Arbeitsförderung / 5.2 Förderung für Beschäftigte/Betriebe

Mit dem zum 1.1.2019 in Kraft getretenen Qualifizierungschancengesetz wurde die Weiterbildungsförderung für Beschäftigte in Betrieben erheblich ausgebaut. Damit soll die Fachkräftebasis und die Wettbewerbsfähigkeit der Betriebe im Strukturwandel gestärkt werden. Bisher war eine Förderung grundsätzlich auf Beschäftigte ohne Berufsabschluss und auf Arbeitnehmer in Klein- und Mittelbetrieben (weniger als 250 Beschäftigte – sog. KMU) beschränkt. Mit der Reform wird eine Förderung künftig grundsätzlich unabhängig von Ausbildung, Lebensalter und Betriebsgröße für alle Beschäftigten ermöglicht. Gleichzeitig wurden die Förderleistungen deutlich verbessert. Neben der Übernahme von Weiterbildungskosten können generell auch Zuschüsse zum Arbeitsentgelt gezahlt werden. Es bleibt jedoch dabei, dass die Weiterbildung von Beschäftigten vorrangig in der Verantwortung der Betriebe liegt. Dies gilt insbesondere für kürzere innerbetriebliche Weiterbildungen. Bei längeren Maßnahmen sehen die Förderregelungen zudem in der Regel eine angemessene finanzielle Beteiligung des Arbeitgebers vor.

Nach der Neuregelung können Beschäftigte gefördert werden, wenn

  • Fertigkeiten, Kenntnisse und Fähigkeiten vermittelt werden, die über ausschließlich arbeitsplatzbezogene kurzfristige Anpassungsfortbildungen hinausgehen,
  • der Erwerb des Berufsabschlusses in der Regel mindestens 4 Jahre zurückliegt,
  • sie in den letzten 4 Jahren vor der Antragstellung nicht an einer bereits nach dieser Regelung geförderten beruflichen Weiterbildung teilgenommen haben,
  • die Maßnahme grundsätzlich außerhalb des Betriebes oder von einem zugelassenen Träger im Betrieb, dem sie angehören, durchgeführt wird und mehr als 160 Stunden dauert und
  • die Maßnahme und der Träger der Maßnahme für die Förderung zugelassen sind.

Die Förderung soll darauf gerichtet sein, Beschäftigten, die berufliche Tätigkeiten ausüben, die durch Technologien ersetzt werden können oder in sonstiger Weise vom Strukturwandel betroffen sind, eine Anpassung und Fortentwicklung der beruflichen Kompetenzen zu ermöglichen, um den genannten Herausforderungen besser begegnen zu können.

 

Praxis-Tipp

Begründung des Förderbedarfs

Beleg für einen solchen Förderbedarf ist ein hohes Substituierbarkeitspotenzial eines Berufes durch Digitalisierungs- und Automatisierungsprozesse. Davon spricht man bei Berufen, in denen bereits heute mehr als 70 % der Tätigkeiten automatisiert werden können, etwa in Fertigungsberufen, in denen Tätigkeiten weitgehend durch Computer oder IT-gesteuerten Maschinen erledigt bzw. ersetzt werden können.

Unabhängig von den vorgenannten Qualifizierungsbedarfen ist eine Förderung möglich, wenn eine Weiterbildung in einem sog. "Engpassberuf", d. h. in einem Beruf mit einem Fachkräftemangel, angestrebt wird (z. B. die Fachkräfteengpassanalyse der Bundesagentur für Arbeit).

 

Wichtig

Erleichterte Förderbedingungen in KMU

Für Beschäftigte in KMU gelten erleichterte Förderbedingungen. Bei ihnen ist eine Förderung auch unabhängig vom Vorliegen der vorgenannten Gründe (Strukturwandel bzw. Engpassberuf) möglich, wenn sie

  • bei Beginn der Teilnahme an einer Bildungsmaßnahme das 45. Lebensjahr vollendet haben oder
  • schwerbehindert sind.

Diese Sonderregelung gilt befristet auch noch für jüngere Beschäftigte, wenn deren Bildungsmaßnahme bis zum 31.12.2020 beginnt.

5.2.1 Förderleistungen

Die Förderleistungen umfassen die Übernahme von Weiterbildungskosten und Zuschüsse zum Arbeitsentgelt, soweit die Qualifizierung im Rahmen eines bestehenden Arbeitsverhältnisses durchgeführt wird.

5.2.2 Weiterbildungskosten

Hier wird grundsätzlich vorausgesetzt, dass der Arbeitgeber sich angemessen an den Lehrgangskosten beteiligt. Ausnahmen gelten für Kleinstbetriebe und in bestimmten Fällen für KMU. Im Einzelnen gilt folgende Staffelung:

  • In Kleinstbetrieben mit weniger als 10 Beschäftigten soll von einer Kostenbeteiligung des Arbeitgebers ganz abgesehen werden.
  • In KMU mit mindestens 10 und weniger als 250 Beschäftigten liegt eine angemessene Beteiligung vor, wenn der Arbeitgeber mindestens 50 % der Kosten trägt. Hier kann jedoch ebenfalls von einer Kostenbeteiligung ganz abgesehen werden, wenn es sich um Beschäftigte ab dem 45. Lebensjahr oder um schwerbehinderte Beschäftigte handelt.
  • In Betrieben mit 250 Beschäftigten und weniger als 2.500 Beschäftigten liegt eine angemessene Beteiligung vor, wenn der Arbeitgeber mindestens 75 % der Kosten trägt.
  • In Betrieben ab 2.500 Beschäftigten liegt eine angemessene Beteiligung vor, wenn der Arbeitgeber mindestens 85 % der Kosten trägt. Liegt eine Betriebsvereinbarung oder ein "betriebsbezogener Tarifvertrag" über die berufliche Weiterbildung vor, genügt eine Beteiligung an den Kosten in Höhe von mindestens 80 %.

5.2.3 Zuschüsse zum Arbeitsentgelt

Bei Beschäftigten, bei denen die Voraussetzungen für eine Förderung wegen eines fehlenden Berufsabschlusses erfüllt sind, kann (bei voller Freistellung) ein Zuschuss bis zu 100 % des Arbeitsentgelts gezahlt werden. Im Übrigen gilt folgende Staffelung:

  • In Kleinstbetrieben mit weniger als 10 Beschäftigten kann ein Zuschuss in Höhe von bis z...

Das ist nur ein Ausschnitt aus dem Produkt Haufe Personal Office Platin. Sie wollen mehr? Dann testen Sie hier live & unverbindlich Haufe Personal Office Platin 30 Minuten lang und lesen Sie den gesamten Inhalt.


Meistgelesene beiträge