Weihnachtsgeld: Wer bekommt wie viel? Infografik

Im November können sich viele Beschäftigte über Weihnachtsgeld freuen. Insgesamt erhalten 53 Prozent der Arbeitnehmer die Sonderzahlung. Für Angestellte, die in einem tarifgebundenen Unternehmen im Westen Deutschlands in Vollzeit arbeiten, ist die Aussicht auf Weihnachtsgeld am besten.

Wer wie viel Weihnachtsgeld bekommt, hat das WSI-Tarifarchiv der Hans-Böckler-Stiftung in einer Online-Befragung auf ihrem Internetportal www.lohnspiegel.de ermittelt. Rund 139.000 Beschäftigte haben zwischen Anfang 2018 und Oktober 2019 an der Befragung teilgenommen. Laut Umfrage liegt der Anteil unter Tarifbeschäftigten, die 2019 Weihnachtsgeld erhalten, bei 76 Prozent. Das entspricht in etwa dem Vorjahreswert (77 Prozent).

Aus Daten des Statistischen Bundesamts, die aus aktuellen Tarifverträgen zusammengetragen wurden, geht ein noch höherer Prozentsatz hervor: Danach erhalten 86,9 Prozent der Tarifbeschäftigten in Deutschland Weihnachtsgeld. Dabei kommen alle Sonderzahlungen im November und Dezember als Weihnachtsgeld zur Geltung.

Weihnachtsgeld: Ohne Tarifvertrag seltener

In Betrieben ohne Tarifvertrag sind es laut WSI-Tarifarchiv hingegen vier von zehn Personen, die sich über Weihnachtsgeld freuen können - der gleiche Wert wie Im Jahr 2018. "Wenn der Tarifvertrag fehlt", so der Leiter des WSI-Tarifarchivs Prof. Thorsten Schulten, "sind die Beschäftigten oft gleich doppelt benachteiligt: Zum einen erhalten sie im Durchschnitt einen deutlich niedrigeren Monatslohn und zum anderen gehen sie am Jahresende oft leer aus."

Weihnachtsgeld 2019: Zahlen und Fakten

Im Ländervergleich wird deutlich: Es gibt Unterschiede zwischen dem früheren Bundesgebiet und den neuen Bundesländern. Im Westen bekommen laut WSI-Tarifarchiv 56 Prozent, im Osten dagegen nur 41 Prozent aller Beschäftigten Weihnachtsgeld. Laut Studie hängt dies auch damit zusammen, dass die Tarifbindung im Osten deutlich niedriger ist als im Westen.

Insgesamt beobachten die WSI-Forscher den Rückgang der Tarifbindung mit Sorge. Zuletzt arbeiteten nur noch 56 Prozent (West), beziehungsweise 45 Prozent (Ost) der Beschäftigten in einem Betrieb mit Tarifvertrag. "Viele Arbeitgeber ohne Tarifbindung erklären zwar in Umfragen, sich am Tarifvertrag zu orientieren. Doch beim Weihnachtsgeld tun das offensichtlich nur wenige", erklärt Schulten. "Und selbst wenn tariflose Arbeitgeber Weihnachtsgeld zahlen, entspricht dessen Höhe nicht notwendigerweise dem tariflichen Anspruch."

Aus der Studie des Statistischen Bundesamts gehen folgende Daten hervor:

Ländervergleich bei Tarifbeschäftigten

Früheres Bundesgebiet

Neue Bundesländer

Durchschnittliches Weihnachtsgeld

2.644 €

2.547 €

Anteil der Beschäftigten,
die Weihnachtsgeld erhalten

87,0 %

86,4 %

Weihnachtsgeld ist bei vollzeitbeschäftigten Männern wahrscheinlicher

Neben der Tarifbindung und der Ost-West-Lage hat das WSI-Tarifarchiv eine Reihe weiterer Merkmale identifiziert, die die Chancen auf Weihnachtsgeld erhöhen. Frauen erhalten demnach seltener Weihnachtsgeld (50 Prozent) als Männer (55 Prozent). Bei Vollzeitbeschäftigung ist der Erhalt von Weihnachtsgeld mit 54 Prozent ebenfalls wahrscheinlicher als bei Teilzeitbeschäftigten, von denen 47 Prozent eine entsprechende Sonderzahlung erhalten. Dieser Unterschied gleicht sich aber weiter an.

Durchschnittliches Weihnachtsgeld zeigt große Branchenunterschiede

Die durchschnittliche Summe liegt laut der Daten des Statistischen Bundesamt für 2019 bei 2.632 Euro brutto. In der Energieversorgung erhalten fast alle Beschäftigte Weihnachtsgeld, durchschnittlich 4.923 Euro. Bei den Lehrern und Erziehern sind es mit 2.978 Euro und 82,6 Prozent der Beschäftigten schon deutlich weniger. Am geringsten ist der Betrag mit 1.034 Euro im Gastgewerbe. Allerdings erhalten diese Summe 92,7 Prozent der Tarifbeschäftigten.

Viele Arbeitnehmer wünschen sich Freizeit statt Weihnachtsgeld

Dabei muss es nicht zwangsläufig eine Sonderzahlung sein, um Mitarbeiter für gute Leistungen zu honorieren. Das Vergleichsportal Gehalt.de hat im November 2019 ebenfalls eine Studie zum Thema Weihnachtsgeld durchgeführt und dafür 1.490 Nutzerinnen und Nutzer befragt. Demnach sind fast dreiviertel der Befragten mit der Höhe ihres 13. Gehalts generell zufrieden. Drei von zehn Befragten können sich allerdings vorstellen, das Geld gegen mehr Freizeit einzutauschen. Ein weiteres Ergebnis der Umfrage: Für fast 40 Prozent ist die Sonderzahlung ein Grund, bei ihrem Arbeitgeber zu bleiben.


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