4,6 Miliarden Euro Auftragsvolumen

Bundeswehr: Serielles Bauen als Blaupause

300 Gebäude, 130 Standorte, ein Rahmenvertrag – die Bundeswehr macht vor, wie serielles Bauen Zeit und Kosten spart. Ein Modell auch für private Projekte?

Soldatengruppe mit blauen Baretts

Mit dem Abschluss von Rahmenverträgen über mehr als 300 Gebäude an rund 130 Standorten bundesweit zeigt die Bundeswehr, wie serielles und modulares Bauen Tempo, Kosten und Komplexität gleichzeitig in den Griff bekommt.

Das Verfahren, das sich an Abläufe aus dem Feldlagerbau im Ausland anlehnt, könnte zur Blaupause für den zivilen Wohnungsbau werden. Beim Planen und Bauen ist die Unterstützung privater Bauherren gefragt.

Rahmenverträge: "G-CAP"-Modell für schnelles Bauen

Am 27.8.2026 wurden in Bonn die Rahmenverträge für das "Projekt German Armed Forces – Contractor Augmentation Program (G-CAP) Inland – Stufe 1" unterzeichnet, wie das Verteidigungsministerium mitteilt. Das Programm wird bereits seit 2017 bei Auslandseinsätzen genutzt.

Herkömmliche Bau- und Planungsverfahren werden von modularer und serieller Bauweise mit standardisierten Gebäudetypen abgelöst; Planung, Bau und Wartung sollen aus einer Hand erfolgen. Ab 2027 sind so rund 63.000 neue Unterkunftsplätze geplant.

Für den personellen Aufwuchs der Bundeswehr muss der Mitteilung zufolge insbesondere die Zahl der Unterkünfte für Rekruten des Neuen Wehrdienstes schnell erhöht werden. Dazu kündigte Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) im Oktober 2025 an, dass bereits im Ausland für Feldlager genutzte "G-CAP"-Modell ins Inland zu übertragen. Das gesamte Auftragsvolumen liegt bei rund 4,6 Milliarden Euro. 

Kasernenbau am Fließband in G-CAP-Stufe 2

Die Rahmenverträge umfassen rund 300 Gebäude – von standardisierten Kompaniegebäuden mit vorgeplanten Unterkunft- und Funktionsbereichen, über Lehrsäle bis hin zu Waffenkammern – in rund 130 Liegenschaften. Insgesamt werden mehr als 63.000 Unterkunftsplätze geschaffen. Neben den zuständigen Bauverwaltungen des Bundes und der Länder ist die Bundeswehr selbst berechtigt, aus den Rahmenverträgen abzurufen. Die ersten Abrufe sollen schon Anfang September 2027 erfolgen. Ende Juni 2027 sollen die ersten 14 Gebäude fertig sein.

Bis die feste Infrastruktur über "G-CAP Inland Stufe 1" zur Verfügung steht, wird das Sonderprogramm "Infrastrukturbedarf Personalgewinnungsorganisation" (SIPGO) genutzt: Hier entstehen bis Ende September 2026 bereits 8.600 zusätzliche Unterkunftsplätze in containerbasierten Gebäuden.

Das Projekt "G-CAP Inland Stufe 1" ist nach Angaben des Verteidigungsministeriums nur der Auftakt für eine deutlich beschleunigte Infrastrukturbereitstellung. Im Rahmen des "G-CAP Inland – Stufe 2" sollen zukünftig ganze Liegenschaften in modularer und serieller Bauweise entstehen und der Bau schnell, bürokratie- und planungsarm durch Rahmenverträge möglich werden ("Kasernenbau am Fließband").

Zeitenwende, Sondervermögen und Pilotprogramm

Im Jahr 2022 wurde als Folge des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine eine Zeitenwende in der deutschen Sicherheits- und Außenpolitik ausgerufen. Die Bundeswehr verteidigungsfähig werden. Für die Infrastruktur stellt der Bund Mittel aus dem 100-Milliarden-Euro aus dem Sondervermögen zur Verfügung, auch für den Neubau und die Modernisierung von Kasernen.

Im Juni 2025 startete das Pilotprojekt "Bundeswehr-Bauprogramm Unterkünfte" in Kooperation mit der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) zum Bau von rund 7.150 Unterkünften bis 2031. Dazu ist der Bau von 270 Kompaniegebäuden mit 40.000 Plätze für Wehrdienstleistende geplant.

Bezüglich der neuen Rahmenverträge sagte Prof. Dr. Roland Börger, Präsident des Bundesamtes für Infrastruktur, Umweltschutz und Dienstleistungen der Bundeswehr (BAIUDBw) und Unterzeichner der Verträge für die Bundeswehr, sie seien ein Beweis dafür, "dass die geänderten rechtlichen Rahmenbedingungen ausgeschöpft werden und Wirkung zeigen". Ein Vertreter der beauftragten Bauunternehmen machte klar: "Die Erwartungshaltung ist enorm. Wir wissen, dass wir am Zeitplan gemessen werden und liefern müssen. Aber das kennen wir aus anderen Projekten."

 

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