| Diskriminierung bei der Bewerbung

Abgelehnter Bewerber: Kein Auskunftsanspruch über erfolgreichen Bewerber

Über meine Lippen kommt keine Information
Bild: Haufe Online Redaktion

Ein abgelehnter Stellenbewerber hat gegen den Arbeitgeber keinen Anspruch auf Auskunft, ob dieser einen anderen Bewerber eingestellt hat. Dies entschied aktuell das Bundesarbeitsgericht.

Eine 1961 in der Russischen SSR geborene Bewerberin hatte sich im Jahre 2006 auf die von dem beklagten Unternehmen ausgeschriebene Stelle eines/einer Softwareentwicklers/-in erfolglos beworben.

Die Firma teilte ihr nicht mit, ob sie einen anderen Bewerber eingestellt hatte und gegebenenfalls, welche Kriterien für diese Entscheidung maßgeblich gewesen waren. Die erfolglose Bewerberin behauptet, sie habe die Voraussetzungen für die ausgeschriebene Stelle erfüllt und sei lediglich wegen ihres Geschlechts, ihres Alters und ihrer Herkunft nicht zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen und damit unter Verstoß gegen das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) diskriminiert worden. Sie hat von der Beklagten eine angemessene Entschädigung in Geld verlangt, aber letztlich ohne Erfolg.

Kein Auskunftsanspruch des abgelehnten Bewerbers

Einen Anspruch der Bewerberin auf Auskunft gegen die Beklagte, ob diese einen anderen Bewerber eingestellt hat und gegebenenfalls aufgrund welcher Kriterien, sah das Bundesarbeitsgerichts nach nationalem Recht nicht. Auf seine Vorlage an den EuGH hatte dieser mit Urteil vom 19. April 2012 (- C-415/10 -) entschieden, dass sich ein solcher Auskunftsanspruch auch nicht aufgrund des Gemeinschaftsrechts ergibt, die Verweigerung jedes Zugangs zu Informationen durch einen Arbeitgeber jedoch unter Umständen einen Gesichtspunkt darstellen kann, welcher beim Nachweis der Tatsachen heranzuziehen ist, die eine Diskriminierung vermuten lassen.

Unter Zugrundelegung dieser Rechtsprechung des EuGH blieb die Entschädigungsklage ohne Erfolg.

Die klagende Bewerberin hat zwar auf ihr Geschlecht, ihr Alter und ihre Herkunft hingewiesen, jedoch keine ausreichenden Indizien dargelegt, welche eine Benachteiligung wegen eines in § 1 AGG genannten Grundes vermuten lassen und die nach § 22 AGG zu einer Beweislast der Beklagten dafür führen würden, dass kein Verstoß gegen die Bestimmungen zum Schutz vor Benachteiligungen vorgelegen hat. Auch die Verweigerung jeglicher Auskunft durch die Beklagte begründete im konkreten Fall nicht die Vermutung einer unzulässigen Benachteiligung der Klägerin i. S. d. § 7 AGG (BAG, Urteil vom 25.04.2013, 8 AZR 287/08).

Schlagworte zum Thema:  Bewerbung, Diskriminierung, Allgemeines Gleichbehandlungsgesetz (AGG)

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