Unfall bei Arbeitsweg: Krankheitskosten steuerlich wirksam

Aufwendungen in Zusammenhang mit der Beseitigung oder Linderung von Körperschäden durch einen Unfall auf dem Weg zur ersten Tätigkeitsstätte können als Werbungskosten neben der Entfernungspauschale abgezogen werden. 

Für den Weg zur Arbeit gilt die sogenannte Entfernungspauschale von täglich 0,30 Euro je Entfernungskilometer. Steuerfreie Arbeitgebererstattungen sind für Fahrten mit dem PKW nicht möglich, allerdings kann der Arbeitgeber Zuschüsse bis zur Höhe der abzugsfähigen Werbungskosten pauschal mit 15 Prozent versteuern. Mit der Entfernungspauschale sind grundsätzlich alle Kosten für den Arbeitsweg abgegolten, nicht aber etwaige Krankheitskosten, die durch einen Unfall auf dem Weg zur Arbeit entstehen.

Krankheitskosten können als Werbungskosten abgezogen werden

Erleidet ein Steuerpflichtiger auf dem Weg zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte einen Unfall, kann er nach einem neuen Urteil des Bundesfinanzhofs (BFH) die durch den Unfall verursachten Krankheitskosten als Werbungskosten abziehen. Solche Krankheitskosten werden nicht von der Abgeltungswirkung der Entfernungspauschale erfasst. 

Im Streitfall erlitt die Klägerin durch einen Verkehrsunfall auf dem Weg von ihrer ersten Tätigkeitsstätte nach Hause erhebliche Verletzungen. Sie machte die hierdurch verursachten Krankheitskosten, soweit sie nicht von der Berufsgenossenschaft übernommen wurden, als Werbungskosten bei ihren Einkünften aus nichtselbständiger Arbeit geltend. Finanzamt und Finanzgericht ließen den Werbungskostenabzug  zunächst nicht zu. 

Unfallkosten sind nicht gleich Unfallkosten

Der BFH erkannte die unfallbedingten Krankheitskosten hingegen als Werbungskosten an. Zwar sind durch die Entfernungspauschale grundsätzlich sämtliche fahrzeug- und wegstreckenbezogenen Aufwendungen abgegolten, die durch die Wege zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte veranlasst sind. Dies gilt auch für Unfallkosten, soweit es sich um echte Wegekosten handelt (zum Beispiel bei Reparaturaufwendungen).

Andere Aufwendungen, insbesondere Aufwendungen in Zusammenhang mit der Beseitigung oder Linderung von Körperschäden, die durch einen Wegeunfall zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte eingetreten sind, werden von der Abgeltungswirkung dagegen nicht erfasst. Solche beruflich veranlassten Krankheitskosten können daher neben der Entfernungspauschale als Werbungskosten abgezogen werden. Eine steuerfreie Arbeitgebererstattung kommt aber nicht in Betracht.

Hinweis: Reaktion der Verwaltung bleibt abzuwarten 

Die Finanzverwaltung lässt bisher - entgegen der Vorgehensweise des Finanzamts im Streitfall - den Abzug von Aufwendungen in Zusammenhang mit Unfallschäden zusätzlich zur Entfernungspauschale zum Werbungskostenabzug zu (BMF, Schreiben v. 31.10.2013, BStBI I 2013, 1376, Tz. 4 sowie H 9.10 LStH "Unfallschäden"). Es bleibt abzuwarten, ob aufgrund des Urteils eine Anpassung oder Klarstellung erfolgt. 

Hinweis:  BFH, Urteil v. 19.12.2019, VI R 8/18

Schlagworte zum Thema:  Werbungskosten, Wegeunfall, Entfernungspauschale