Wichtig

Keine KVdS für Promotionsstudenten

Personen, die nach erfolgreichem Abschluss eines Hochschulstudiums ein Promotionsstudium aufnehmen, unterliegen nicht der KVdS. Beim Promotionsstudium handelt es sich um kein "geregeltes Studium", d. h. um einen Studiengang mit vorgegebenen Inhalten, der regelmäßig mit einem förmlichen Abschluss endet. Das Promotionsstudium dient vielmehr dem Nachweis der wissenschaftlichen Qualifikation nach Abschluss des Studiums.

1.1 Verlängerungstatbestände für die KVdS

1.1.1 Art der Ausbildung

Als Verlängerungstatbestände aufgrund der "Art der Ausbildung" werden neben dem Erwerb der Zugangsvoraussetzungen zum Studium in einer Ausbildungsstätte des Zweiten Bildungswegs auch die Teilnahme an einem studienvorbereitenden Sprachkurs (bei Abschluss mit der Deutschen Sprachprüfung für den Hochschulzugang – sog. DSH-Prüfung) sowie der Besuch eines Studienkollegs (mit abgelegter Feststellungsprüfung) anerkannt, sofern sie zwingende Voraussetzung für die Studienaufnahme sind.

1.1.2 Familiäre/persönliche Gründe

Als familiäre bzw. persönliche Gründe kommen z. B. in Betracht die Erkrankung oder Behinderung von Familienangehörigen oder des Studenten selbst, sofern dadurch das Studium nicht oder nur eingeschränkt möglich war. Ferner kann die Geburt und anschließende Betreuung eines Kindes, eine gesetzliche Dienstpflicht oder Dienstpflichtverlängerung als Zeitsoldat als Verlängerungstatbestand anerkannt werden.

1.1.3 Freiwilligendienste

Die Teilnahme am freiwilligen Wehrdienst, Bundesfreiwilligendienst und an vergleichbaren anerkannten Freiwilligendiensten (z. B. Internationaler Jugendfreiwilligendienst) kann zu einer Verlängerung der Krankenversicherung der Studenten – maximal für 12 Monate – führen.

1.1.4 Anrechnung von Hinderungsgründen

Die Altersgrenze (Vollendung des 30. Lebensjahres) kann nur durch solche Hinderungsgründe überschritten werden, die vor Vollendung des 30. Lebensjahres liegen und ursächlich dafür waren, dass ein Studium bis zum Erreichen der Altersgrenze nicht abgeschlossen werden konnte. Erst danach auftretende oder noch fortbestehende Hinderungsgründe können eine Überschreitung der Altersgrenze nicht rechtfertigen.

1.2 Befreiung von der Versicherungspflicht

Studenten haben die Möglichkeit der Befreiung von der Versicherungspflicht, um sich über ein privates Krankenversicherungsunternehmen zu versichern. Diese Möglichkeit für eine Befreiung besteht auch dann, wenn unmittelbar vor dem Eintritt der Versicherungspflicht als Student eine andere Krankenversicherungspflicht vorgelegen hat, z. B. als Arbeitnehmer. Die Befreiung hat keine Auswirkungen auf die versicherungsrechtliche Beurteilung von Personen, die während des Studiums eine Beschäftigung ausüben und angesichts des Umfangs der Beschäftigung ihrem Erscheinungsbild nach nicht mehr ordentlich Studierende, sondern Arbeitnehmer sind. In diesen Fällen führt die Aufnahme bzw. Ausübung einer Beschäftigung, auch wenn sie im Rahmen eines nicht vorgeschriebenen Praktikums ausgeübt wird, grundsätzlich zur Versicherungspflicht als Arbeitnehmer.

Die Befreiung wirkt, solange das Studium fortbesteht und ohne die Befreiung Versicherungspflicht bewirken würde. Sie erstreckt sich nicht auf ein nachfolgendes bzw. späteres Studium, es sei denn, die erneute Studienaufnahme und der damit einhergehende Versicherungspflichttatbestand schließt sich nahtlos oder nach einer kurzen Unterbrechung von bis zu einem Monat an das bisherige Studium und die Befreiung an.

1.3 Vorrang der Familienversicherung

Familienversicherte Studenten sind nicht in der studentischen Krankenversicherung versicherungspflichtig. Die Familienversicherung ist der Versicherungspflicht als Student vorrangig.

Studenten haben im Regelfall bis zur Vollendung des 25. Lebensjahres Anspruch auf Familienversicherung der gesetzlichen Krankenversicherung und der sozialen Pflegeversicherung des Vaters oder der Mutter. Die Familienversicherung verlängert sich ggf. noch um die Dauer von höchstens 12 Monaten aufgrund der Teilnahme am freiwilligen Wehrdienst, Bundesfreiwilligendienst, Jugendfreiwilligendienst oder an...

Das ist nur ein Ausschnitt aus dem Produkt Haufe Personal Office Platin. Sie wollen mehr? Dann testen Sie hier live & unverbindlich Haufe Personal Office Platin 30 Minuten lang und lesen Sie den gesamten Inhalt.


Meistgelesene beiträge