Nur 41 Prozent der Beschäftigten in Deutschland erhalten Urlaubsgeld. Bild: Hans Böckler Stiftung / Statista

Weniger als jeder zweite Beschäftigte in Deutschland erhält Urlaubsgeld. Das geht aus der jährlichen Analyse des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung hervor. Lesen Sie hier, in welchen Branchen am meisten Urlaubsgeld gezahlt wird.

Das Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Institut (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung wertet jedes Jahr die Tarifverträge aus 22 Branchen aus und führt eine ergänzende Online-Umfrage durch. An der nicht repräsentativen Umfrage hatten sich im Laufe des Jahres 2016 gut 6.600 beteiligt. Das Ergebnis: Insgesamt erhalten knapp 43 Prozent der Beschäftigten in Deutschland Urlaubsgeld, das heißt: mehr als die Hälfte geht leer aus.

Urlaubsgeld: Zwischen 156 und 2.300 Euro

Die Höhe des Urlaubsgeldes schwankt stark nach Branchen zwischen 156 Euro im Steinkohlenbergbau und mehr als 2.300 Euro in der Holz- und Kunststoff verarbeitenden Industrie im Westen. Ausgezahlt wurde das Geld oft mit dem Mai-Gehalt, es gibt aber keinen allgemeingültigen Zeitpunkt.

Große Branchenunterschiede beim Urlaubsgeld

Industriebeschäftigte haben im Schnitt bessere Chancen auf die Sonderleistung als Mitarbeiter in Dienstleistungsberufen. So erhalten nach der WSI-Auswertung im Gesundheits- und Sozialwesen gerade einmal rund ein Viertel der Beschäftigten das Extra-Geld, in der öffentlichen Verwaltung weniger als ein Drittel, im Gastgewerbe gut 36 Prozent der Beschäftigten.

In der Industrie bekommen dagegen rund zwei Drittel der Mitarbeiter die Einmalzahlung zur Sommerzeit. Mit um die 2.000 Euro liegt das Urlaubsgeld etwa in der Papier-, der Metall- und der Druckindustrie aktuell auch am oberen Rand der Bandbreite. Kellner und Hotelbeschäftigte müssen sich dagegen vielfach mit einem Zehntel davon zufriedengeben. Im Osten sind die Leistungen insgesamt oft niedriger.

Höhe des Urlaubsgelds stagniert in vielen Branchen

In 12 von 22 Branchen gab es 2016 Zuwächse - zum Beispiel in der Druck-, Eisen- und Stahlindustrie, im Einzelhandel und bei der Bahn. Wo das Urlaubsgeld stagnierte - etwa in der Chemie, dem Großhandel oder Hotel- und Gaststättengewerbe - habe es entweder keine Tarifverhandlungen und folglich keine Lohnzuwächse gegeben, oder das Urlaubsgeld sei als Festbetrag vereinbart worden, der nicht automatisch mit dem Tarifabschluss steigt, erklärte das WSI.

Frauen erhalten seltener Urlaubsgeld

Männer (knapp 51 Prozent der Befragten) beziehen die Leistung öfter als Frauen (39 Prozent), in Westdeutschland fällt der Anteil mit 49 Prozent deutlich höher aus als im Osten (gut 33 Prozent), und größere Betriebe zahlen öfter Urlaubsgeld als Kleinunternehmen mit weniger als 100 Beschäftigten.

Hintergrund: Wann besteht Anspruch auf Urlaubsgeld?

Das Urlaubsgeld ist ein freiwilliger Zuschuss des Arbeitgebers, auf den es keinen gesetzlichen Anspruch gibt. Allerdings kann ein Anspruch entstehen, wenn das Urlaubsgeld im Arbeits- oder Tarifvertrag vereinbart ist oder seit Jahren üblicherweise im Unternehmen gezahlt wird.

Ausführliche Informationen zu allen arbeitsrechtlichen, lohnsteuerlichen und SV-rechtlichen Fragen zum Urlaubsgeld finden Sie in unserem Top-Thema "Urlaubsgeld" sowie auf unserer Themenseite "Einmalzahlung".

 

Schlagworte zum Thema:  Urlaubsgeld, Einmalzahlung, Sonderzahlung

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