Projektentwickler müssen sich fragen, wie die Städter der Zukunft wohnen und arbeiten wollen – nur so können sie das Richtige bauen. Impulsgeber ist die jüngere Generation: Der Trend geht zum grünen Quartier der kurzen Wege, wie eine Studie zeigt. Viele würden für nachhaltige Immobilien auch mehr zahlen.

Autoarme Innenstädte, Co-Living und Co-Working, ein gut ausgebautes ÖPNV-Netz und viele grüne Gebäude und öffentliche Flächen – die Relevanz nachhaltiger Lebensführung, moderner und barrierefreier Stadtgestaltung und dem Arbeitsplatz der Zukunft steigt. Auch eine älter werdende Gesellschaft auf der einen Seite und ein jünger werdender Arbeitsmarkt auf der anderen Seite stellt Projektentwickler vor neue Herausforderungen: Wie können die Generationen und die neuen Bedürfnisse im komplexen Gefüge einer Stadt vereint werden? Welche Rolle spielen die Ansprüche beim urbanen Wohnen in Bezug auf Nachhaltigkeit? Und was sind die Städter künftig bereit, für das Wohnen in der Stadt zu zahlen?

Diesen Fragen geht die Quartierstudie 2023 von DC Developments und dem Meinungsforschungsinstitut Civey auf den Grund. Befragt wurden 10.000 Menschen deutschlandweit.

Jüngere Generationen ticken nachhaltiger

Die jüngeren Generationen sind der Studie zufolge die Impulsgeber in nachhaltiger Lebensführung und sozialem Miteinander. Der Trend geht zum "Green Living" – er zeigt sich in neuen Denkmustern und verändertem Verhalten. Rund 38 % der Befragten wären etwa bereit, auf Fahrten mit dem Auto zu verzichten oder diese einzuschränken. Mehr als die Hälfte (rund 50 %) aus der Altersgruppe von 18 bis 49 Jahre würden das Auto öfters stehen lassen und nutzt im Generationenvergleich am ehesten Sharing-Angebote (8,6 %), lautet ein Ergebnis. Ob Generation Y oder Z, die jüngeren Menschen in Deutschland interessieren sich für das Thema Nachhaltigkeit.

"Die Menschen sehnen sich nach Begegnungsorten in der Stadt und erwarten entsprechende Aufenthaltsqualität", sagt Lothar Schubert, Geschäftsführer von DC Developments. Der öffentliche Raum werde in Zukunft immer mehr "der verlängerte Arm des Wohnzimmers" sein, vor allem in den Großstädten.

Grün und barrierefrei liegen im Trend

Wie wollen die Deutschen in Zukunft wohnen? Knapp die Hälfte (45 %) der Umfrageteilnehmer über alle Altersgruppen hinweg gab an, besonderen Wert auf mehr Grünflächen und Parks zu legen. Auf dem 2. Platz liegt der Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs (37,4 %).

Für eine generationenübergreifende Stadtplanung stimmen 27,1 % – hier steigt der Studie zufolge die Relevanz mit dem Alter. Ähnliches gilt für mehr Begegnungsräume, die sich mehr als jeder Zehnte (13,7 %) wünschen würde. Ein öffentlicher Raum sollte im Sinne der älteren Generation in erster Linie Sitzmöglichkeiten bieten, gastronomisches Angebot und Barrierefreiheit.

Barrierefreiheit ist auch in modernen Bürogebäuden entscheidend, wie die Studie außerdem zeigt. Hier führt aber mit einer Zustimmung von mehr als 60 % der Aspekt Fotovoltaikanlagen, Dachbegrünung und eine klimaneutrale Bauweise das Ranking an.

"Nicht nur bei der Gestaltung von Parks und Grünflächen, sondern auch bei der Mobilität müssen wir die Bedarfe aller Generationen noch stärker im Blick haben", kommentiert Schubert. Die Deutschen seien durchaus bereit für autoarme Innenstädte, beobachtet der Projektentwickler weiter: "Wir müssen in den Metropolen Vorbild sein und mit Konzepten vorangehen, die eine vernetzte Struktur schaffen."

Autoarme Innenstädte und kurze Wege für bessere Work-Life-Balance

Jüngere Generationen äußerten bei der Befragung insbesondere den Wunsch nach kurzen (Arbeits-)Wegen und Fahrradstraßen als Teil der Work-Life-Balance. Der öffentliche Nahverkehr müsse barrierefrei ausgebaut werden, um alle Zielgruppen ganzheitlich in ein Modell der Zukunft einzubeziehen, so Schubert. Je jünger, desto mehr steige auch der Stellenwert des Fahrrads und der Radwege. Im Vergleich zu den anderen befragten Altersgruppen nutzen die 18- bis 29-Jährigen am häufigsten den öffentlichen Nahverkehr: 4 bis 7 Tage in der Woche. Insgesamt fahren die Deutschen der Studie zufolge aber grundsätzlich lieber Auto: Mehr als zwei Drittel (66,9 %) der Befragten nutzen den Nahverkehr gar nicht.

In Pendlerregionen wie Berlin (9,8 %), Hamburg (8,6 %) oder Frankfurt am Main (10,5 %) ist der Schnitt deutlich höher – hier nutzen die Städter bis zu 5 mal pro Woche den öffentlichen Nahverkehr. Nur wenige Befragte insgesamt wollen aber vollständige Autofreiheit oder ausschließliche E-Mobilität. 26,9 % der Umfrageteilnehmer – insbesondere die jüngere Zielgruppe – unterstützen aber die Einführung autofreier Innenstädte. Autofreie Fahrradzonen kann sich etwa jeder Fünfte (23,1 %) und ausgewählte autofreie Stadtgebiete jeder Vierte (21 %) vorstellen. Je älter die Befragten, desto weniger bereit sind sie zu Einschränkungen.

Co-Working-Spaces

In den Großstädten sind sie bereits etabliert, trotzdem gaben in der Umfrage nur wenige der Teilnehmer an, dass sie das Teilen eines Arbeitszimmers für eine attr...

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