Steuerliche Berücksichtigung von unfallbedingten Krankheitskosten

Durch die Entfernungspauschale werden nach einem neuen Urteil neben Sachkosten auch Personenkosten wie Krankheitsaufwendungen infolge eines Autounfalls auf dem Arbeitsweg abgegolten. Eine Geltendmachung als Wer­bungskosten scheidet damit ebenso wie ein steuerfreier Arbeitgeberersatz aus.

Fahrten zur ersten Tätigkeitsstätte

Für Fahrten von Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen zu ihrer ersten Tätigkeitsstätte können nicht die tatsächliche Aufwändungen, sondern lediglich Werbungskosten nach Maßgabe der Entfernungspauschale (0,30 Euro je Entfernungskilometer) berücksichtigt werden. Ein steuerfreier Arbeitgeberersatz ist ausgeschlossen.

Können Unfallkosten neben der Entfernungspauschale berücksichtigt werden? 

Die Entfernungspauschale hat grundsätzlich abgeltende Wirkung. Aufwendungen für die Beseitigung von Unfallschäden bei einem Verkehrsunfall auf der Fahrt zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte können aber grundsätzlich neben der Entfernungs­pauschale geltend gemacht werden (H 9.10 LStH und Schreiben des Bundesfinanzministeriums vom 31. Oktober 2013, BStBl 2013 I S. 1376).

Insofern überrascht der aktuelle Urteilsfall des Finanzgerichts Baden-Württemberg (Urteil vom 9. Januar 2018, 5 K 500/17). Nach einem Autounfall auf dem Weg zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte musste die betroffene Fahrerin diverse Behandlungskosten beim Arzt selber tragen. Die Kosten machte sie neben der Entfernungspauschale in ihrer Steuererklärung geltend, da es sich insoweit um unfallbedingte Personenkosten und nicht Sachkosten handelte, was ihr jedoch vom Finanzamt verwehrt wurde.

Entfernungspauschale hat abgeltende Wirkung

Auch das Finanzgericht verwehrte ihr den Abzug der Kosten. Die Behandlungskosten seien zwar außergewöhnlich, aber trotzdem durch die Entfernungspauschale abgegolten. Nach höchstrichterlicher Rechtsprechung gilt die abgeltende Wirkung der Entfernungspauschale - da im Gesetz ja wörtlich "sämtliche Aufwendungen" erfasst sind - auch für außergewöhnliche Aufwendungen wie Behandlungskosten. Unfallbedingte Personenkosten seien insofern steuerlich nicht anders zu behandeln als unfallbedingte Sachkosten. Der in der abgeltenden Regelung innewohnende Gedanke der Vereinfachung würde nur dann erfüllt, wenn auch außergewöhnliche Kosten inbegriffen sind.

Finanzgericht hält die bisherige Verwaltungsregelung für rechtswidrig

Die bisherige Verwaltungsregelung hält das Gericht für rechtswidrig. Es bleibt abzuwarten, ob die Verwaltung daran festhält. Die Klägerin hat Revision beim Bundesfinanzhof eingelegt, die dort unter dem Aktenzeichen VI R 8/18 anhängig ist. Strittige Fälle sollten bis zu einer erneuten höchstrichterlichen Entscheidung offen gehalten werden.

Schlagworte zum Thema:  Entfernungspauschale, Krankheitskosten