3 Fragen an Klaus Maier

Sonne für alle


3 Fragen an Klaus Maier

Der Gesetzgeber hat Vermieter wohl überschätzt: Wer will schon Energieversorger sein? Zeit für 3 Fragen an Klaus Maier, Mitglied der Geschäftsführung von Pionierkraft, über eine spannende Alternative.

Herr Maier, warum konnte sich das klassische Mieterstrommodell bislang kaum durchsetzen?

Klaus Maier: Mieterstrom ist vom Gesetzgeber so vorgegeben, dass er zur Vollversorgung verpflichtet. Das heißt: Der Betreiber der PV-Anlage wird zum Vollversorger des Stroms im Haus. Nicht nur der PV-Strom wird von ihm bereitgestellt, sondern auch der sogenannte Reststrom – also der Strom, der vom Netz ins Haus kommt. Als Bewohner habe ich dadurch nur noch einen Stromlieferanten, der mir einen Mixstrom aus PV- und Netzstrom zur Verfügung stellt.

Das ist wahrscheinlich eine der größten Hürden: Man wird zum Energieversorger und muss allen damit verbundenen Pflichten gerecht werden – zum Beispiel in der Rechnungsstellung. Ein Anlagenbetreiber sieht sich aber nicht als Energieversorger, sondern in erster Linie als Hauseigentümer, der Interesse daran hat, sein Dach zu nutzen, grünen Strom zu produzieren und diesen günstig an die Bewohner weiterzugeben.

Das Vollversorgungsthema ist für beide Seiten problematisch: Der Mieter will sich nicht zu 100 Prozent an die Versorgung durch den Vermieter binden. Und der Vermieter hat kein Interesse daran, plötzlich zum Energielieferanten zu werden.

Die komplette L'Immo-Folge mit Gastgeber Dirk Labusch zum Nachhören:

Energiewende für Bewohner von Mehrfamilienhäusern

Sie sprechen von einer "Demokratisierung der Energiewende" – wer wird denn noch ausgeschlossen?

Wer profitiert denn heute von der Energiewende? Das sind Menschen, die die Möglichkeit haben, Strom dann zu nutzen, wenn er günstig ist – weil sie ihn entweder speichern, in die Wärmepumpe zur Warmwasserproduktion leiten oder ins Elektroauto laden. Das sind vor allem Eigentümer von Einfamilienhäsuern.

Als Bewohner eines Mehrfamilienhauses habe ich hingegen kaum Vorteile: Ich habe keinen eigenen Speicher, kann mein Elektroauto selten über meinen eigenen Tarif laden, ob in der Tiefgarage oder auf der Straße, und ich habe auch keinen Zugriff auf eine Wärmepumpe.

Genau darum geht es bei dem, was Pionierkraft macht: Die Demokratisierung der Energiewende für Bewohner von Mehrfamilienhäusern. Mit Pionierkraft bin ich in der Lage, meinen Verbrauch so zu steuern, dass ich ihn auf günstige Zeiten optimiere – nämlich dann, wenn die Sonne scheint und ich zu 100 Prozent günstigen PV-Strom nutzen kann.

Die Idee trifft vielerorts auf alte Anlagen. Wie lässt sich Pionierkraft mit den Vorreitern von vorvorgestern kombinieren?

Nachrüstung ist ein sehr spannendes Thema. Seit etwa zwei Jahren sehen wir, dass viele Anlagen aus den hoch subventionierten 20-jährigen Einspeisevergütungsfristen herausfallen. Das sind Anlagen, die mit 35 oder 38 Cent – teilweise auch mehr, je nach Größe – vergütet wurden.

Wenn diese Anlagen nun aus der Einspeisevergütung herausfallen und weiterhin als Volleinspeisung betrieben werden, fällt die Vergütung von 0,35 Euro auf 0,08 Euro – das ist natürlich erst mal ein Schock.

Hier kommen wir ins Spiel: Wir sagen, meldet die Anlage um – unkompliziert und ohne großen Aufwand. Durch den Einbau der Pionierkraftwerke wird der Strom direkt vor Ort verbraucht. Ich behalte die 0,25 Euro im Haus, und nur der übrig gebliebene Überschuss geht für 0,08 Euro ins Netz. So bleibt die wirtschaftliche Attraktivität der Anlage erhalten – anstatt einfach hinzunehmen, dass man für die eigene Produktion kaum noch etwas bekommt.

Das ist ein redaktionell bearbeiteter Auszug aus dem L'Immo-Podcast mit Klaus Maier.


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