DGUV Information 215-211: Tageslicht am Arbeitsplatz – leistungsfördernd und gesund (bisher BGI/GUV-I 7007)

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Was bietet Ihnen diese Schrift?

Diese Information bietet Ihnen eine Hilfestellung zur Planung der Beleuchtung von Arbeitstätten mit Tageslicht. Hier finden Sie Hinweise und Tipps, wie Sie Tageslicht an Arbeitsplätzen nutzen können und somit für die Gesundheit und Leistungsfähigkeit Ihrer Mitarbeiter sorgen können.

Diese Information gibt Antworten, wie die Forderungen nach ausreichendem Tageslicht der Arbeitsstättenverordnung und der BG-Regel "Natürliche und künstliche Beleuchtung von Arbeitsstätten" (BGR 131) erfüllt werden können.

Sie gibt z. B. Hinweise, was bei Fenstern oder Dachoberlichtern zu beachten ist oder zur Kombination von Tageslicht mit Kunstlicht.

1. Was ist Tageslicht?

Bild 1: Licht, der sichtbare Teil der elektromagnetischen Strahlung

Tageslicht ist der sichtbare Teil der Sonnen- und Himmelsstrahlung. Die sichtbare Strahlung ist der kleine Ausschnitt aus dem Bereich der elektromagnetischen Strahlung bei Wellenlängen zwischen 380 und 780 Nanometer. Licht wird einfarbig wahrgenommen, besteht aber aus verschiedenen Farbanteilen, die bei Brechung des Lichts durch ein Prisma sichtbar werden.

Am violetten Bereich des Lichts schließt sich die ultraviolette (UV-) Strahlung und am roten Bereich die infrarote (IR-) Strahlung an. Letztere wird auch als Wärmestrahlung bezeichnet.

Das Tageslicht ändert je nach

  • Tages- und Jahreszeit,
  • Bewölkung und
  • geografischer Lage

seine Helligkeit, Richtung und Farbe.

2. Warum ist Tageslicht wichtig?

Durch die verschiedenen Helligkeiten, Lichtrichtungen und Lichtfarben wirkt Tageslicht unterschiedlich stimulierend auf den Menschen. Er ist entwicklungsgeschichtlich an das veränderliche Tageslicht, den Rhythmus von Tag und Nacht angepasst. Seine innere Uhr wird dadurch "gestellt".

Das Licht im Freien weist hohe Beleuchtungsstärken auf. Selbst an einem trüben Novembertag können dort etwa 5.000 Lux gemessen werden. Im Sommer werden bei bedecktem Himmel 20.000 Lux, bei Sonnenschein sogar bis zu 100.000 Lux erreicht. Tageslicht steht meistens ausreichend zur Verfügung – es muss nur zielgerichtet an den Arbeitsplätzen genutzt werden.

Werden Arbeitsplätze mit ausreichendem Tageslicht beleuchtet, wirkt es auch stimulierend und motivierend auf die Mitarbeiter, die in Innenräumen arbeiten. Diese Wirkung wird allein mit künstlicher Beleuchtung nicht erreicht.

Haben die Mitarbeiter zudem eine gute Sichtverbindung nach außen, erhalten sie Informationen z. B. über ihre Umgebung und das Wetter, die zu ihrem Wohlbefinden beitragen.

Außerdem können wirtschaftliche Vorteile, z. B. durch Einsparung von Energiekosten für die künstliche Beleuchtung erreicht werden. Negative Auswirkungen und Kosten, die durch einen unangemessenen Wärmeeintrag verursacht werden, lassen sich durch eine gezielte Planung gering halten und oftmals vermeiden.

3. Was sagt der Gesetzgeber?

Auf Grund der positiven Wirkungen des Tageslichts für die Gesundheit des Menschen, stellt auch die Arbeitsstättenverordnung besondere Anforderungen an die Nutzung des Tageslichts.

Auszug aus dem Anhang der Arbeitsstättenverordnung

„3.4 Beleuchtung und Sichtverbindung

(1) Die Arbeitsstätten müssen möglichst ausreichend Tageslicht erhalten und mit Einrichtungen für eine der Sicherheit und dem Gesundheitsschutz der Beschäftigten angemessenen künstlichen Beleuchtung ausgestattet sein.”

Die Technische Regel für Arbeitsstätten ASR A3.4 "Beleuchtung" konkretisiert diese Anforderung der Arbeitsstättenverordnung.

Die BG-Regel "Natürliche und künstliche Beleuchtung von Arbeitsstätten" (BGR 131) greift diese Forderungen auf und betont zudem die Bedeutung der Sichtverbindung nach außen.

4. Was bedeutet möglichst ausreichendes Tageslicht?

Ausreichendes Tageslicht wird erreicht, wenn das Verhältnis von lichtdurchlässiger Fläche (z. B. von Fenstern, Türen, Wänden, Dachoberlichtern) zur Raumgrundfläche mindestens 1 : 10 beträgt. Für Räume mit höheren Sehanforderungen ist von einem Verhältnis von 1 : 5 auszugehen. Dabei sind bestimmte Randbedingungen (z. B. keine Verbauung) Voraussetzung. Um auch die geforderten Beleuchtungsstärken an den Arbeitsplätzen ausschließlich mit Tageslicht zu erreichen, sind weitere Faktoren maßgeblich (siehe hierzu Abschnitt 9).

Nicht zu jeder Tages- und Jahreszeit besteht die Möglichkeit, die Arbeitsplätze ausschließlich mit Tageslicht genügend zu beleuchten. Werden die geforderten Beleuchtungsstärken allein durch das Tageslicht nicht erreicht, soll die künstliche Beleuchtung zugeschaltet werden. Aber auch dann kann der Tageslichtanteil aktivierend, leistungs- und gesundheitsfördernd wirken. Ob diese positiven Wirkungen erreicht werden, hängt von mehreren Einflussfaktoren ab, z. B. der spektralen Zusammensetzung und der Helligkeit des Lichts. Jedoch fehlen diesbezüglich noch ausreichend abgesicherte und detaillierte Erkenntnisse.

Arbeitsräume können mit Hilfe des Tageslichtquotienten auf ausreichendes Tageslicht überprüft werden.

Der Tageslichtquotient ist das Verhältnis der Beleuchtungsstärke an einem Punkt im Innenraum zur Beleuchtungsstärke im Freien ohne Verbauung bei vollständig bedecktem Himmel gemessen zum gleichen Zeitpunkt (siehe Bild 2).

Bild 2: Ermittlung des Tagesl...

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