Gender Pay Gap stagniert
53 Prozent der Beschäftigten in Deutschland kennen den Equal Pay Day nicht. Interessanterweise gilt dies besonders für Frauen: 63 Prozent von ihnen haben noch nie davon gehört (Männer: 46 Prozent) und nur 15 Prozent geben an, die Bedeutung des Datums erklären zu können, an dem der Equal Pay Day stattfindet (Männer: 25 Prozent). Das ergab eine repräsentative Umfrage im Auftrag von Kununu unter 1.033 Beschäftigten. Auch mit dem Begriff "Gender Pay Gap" können 56 Prozent der Befragten nichts anfangen (Frauen: 65 Prozent; Männer: 47 Prozent).
Equal Pay Day 2026 in Deutschland
Der Equal Pay Day findet in Deutschland dieses Jahr am 27. Februar statt. Das Datum markiert symbolisch den Gehaltsunterschied zwischen den Geschlechtern (Gender Pay Gap). Genauer gesagt: Der Tag macht den prozentualen Unterschied im durchschnittlichen Bruttoverdienst von Frauen und Männern sichtbar. Rechnet man den aktuellen Gender Pay Gap von 16 Prozent in Tage um, arbeiten Frauen im Vergleich mit ihren höher vergüteten männlichen Kollegen vom 1. Januar an 58 Tage unentgeltlich – bis zum 27. Februar. Der Equal Pay Day wird seit 2008 in Deutschland begangen. Damals lag die Verdienstlücke noch bei 23 Prozent, weshalb der Equal Pay Day 2008 erst am 25. April stattfand.
Gender Pay Gap 2025: Unbereinigte versus bereinigte Entgeltlücke
Laut Berechnungen des Statistischen Bundesamts haben Frauen im Jahr 2025 in Deutschland pro Stunde durchschnittlich 22,81 Euro brutto verdient und damit 4,24 Euro weniger als Männer (27,05 Euro brutto pro Stunde). Damit lag der unbereinigte Gender Pay Gap 2025 bei 16 Prozent - der gleiche Wert wie im Vorjahr. Nach wie vor ist der unbereinigte Gender Pay Gap in Ostdeutschland deutlich kleiner als in Westdeutschland: In Ostdeutschland lag er im Jahr 2025 bei 5 Prozent, in Westdeutschland dagegen bei 17 Prozent.
Rund 60 Prozent der Verdienstunterschiede sind dem Statistischen Bundesamt zufolge strukturbedingt erklärbar – also unter anderem darauf zurückzuführen, dass Frauen häufiger in Branchen und Berufen arbeiten, in denen schlechter bezahlt wird und sie seltener Führungspositionen erreichen. In Eurobeträgen sind das 2,53 Euro des gesamten Verdienstunterschieds von 4,24 Euro.
Die verbleibenden 40 Prozent des Verdienstunterschieds (1,71 Euro von 4,24 Euro) entsprechen dem bereinigten Gender Pay Gap. Der bereinigte Gender Pay Gap lag 2025 in Deutschland unverändert bei 6 Prozent. Das heißt, dass Arbeitnehmerinnen in Deutschland auch bei vergleichbarer Tätigkeit, Qualifikation und Erwerbsbiografie im Jahr 2025 im Durchschnitt pro Stunde 6 Prozent weniger als ihre männlichen Kollegen verdient haben (westliche Bundesländer: 6 Prozent, östliche Bundesländer: 9 Prozent).
Alle Informationen zur Erhebungsmethodik lesen Sie auf der Seite des Statistischen Bundesamtes.
Gründe für den Gender Pay Gap
Der Verdienstunterschied zwischen Frauen und Männern hat vielfältige Gründe.
- Arbeitszeit: Ein wesentlicher Faktor ist, dass Frauen häufiger in Teilzeit arbeiten, was in der Regel mit geringeren durchschnittlichen Bruttostundenverdiensten einhergeht. Hierauf sind 19 Prozent der Verdienstlücke (0,81 Euro) zurückzuführen.
- Berufswahl: Zudem sind Frauen häufiger in Branchen und Berufen tätig, in denen allgemein geringer entlohnt wird, was rund 18 Prozent des Verdienstunterschieds (0,75 Euro) erklärt. Auch die Unternehmensgröße spielt eine Rolle. Mit steigender Unternehmensgröße nimmt auch der Verdienstunterschied zu.
- Qualifikation und Erwerbsbiografie: Etwa 13 Prozent der Verdienstlücke (0,55 Euro) lassen sich durch das Anforderungsniveau des Berufs erklären. Erwerbsunterbrechungen aufgrund von Schwangerschaft, der Geburt von Kindern oder der Pflege von Angehörigen führen dazu, dass Frauen seltener Führungspositionen erreichen als Männer.
Gehaltsgespräch: Frauen verhandeln schlechter
Ein weiterer Grund für den Gender Pay Gap könnte darin liegen, dass Frauen seltener um ein höheres Gehalt bitten und bei Gehaltsverhandlungen schlechter abschneiden als Männer. Das legen gleich zwei aktuelle Umfragen nahe. So planen laut einer Umfrage des Online-Stellenportals Jobtensor unter 1.056 Beschäftigten in Deutschland gerade einmal 22 Prozent der Frauen, ihren Arbeitgeber in diesem Jahr um eine Gehaltserhöhung zu bitten. Von den Männern haben das dagegen 27 Prozent vor.
Beim Jobwechsel erzielen Männer ein doppelt so hohes Gehaltsplus wie Frauen, wie aus dem aktuellen Stepstone Gehaltsreport hervorgeht, für den 297 Recruiter und 3.070 Beschäftigte befragt wurden. Demnach erreichen Männer beim Jobwechsel eine Gehaltserhöhung von rund 10 Prozent, während Frauen lediglich 5 Prozent mehr bekommen (Median-Werte). "Gehaltsverhandlungen wirken derzeit nicht als Ausgleich, sondern als struktureller Verstärker von Ungleichheit", sagt Anna Wittich, Arbeitsmarktforscherin bei The Stepstone Group.
Gender Pay Gap im Europa-Vergleich
Deutschland hat eine der größten Verdienstlücken zwischen Frauen und Männern in Europa. Im Vergleich von 27 EU-Ländern liegt Deutschland auf Platz 24. Schlusslichter im aktuellen Vergleich von Eurostat, dem die Daten von 2022 zugrunde liegen (neuer Daten liegen nicht vor), sind Estland (21,3 Prozent) und Österreich (18,4 Prozent). In Luxemburg verdienten Frauen 0,7 Prozent mehr als Männer. Spitzenreiter - das heißt die Länder mit den kleinsten Entgeltlücken - sind nach Luxemburg Italien (4,3 Prozent), Rumänien (4,5 Prozent) und Belgien (5,0 Prozent).
Langzeitentwicklung des Gender Pay Gaps
Im langfristigen Vergleich sinkt der unbereinigte Gender Pay Gap laut Zahlen des Statistischen Bundesamts. Zu Beginn der Messung im Jahr 2006 betrug der geschlechterspezifische Verdienstabstand noch 23 Prozent. 2019 sank der Wert erstmalig unter 20 Prozent. Zwischen 2020 und 2023 stagnierte der Wert bei 18 Prozent. Im Jahr 2024 sank er um zwei Prozentpunkte auf 16 Prozent. Dies war der stärkste Rückgang seit Beginn der Berechnungen im Jahr 2006.
Zur weiteren Verringerung der Lohnlücke soll auch die Entgelttransparenz-Richtlinie der EU beitragen. Damit sollen Entgeltstrukturen europaweit transparenter und diskriminierungsfrei werden. Bis Juni 2026 muss die Richtlinie in deutsches Recht umgesetzt sein. Unternehmen werden dann geschlechtsneutrale Vergütung systematisch belegen müssen.
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