Dicke Bäume, stumpfe Äxte
Herr Meyer, Veränderung, auch beruflich, ist nicht ganz leicht, oder?
Norman Meyer: Es ist natürlich immer einfach zu sagen, man täte sich leicht damit, aber so leicht ist es eben doch nicht. Ich habe neulich mal den Satz geprägt, "Ich verkaufe heute meine Fehler von gestern": Ist es manchmal nötig, auf die Vergangenheit zurückzuschauen und sich zu überlegen, was lief gut, was lief mittelmäßig, was lief schlecht? Was kann ich daraus ableiten und wie muss ich mich selbst verändern?
Das klingt jetzt so wunderbar selbstkritisch. Das bin ich auch nicht unbedingt. Aber die Frage ist: Wie muss es und wie kann es weitergehen? (…) Ich habe bereits ein paar Mal erlebt, dass viele Dinge gut liefen, manchmal auch nur mittel oder dann nach einer gewissen Zeit nicht mehr so besonders, und dass die berufliche (Anm. d. Red.) Veränderung ein unfassbarer Energie- und Inspirationsspender war. Insofern war das eigentlich immer ein sehr gern genommenes Geschenk.
Zur Veränderungsbereitschaft von Unternehmen: Sagen wir, ein stark transaktionsgetriebenes Unternehmen merkt, dass die Transaktionen gerade nicht so laufen, wie sie sollten. Setzt es dann einfach alles auf die Sanierung von Beständen?
Es muss ja nicht immer die Sanierung von Beständen sein. Sicherlich ist das eine Option, aber die Frage könnte auch sein: Wie habe ich in den letzten Jahren mein Portfoliomanagement oder mein Assetmanagement aufgesetzt? (…).
Transformation: Abwehrargumente finden sich immer
Bis vor zwei Jahren, bis zur Zinswende und bis zum Beginn des Krieges in der Ukraine, war das Abwehrargument, solange der Markt lief, oft: "Wir haben gerade keine Zeit". Man müsse akquirieren oder man müsse bauen. Man habe gerade keine Zeit, sich um interne Prozesse zu kümmern.
Heute ist es anders: Mal angenommen, es ist Kostendruck da oder Druck von der Arbeitnehmerseite, qualifiziertes Personal zu bekommen, oder eben mit weniger Personal den gleichen Bestand zu managen. Dann würde theoretisch auf der Hand liegen, dass jetzt die Zeit ist, Prozesse zu optimieren. Das Abwehrargument lautet dann aber: "Im Moment haben wir kein Geld, wir müssen unsere Budgets zusammenhalten."
Du kennst vielleicht diese Metapher vom Bäume fällen und Äxte schärfen, mit den Jungs im Wald, die mit stumpfen Äxten auf die Bäume einkloppen: Der Prozessoptimierer kommt und fragt, "Wollt ihr nicht mal eure Äxte schärfen?" Und die Holzfäller sagen: "Ne, keine Zeit. Wir müssen ja Bäume fällen." Da ist vielleicht auch ein typisch menschliches Mantra dahinter – Schiss davor zu haben, sich antizyklisch zu verhalten.
Wer sich als Unternehmen nicht verändert, wird verändert. Ist Flexibilität, also das Reagieren auf Prozesse, die sich permanent ändern, ein Grundcharakteristikum dieser Zeit geworden?
Ich glaube, es ist ein Lebenselixier. Möglicherweise kann der Wohnungsbestandshalter in einer deutschen Metropole sein Geschäft weiter so betreiben, wie er es immer gemacht hat – auch wenn er dann unter extremen Druck kommen wird, was qualifiziertes Personal und Derartiges anbelangt.
Aber ich halte es für extrem lebenswichtig und auch menschlich befruchtend, sich zu verändern. Das klingt jetzt ein bisschen metaphorisch, aber ich behaupte, es geht gar nicht ohne. Ich glaube aber auch, dass es sehr viele Unternehmen vormachen. Es ist nicht so, dass wir da in einer kompletten Starre hängen würden.
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