Auszeichnung

Etteln, nicht Sydney oder Hong Kong: Westfälisches Dorf ist „Smart City 2024“


Erfolgreiche Digitalisierung - Etteln ist Smart City 2024

Ende 2024 wurde Etteln im Kreis Paderborn zur Smart City 2024 gewählt. Sie verwies bei der Wahl sogar Hong Kong auf den zweiten Platz. Dabei ist das digitale Wunder auch eine Erfolgsstory ländlicher Entwicklung und vor allem ehrenamtlichen Engagements.

Etteln, ein Ortsteil der Gemeinde Borchen im südlichen Paderborner Land, hat noch nicht einmal 2.000 Einwohner. Dennoch ist das Dorf für den weltgrößten Ingenieurverband für Elektrotechnik und Informatik (IEEE) die Smart City des Jahres 2024 und schlug bei der Wahl der Jury damit sogar Weltstädte wie Hong Kong. In der Tat gibt es wohl kaum eine andere kleine Gemeinde weltweit, bei der alles so durch und durch digitalisiert ist und die Glasfaser, laut eines eigenen Werbeslogans, „bis zur letzten Milchkanne“ läuft. Dies alles musste die Gemeinde Borchen zu einem Großteil nicht selbst finanziell stemmen, sie wurde unter anderem im Rahmen des Förderprogramms „Land.Funk“ des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) unterstützt.

Auszeichnung in Pattya

Im thailändischen Badeort Pattya wurde der Preis Ende Oktober 2024 an den Borchener Bürgermeister, Uwe Gockel, und an den Ortsvorsteher von Etteln, Ulrich Ahle, verliehen. Die Preisverleihung fand im Rahmen der 10. Internationalen Smart City Konferenz des IEEE statt. Der Verband ist mit über 400.000 Mitgliedern in 160 Ländern der größte technische Berufsverband der Welt. Ortsvorsteher Ahle meint über den prestigeträchtigen Preis: „Die Transformation zum digitalsten Dorf in Deutschland hat vor zehn Jahren begonnen und ich bin stolz auf die vielen ehrenamtlichen Helfer, Vereine und Organisationen, die hierzu beigetragen haben. Gemeinsam ist es uns gelungen, eine traditionell hohe Bereitschaft zur ehrenamtlichen Arbeit aus der analogen in die digitale Welt zu übertragen und auf dieser Reise alle Generationen mitzunehmen.“

Dorf erfindet sich neu

In der Tat ist die Erfolgsstory Ergebnis eines nicht alltäglichen Entwicklungsprojekts der Dorfgemeinschaft. Denn noch vor zehn Jahren war es um Etteln und seine Zukunft gar nicht so gut bestellt. Die Gemeinde hatte mit typischen ländlichen Strukturproblemen zu kämpfen, insbesondere durch die Abwanderung der Menschen. Die Grundschule drohte daher wegen zu niedriger Schülerzahlen geschlossen zu werden. Grund genug für die Bürger aktiv zu werden. 2013 wurde der Verein „Etteln-aktiv“ gegründet, der im Rahmen einer „Anschwung Initiative“ diverse Aktivitäten zur Belebung der dörflichen Entwicklung konzipierte und umsetzte. 2017 wurde für ganz Borchen das Integrierte Kommunale Entwicklungskonzept (IKEK) erarbeitet und mit der bürgerlichen Entwicklungsarbeit im Ortsteil Etteln verbunden. Eines der vorrangigen Ziele des Plans war der Ausbau der digitalen Infrastruktur. Selbst hierbei war das ehrenamtliche Engagement entscheidend. So hat die Dorfgemeinschaft selbst 30 Kilometer Glasfaserleitungen verlegt, was über 3.000 Stunden ehrenamtlicher Arbeit entsprach. Mit dieser Anstrengung konnten auch die letzten Haushalte des Dorfes an das Glasfasernetz angeschlossen werden, was aus Kostengründen von der Gemeindeverwaltung vorher nicht bewerkstelligt wurde. Das Ergebnis: Inzwischen verfügt Etteln über Glasfaser „bis zur letzten Milchkanne“ sowie ein Funknetz (LoRaWAN). Eine Dorf-App informiert rund um die Uhr über alle Angelegenheiten des Dorfes und lässt die Bürger direkt darüber miteinander kommunizieren.

Stelen liefern Dorfinfos

Ein neues Highlight der digitalen Infrastruktur wurde im Juli 2024 installiert: eine digitale Informations-Stele vor dem Rathaus. Weitere Stelen im Dorfgebiet werden folgen. Durch Berührung von diversen Themen-Kacheln können die benötigten Infos abgerufen werden. Nur in der Nacht ist die Stele ausgeschaltet.

Dorfzwilling verdeutlicht Gefahren

Das vielleicht interessanteste Projekt aber ist der „Digitale Dorfzwilling". Auf Basis der amtlichen und flächendeckend verfügbaren Geobasisdaten des Landes Nordrhein-Westfalen wurde dabei eine interaktive, webbasierte Kartenanwendung des Dorfes erstellt. Mit ihm sind beispielsweise Gefahrenlagen wesentlich besser zu erkennen. Eindrücklicher als beispielsweise auf Hochwasserkarten ist beim Dorfzwilling zu sehen, wo Hochwassergefahr auf dem Dorfgebiet entstehen kann und wie es aufgrund der topografischen Gegebenheiten wahrscheinlich abfließt. Aufgrund der Dorfzwillingskarten wurde so zum Beispiel bereits der Bebauungsplan für ein neues Baugebiet überarbeitet und es wurden dabei neue Erkenntnisse zur Hochwasserbedrohung berücksichtigt.


Schlagworte zum Thema:  Digitalisierung , Kommunen , Transformation
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