21.05.2013 | Rabattfreibetrag

Erleichterungen bei der Rabattbesteuerung

Arbeitgeberrabatte: Bares sparen durch die richtige Bewertung von Sachbezügen
Bild: MEV Verlag GmbH, Germany

Die Finanzverwaltung wendet jetzt die günstigere BFH-Rechtsprechung zur Rabattbesteuerung an und gewährt bereits im Lohnsteuerabzugsverfahren ein Wahlrecht zwischen mehreren Bewertungsmethoden.

Erhält ein Mitarbeiter aufgrund seines Dienstverhältnisses Waren oder Dienstleistungen, die vom Arbeitgeber nicht überwiegend für den Bedarf seiner eigenen Arbeitnehmer hergestellt oder vertrieben werden, wird ein Bewertungsabschlag von 4 % sowie der Rabattfreibetrag von jährlich 1.080 EUR gewährt. Ausgangsgröße ist dabei der sog. Endpreis (§ 8 Abs. 3 EStG). In der Vergangenheit war streitig, inwieweit dieser um marktübliche Rabatte zu verringern ist. 

Die Verwaltung wendet nun die Grundsätze der BFH-Rechtsprechung an (BFH, Urteile vom 26.7.2012, VI R 30/09 und VI R 27/11 vom 26.7.2012). Danach gilt Folgendes.

  • Endpreis ist der Preis, zu dem der Arbeitgeber die konkrete Ware oder Dienstleistung fremden Letztverbrauchern im allgemeinen Geschäftsverkehr am Ende von Verkaufsverhandlungen durchschnittlich anbietet. Dabei darf der Preisnachlass, der durchschnittlich beim Verkauf an fremde Letztverbraucher tatsächlich gewahrt wird, vom empfohlenen Preis abgezogen werden.
  • Das BMF-Schreiben vom 18. Dezember 2009, IV C 5 - S 2334/09/10006, BStBl 2010 I S. 20, zur Ermittlung des geldwerten Vorteils beim Erwerb von Kraftfahrzeugen vom Arbeitgeber in der Automobilbranche ist hinsichtlich des zu berücksichtigenden Preisnachlasses nicht mehr anzuwenden. Die Finanzverwaltung hatte bislang lediglich zugestanden, dass 80 % der durchschnittlichen Rabatte nicht als lohnsteuerpflichtiger Vorteil erfasst werden.
  • Der Arbeitgeber hat die Grundlagen für den ermittelten und der Lohnversteuerung zu Grunde gelegten Endpreis als Belege zum Lohnkonto aufzubewahren, zu dokumentieren und dem Arbeitnehmer auf Verlangen formlos mitzuteilen.

Zusätzlich gewährt die Finanzverwaltung nunmehr das von ihr bislang mit einem Nichtanwendungserlass belegte Wahlrecht zur regulären Sachbezugsbesteuerung (§ 8 Abs. 2 Satz 1 EStG). Dabei gibt es zwar weder den 4-prozentigen Bewertungsabschlag noch den Rabattfreibetrag; angesetzt werden kann hier aber (auch) der nachgewiesene günstigste Preis (einschließlich sämtlicher Nebenkosten), zu dem die konkrete Ware oder Dienstleistung mit vergleichbaren Bedingungen von einem anderen Anbieter an Endverbraucher - ohne individuelle Preisverhandlungen - im Zeitpunkt des Zuflusses am Markt angeboten wird. Dieser Wert kann im Einzelfall deutlich niedriger sein.

Praxistipp

Dieses Wahlrecht besteht zwar bereits im Lohnsteuerabzugsverfahren. Wegen des damit verbundenen Ermittlungs- und Dokumentationsaufwands für den Arbeitgeber wird es aber wohl regelmäßig nur im Rahmen der Einkommensteuererklärung des Mitarbeiters zur Anwendung kommen. Der Arbeitgeber ist nicht verpflichtet, den günstigsten Preis am Markt zu ermitteln.

Beispiel

Ein Möbelhandelsunternehmen übereignet an einen Mitarbeiter im Februar 2013 eine Couch zum Preis von 3.000 EUR. Der durch Preisauszeichnung angegebene Endpreis betragt 5.000 EUR; durchschnittlich gewährt das Möbelhandelsunternehmen 10 % Rabatt an seine Kunden. Ein anderes inländisches Möbelhandelsunternehmen bietet diese Couch im Februar 2013 auf seiner Internetseite für 4.000 EUR an.

A) Regelfall Lohnsteuerabzugsverfahren (Bewertung nach § 8 Abs. 3 EStG)

Preis                                                                                 

- Rabatt 10 %

Maßgebender Preis

- 4-%-Bewertungsabschlag

Verbleiben

- Zuzahlung Arbeitnehmer

Geldwerter Vorteil, gesamt

- Rabattfreibetrag

Geldwerter Vorteil, steuer- und sozialversicherungspflichtig

5.000 EUR

./. 500 EUR

4.500 EUR

./. 180 EUR

4.320 EUR

./. 3.000 EUR

1.320 EUR

./. 1.080 EUR

240 EUR

                                      

B) Wahlrecht (Bewertung nach § 8 Abs. 2 EStG)

Günstigster Preis

- Zuzahlung Arbeitnehmer

Geldwerter Vorteil, gesamt/steuer- und sozialversicherungspflichtig

(Rabattfreibetrag kann nicht abgezogen werden.)

4.000 EUR

./. 3.000 EUR

1.000 EUR

Im Regelfall ist die Bewertung nach § 8 Abs. 3 EStG günstiger, weil der Rabattfreibetrag von 1.080 EUR abgezogen werden kann.

Im Fall A) müssten nur 240 EUR versteuert werden; im Fall B) bliebe es bei 1.000 EUR. Wurde der 1.080-Euro-Rabattfreibetrag bereits ausgeschöpft, weil der Mitarbeiter weitere Waren erhält, kann das Wahlrecht günstiger sein.

Vergleich Bundesfinanzministerium, Schreiben vom 16. Mai 2013, IV C 5 - S 2334/07/0011.

Schlagworte zum Thema:  Sachbezug, Rabattfreibetrag, Geldwerter Vorteil

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