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| Flexibilisierung

Arbeitgeber klagen weiterhin über tägliche Höchstarbeitszeit

Weg von der Stechuhr: Deutschlands Unternehmen fordern die Neuregelung des starren Arbeitszeitrechts.
Bild: Corbis

Den Arbeitgeberverbänden brennt noch immer die tägliche Höchstarbeitszeit von zehn Stunden unter den Nägeln. Sie fordern erneut mehr Flexibilität. Arbeitsministerin Andrea Nahles lehnt das Anliegen nicht prinzipiell ab, verknüpft es jedoch mit Gegenforderungen. 

Deutschlands Unternehmer fordern mehr Flexibilität bei den gesetzlichen Regelungen zur Arbeitszeit. So will die Wirtschaft auch bei Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles mit Forderungen nach mehr Flexibilität durchdringen. Diese hat im Gegenzug mehr Sicherheit für die Beschäftigten gefordert. Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) hat nochmals andere Vorstellungen.

Höchstarbeitszeit: Fixe Zehn-Stunden-Grenze aufweichen

Im Zusammenhang mit der täglichen Höchstarbeitszeit sagte Arbeitgeberpräsident Ingo Kramer der DPA: "Es sollte zum Beispiel möglich sein, auch einmal über zehn Stunden hinaus zu arbeiten und den Ausgleich hierfür an anderen Tagen zu nehmen." Dafür bedürfe es allerdings eines flexiblen Arbeitszeitgesetzes. Das Arbeitszeitrecht solle entsprechend von einer Tageshöchstarbeit auf eine Wochenarbeitszeit umgestellt werden. "Es geht nicht darum, die Arbeitszeiten pauschal zu verlängern, sondern flexibler auf die Wochentage verteilen zu können", betonte Kramer eine mittlerweile bekannte Forderung.

Dies wolle man in den Dialog zum Thema einbringen, den Arbeitsministerin Nahles für die kommenden Monate angekündigt hatte. Sie will im Zuge des Dialogprozesses zur Zukunft der Arbeit in diesem Jahr konkrete Vorschläge vorlegen.

Arbeitszeit: Flexibilisierung nur gegen mehr Sicherheit

Vor dem Hintergrund der Forderungen von Arbeitgeberpräsident Ingo Kramer verlangte Nahles jedoch erste Schritte in den Betrieben selbst: "Wenn Unternehmen Flexibilität einfordern, müssen sie diese auch möglich machen. Wir müssen weg von der reinen Anwesenheits-Kultur, hin zu mehr Homeoffice und anderen flexiblen Möglichkeiten kommen", sagte die Arbeitsministerin der "Süddeutschen Zeitung".

Dies müsse aber ein faires Geschäft sein. "Für mich ist klar, dass es mehr Flexibilität nur gegen mehr Sicherheit geben kann", sagte Nahles. Dafür seien laut der Ministerin Vereinbarungen nötig, "die Arbeitnehmer die Sicherheit geben, im Verlaufe eines Erwerbslebens das Beste für ihr Unternehmen leisten zu können und trotzdem genug Zeit für Familie zu haben".

DGB: Klare Regeln, klarer Schutzrahmen

Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) sieht dies ähnlich. Der DGB erklärte, dass mehr Flexibilität nicht einseitig zu Lasten der Beschäftigten gehen dürfe. "Mehr Selbstbestimmung, größere Freiräume ja - aber dafür brauchen wir klare Regeln und einen Schutzrahmen", forderte Vorstandsmitglied Annelie Buntenbach.

Sie verlangte ein "Recht auf Logoff". "Jeder muss die Möglichkeit haben, sich aus der Arbeit auch wirklich in Freizeit auszuklinken", sagte sie der DPA. Nötig seien zudem bessere Mitbestimmungsmöglichkeiten. Beschäftigte bräuchten einen rechtlichen Anspruch auf Mitbestimmung bei der Verteilung der Arbeitszeiten.

Rückkehrrecht: Nach Teilzeit kein Anspruch auf Vollzeit

Die Ankündigung der Koalition, ein Recht zur Rückkehr von einer Teil- in eine Vollzeitstelle schaffen zu wollen, kritisierte Arbeitgeberpräsident Kramer heftig. Die betrieblichen Möglichkeiten könnten nur jeweils individuell geregelt werden und das Arbeitszeitgesetz müsse mehr Raum für tarifliche und betriebliche Regelungen lassen. "Mindestens genauso wichtig ist, dass der Gesetzgeber nicht noch mehr als bislang schon in betriebliche Arbeitszeitgestaltungen hineinregiert", mahnte Kramer.
 

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dpa/Haufe Online-Redaktion

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