Kindergeld / 3.3.5.2.2 Kindergeldanspruch nach Abschluss einer erstmaligen Berufsausbildung/eines Erststudiums

Nach erfolgreichem Abschluss einer erstmaligen Berufsausbildung/eines Erststudiums besteht die widerlegbare Vermutung, dass das Kind in der Lage ist, sich selbst finanziell zu unterhalten.

Absolviert das Kind nach Abschluss einer Erstausbildung/eines Erststudiums jedoch eine weitere Berufsausbildung/ein weiteres Studium oder befindet es sich z. B. in einer Übergangszeit von höchsten 4 Monaten zwischen 2 Ausbildungsabschnitten, so besteht dennoch Anspruch auf Kindergeld, sofern das Kind keine Erwerbstätigkeit ausübt, die die Zeit und die Arbeitskraft des Kindes überwiegend in Anspruch nimmt. Im Einzelnen:

Hat das Kind eine erstmalige Berufsausbildung oder ein Erststudium abgeschlossen, wird das Kind bei der Kindergeldgewährung nur berücksichtigt, wenn das Kind "keiner Erwerbstätigkeit" nachgeht (§ 32 Abs. 4 Satz 2 EStG).

Unschädlich ist diesbezüglich jedoch (§ 32 Abs. 4 Satz 3 EStG)

  • eine Erwerbstätigkeit mit einer regelmäßigen wöchentlichen Arbeitszeit von bis zu 20 Stunden,
  • ein Ausbildungsdienstverhältnis oder
  • ein geringfügiges Beschäftigungsverhältnis i. S. d. §§ 8 und  8a SGB IV.
 

Praxis-Beispiel

Studium nach Berufstätigkeit als Zweitausbildung

Die Tochter eines Beschäftigten hat nach ihrer Ausbildung zur Kauffrau im Gesundheitswesen als Angestellte in einer Klinik gearbeitet und sich dann für ein berufsbegleitendes Studium an einer Verwaltungsakademie beworben, das eine kaufmännische Berufsausbildung und eine mindestens 1-jährige Berufstätigkeit voraussetzt. Die Tochter strebt eine Tätigkeit im mittleren Management im Gesundheitswesen an. Die Tochter arbeitet während des Studiums an der Verwaltungsakademie weiterhin 30 Wochenstunden.

Ein Studium, das eine Berufstätigkeit voraussetzt, ist nach der Rechtsprechung des BFH nicht integrativer Bestandteil einer einheitlichen Erstausbildung, sondern als Zweitausbildung zu werten (näher hierzu Ziffer 3.3.5.2.1 Kindergeldanspruch bei erstmaliger Berufsausbildung/Erststudium). Da die Tochter weiterhin 30 Wochenstunden arbeitet, ist die für einen Anspruch auf Kindergeld während einer Zweitausbildung maßgebende Wochenarbeitsgrenze überschritten. Es besteht kein Anspruch auf Kindergeld.

Auch bei Vorliegen einer zeitlichen Zäsur ist eine Zweitausbildung anzunehmen. Es besteht kein Anspruch auf Kindergeld.

Konkret entschieden hat der BFH über den Fall, in dem ein Kind nach Beendigung der Ausbildung zur Steuerfachangestellten seine Berufsausbildung mit den weiterführenden Berufszielen "Staatlich geprüfter Betriebswirt" und "Steuerfachwirt" nicht zum nächstmöglichen Zeitpunkt fortsetzte. Bei der nachfolgenden Fachschulausbildung handelt es sich um eine Zweitausbildung i. S. d. § 32 Abs. 4 Satz 2 EStG. In diesem Fall schließt eine mehr als 20 Wochenstunden umfassende Erwerbstätigkeit während der Zeit des Wartens auf den Antritt der Fachschulausbildung und während deren Durchführung einen Kindergeldanspruch nach § 32 Abs. 4 Sätze 2 und 3 EStG aus.

Hinsichtlich weiterer Einzelheiten zur Abgrenzung von Erst- und Zweitausbildung bzw. -studium, den unschädlichen Erwerbstätigkeiten etc. wird verwiesen auf die Ausführungen in der "Dienstanweisung zum Kindergeld nach dem Einkommensteuergesetz (DA-KG)" des Bundeszentralamts für Steuern.

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