Sozialversicherungspflicht von Ordnern in Stadien und bei Festivals
Dem Urteil zufolge sind Ordner, die für ein Sicherheitsunternehmen im Fußballstadion oder bei einem Musikfestival arbeiten, häufig keine selbstständigen Unternehmer, sondern unterliegen als abhängig Beschäftigte der Sozialversicherungspflicht.
Kein eigenes Gewerbe angemeldet
Aus Sicht des Gerichts ist jemand, der für einen Auftraggeber zur Absicherung einer Veranstaltung Ordner- und Überwachungstätigkeiten verrichtet, ein sozialversicherungspflichtig beschäftigter Arbeitnehmer. Das gilt insbesondere dann, wenn er kein eigenes Gewerbe für die Personenüberwachung angemeldet hat und nicht über den Nachweis einer gewerberechtlichen Sachkundeprüfung verfügt. Sein Arbeitgeber muss für ihn Sozialversicherungsbeiträge entrichten.
"Engagementverträge" sind ein Etikettenschwindel
Geklagt hatte eine Security-Firma, deren Mitarbeitende in Fußballstadien, Festzelten oder Diskotheken z. B. Eintrittskarten kontrollierten, Besucherströme lenkten und für Sicherheit und Ordnung sorgten. Die Mitarbeitenden waren für einzelne Veranstaltungen angeworben worden und erhielten für ihren Einsatz "Engagementverträge", mit denen ausdrücklich kein Arbeitsverhältnis im Sinne des Arbeitsrechts begründet werden sollte.
Diese Regelung sei ein "Etikettenschwindel zur Verschleierung des abhängigen Beschäftigungsverhältnisses", befand das Landessozialgericht (LSG). Die Mitarbeitenden hätten keinerlei Gestaltungsspielraum bei der Ausübung ihrer Tätigkeit gehabt. Sie hätten ihre Arbeit persönlich verrichtet und keinen Einfluss auf die Höhe ihres Entgelts gehabt. Das Unternehmerrisiko habe allein bei der Security-Firma gelegen. Auch äußerlich seien die vermeintlich Selbstständigen nicht von Arbeitnehmenden zu unterscheiden gewesen: Für ihren Einsatz wurden sie aus der firmeneigenen Kleiderkammer u.a. mit schwarzen Westen ausgestattet, die den Firmenschriftzug des Unternehmens trugen.
Hinweis: LSG Sachsen-Anhalt, Urteil vom 26. Januar 2023, L 3 BA 6/19
Das könnte Sie auch interessieren:
Überblick: Urteile zu Scheinselbstständigkeit
Top-Thema Statusfeststellungsverfahren
-
Geschenke an Mitarbeitende und Geschäftsfreunde
2.6361
-
Neue Entfernungspauschale ab 2026: Auswirkungen auf die Entgeltabrechnung
2.249
-
Elektrofahrzeuge: Aufladen im Betrieb und zuhause
2.16744
-
Was passiert bei Überschreiten der Geringfügigkeitsgrenze?
1.669
-
Sachbezugswerte für Mahlzeiten im Jahr 2026 und mehr
1.599
-
Dienstrad: Leasing, Überlassung, Übereignung und Aufladen von E-Bikes
1.3352
-
Aktuelle Rechtslage bei Sachbezügen und Gutscheinen
1.27614
-
So bleiben Sonn- und Feiertagszuschlag sowie Nachtzuschlag steuerfrei
1.2286
-
Steuerfreie Übernahme von Kinderbetreuungskosten durch den Arbeitgeber
1.15313
-
Steuerliche Förderung bei Elektro- und Hybridfahrzeugen
1.143
-
Neue Regelung zur Teilarbeitsunfähigkeit verabschiedet
14.07.20263
-
Zusätzlichkeitskriterium für Arbeitgeberleistungen
13.07.2026
-
BFH sorgt für Erleichterung beim Zusätzlichkeitskriterium
09.07.2026
-
Auswirkungen der Rentenreform auf die Entgeltabrechnung
08.07.2026
-
Wie Beschäftigungen zwischen Schule und Studium zu beurteilen sind
06.07.2026
-
Änderungen bei grenzüberschreitenden Beschäftigungen
01.07.2026
-
Einstellung des Strafverfahrens schützt nicht vor Beitragsnachzahlung
29.06.2026
-
Urlaubsgeld während der Elternzeit
24.06.2026
-
SV-Beiträge aus Urlaubsgeld berechnen
24.06.2026
-
Urlaubsgeld: Pflicht oder Kür?
24.06.2026