Zwischen Schraubenschlüssel und Laptop
Welche Bedeutung hat Facility Management heute im Lebenszyklus einer Immobilie? Hat der Laptop inzwischen den Schraubenschlüssel verdrängt?
Nils Lueken: Das Geschäft hat sich in den letzten 25 Jahren stark gewandelt und ist deutlich professioneller geworden. Facility Management ist kein reiner Kostenblock mehr, sondern ein aktiver Werttreiber über den gesamten Lebenszyklus der Immobilie.
Betrieb heißt heute nicht nur das Betreiben einer Immobilie an sich, sondern auch die Datenbasis für Investitions- und Sanierungsentscheidungen zu liefern. Es geht darum, Transparenz über Energieverbräuche, Anlagenverfügbarkeit und Verschleiß zu schaffen. Damit haben wir auch einen Anteil an der Rendite- und Risikosteuerung unserer Auftraggeber.
Insgesamt haben sich dadurch auch die Berufsbilder weiterentwickelt. Der Laptop ist heute viel wichtiger als er noch vor vielen Jahren war. Letztendlich benötigen wir beides. Wir brauchen den Schraubenschlüssel, also die gute klassische handwerkliche Leistung. Wir brauchen den Hausmeister in der Fläche zur Sichtbarkeit der Dienstleistungserbringung. Aber insgesamt wird das Facility Management natürlich digital und analytischer. Die Techniker arbeiten vor Ort, treffen teilweise aber Entscheidungen, die vorher datenbasiert vorbereitet wurden.
Die komplette L'Immo-Folge mit Gastgeber Jörg Seifert und Nils Lueken |
Daten im Facility Management: Benzin für den Betrieb
Sind Daten das Gold der Zukunft und wie gelingt die nahtlose Nutzung?
Daten sind die Voraussetzung für einen effizienten und transparenten Immobilienbetrieb. Und darüber hinaus liefern sie natürlich die Möglichkeit, automatisierte Prozesse anzustoßen, gegebenenfalls mit KI, um Regeln herauszuarbeiten, die den Betrieb effizienter machen. Der Vergleich mit Gold hinkt allerdings. Ich würde eher sagen, sie sind das Benzin für den Immobilienbetrieb. Denn Gold ist schon durch die bloße Existenz sehr wertvoll. Daten werden erst dann wertvoll, wenn wir sie im richtigen Kontext nutzen. Um sie nutzen zu können, müssen sie systematisch gesammelt und sauber strukturiert in eine Form gebracht werden.
Hier kommen CAFM-Systeme ins Spiel. Ich würde sagen, sie sind heute schon das führende Tool auf der Dienstleisterseite für die operative Leistungserbringung. Die Herausforderung besteht darin, Standards zu schaffen, damit Daten medienbruchfrei zwischen verschiedenen Phasen und Akteuren übergeben werden können.
Welche Rolle spielen KI und PropTech im Facility Management?
Die Zusammenarbeit mit PropTechs ist ein sehr wichtiges Momentum, um Zugang zu neuen Technologien sicherzustellen. Für Themen wie Smart Metering, Sensorik, Energieverbräuche, Störmeldesysteme und so weiter spielt das eine große Rolle. PropTechs helfen dabei, diese Bereiche weiterzuentwickeln.
Low-Code-Lösungen sind bei uns im Unternehmen mittlerweile fester Bestandteil der operativen Nutzung. Ein weiterer Aspekt ist der Einsatz von Apps. Diese kommen beispielsweise bei der Anlagenbewertung zum Einsatz. Ebenso nutzen wir digitale Tätigkeitsnachweise durch unsere Haustechniker oder digitale Berichte und Checklisten. All dies ist mittlerweile fest in unsere Wirtschaftsprozesse eingeflossen.
Wir haben im Bereich KI die ein oder andere Anwendung für uns herausgearbeitet. Letztendlich bietet KI die Möglichkeit, Muster zu erkennen und dadurch können wir Prognosen erstellen und Entscheidungen besser vorbereiten.
Ein Beispiel ist unsere KI-gestützte Wartungs- und Prüfdokumentenanalyse. Damit prüfen wir, ob Wartungen und Prüfungen mängelfrei waren oder ob Mängel vorlagen. So können wir Vorgänge effizient trennen: Auf der einen Seite abgeschlossene Prozesse, auf der anderen Seite Fälle, bei denen Folgemaßnahmen erforderlich sind. Das ist eine große Hilfe und wird sich in Zukunft noch weiterentwickeln.
Redaktionell bearbeiteter Ausschnitt aus dem L’Immo‑Podcast mit Nils Lueken.
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