Die Blockchain im Finanz- und Rechnungswesen

Die Blockchain wurde durch diverse Kryptowährungen bekannt, die überwiegend eben auf dieser zentralen Speicher- und Weiterentwicklungstechnologie beruhen. Ihr Potenzial ist damit jedoch nicht erschöpft, sondern erstreckt sich auch in die Arbeitsabläufe des Finanz- und Rechnungswesens.

Was ist eine Blockchain?

Eine Blockchain ist zu Deutsch eine Kette aus (Daten-)Blöcken, mittels derer beispielsweise Transaktionen dezentral – also ohne zentrale Kontrollinstanz – gespeichert werden. Die Kette wird um neue Transaktionen erweitert, die durch eine Validierung, mittels eines Rechenprozesses, an die bisherigen Kettenglieder angehängt werden. Diese unveränderliche Chronologie bewirkt die Manipulationsfreiheit der Blockchain-Technologie, da die gesamte Historie in identischer Form, auf jedem teilnehmenden Endgerät, in unveränderbarer Weise und mit der identischen Historie, hinterlegt ist.

Die Blockchain – unabhängig von digitalen Währungen

Die Technologie wird als disruptiv bezeichnet, da sie das Potenzial aufweist, traditionelle Prozesse in diversen Wirtschaftsbereichen gänzlich zu erneuern, zu digitalisieren und somit zu vereinfachen. Die Blockchain wird häufig in Verbindung mit Kryptowährungen genannt, sie kann jedoch auch ohne diese, für gänzlich andere Zwecke genutzt werden. Auch umgekehrt existieren Kryptowährungen, die nicht auf der Blockchain-Technologie beruhen, sondern beispielsweise mittels eines Tangle aufgebaut sind. Diese beruhen nicht auf einer Datenkette, sondern auf einem mathematisch konzipierten Durcheinander.

Finanztransaktionen über eine Blockchain

Die Deutsche Bundesbank äußerte sich im Rahmen ihres Monatsberichts für Juli 2019 sehr umfangreich – und entgegen zahlreicher anderweitiger Finanzaufsichtsbehörden eher positiv – zur Abwicklung von Finanz- oder Wertpapiertransaktionen, die zukünftig auch über eine Blockchain erfolgen können. Hierzu seien zwar noch gesetzliche Anpassungen nötig, die technischen Voraussetzungen für die Anwendung sind jedoch bereits gegeben.

Vorteile der Blockchain in ausgewählten Geschäftsbereichen

Andere Beispiele für die Nutzung dieser Technologie sind

  • die Übertragungen von Eigentumsrechten,
  • die Nachverfolgung von Handelsströmen vom Erzeuger bis zum Verbraucher,
  • die Entwicklung von Supply-Chain-Kontrollen.

Zukünftig ist es auch denkbar, dass beispielsweise Grundbücher nicht nur digitalisiert werden, was in manchen Städten und Amtsgerichten bereits gegeben ist, sondern in Form einer Blockchain als Weiterentwicklung einer digitalen Datenbank geführt werden. Vorteile der Blockchain im Vergleich zu anderweitigen Dokumentationssystemen sind insbesondere die Sicherheit und Transparenz mittels Validierungsprozessen, die Datenkonsistenz und nicht zuletzt die Transaktionsgeschwindigkeit. Zudem kann zwischen einer offenen („public“) und einer geschlossenen („private“) Blockchain unterschieden werden, was die Zugangsberechtigungen und Einsichtnahmen regelt.

Herausforderung der Kompatibilität mit traditionellen Vorgehensweisen

Selbstverständlich existieren neben den Vorteilen auch Nachteile, wie beispielsweise

  • eine Inkompatibilität mit bestehenden Systemen oder
  • die benötigte Speicherkapazität, die ansteigt, je länger die Transaktionskette wird.

Im schlechtesten Szenario kann es sogar zu einer Teilung der Blockchain kommen, sobald unter den Usern Uneinigkeit über die Validierung oder Fortführung der Kette herrscht. Bekannte Beispiele hierzu sind die Abkoppelung des Bitcoin-Cash oder des Bitcoin-Gold vom ursprünglichen Bitcoin und der Bitcoin-Blockchain.

Vorteile im Finanz- und Rechnungswesen nutzen

Im Finanz- und Rechnungswesen sind die vorgenannten Vorteile der Blockchain von elementarer Bedeutung. Ein derartiges, digitales Buchungssystem, das dezentral verwaltet wird, bietet zahlreiche Vorzüge, die über die sonst häufig genannte Kostenreduktion hinausgehen. Insbesondere die Einführung und mittlerweile weitgehende Akzeptanz der Digitalisierung und des Cloud-Computing sind geeignete Vorboten der Blockchain-Technologie in Unternehmen. Schließlich ist auch die Blockchain nicht zentral auf einem Unternehmensserver gespeichert, sondern eben auf den nutzenden Endgeräten abgelegt. Buchhalterisch verwendeten selbst Technologieexperten den Vergleich mit einem Kassenbuch, das um eine Position erweitert wird, sobald eine Transaktion vollzogen ist.

Smart Contracts und Supply-Chain-Management in der Blockchain

Die beispielhaft genannten Verfolgungen und Abwicklungen von Handelsströmen können in einer Blockchain mittels sogenannter Smart Contracts erfolgen, die sämtliche Details der gesamten Handelstransaktion umfassen. Zudem kann – in einer weiteren Ausbaustufe – das Supply-Chain-Management integriert werden, indem Bestandshaltungen bzw. der Bedarf an Waren eingebettet sind. Innerhalb der Smart Contracts werden sämtliche hinterlegte Variablen mit Anforderungen abgeglichen und überprüft. Die doppelte Buchführung wird dabei mittels des sogenannten Triple Entry Accounting abgelöst bzw. erweitert.

Dieses Verfahren

  • bindet die Buchhaltung sämtlicher involvierter Transaktionsteilnehmer mit ein,
  • erfüllt die doppelte Buchführung und
  • trägt die Vorgänge - quasi als dritte Buchung – zusätzlich in einer Art gemeinsamen Kontosystemen, dem Shared Ledger bzw. der Blockchain ein.

Sämtliche Kontrollen der gesamten Transaktion können somit in der Blockchain abgebildet werden. Sobald eine Aktion ausgeführt und in der Blockchain hinterlegt ist, folgt chronologisch die nächste Transaktionsebene. Eine Zahlung der gelieferten Waren erfolgt im Anschluss automatisch, wenn sämtliche Prüfungen der hinterlegten Belege positiv abgeschlossen werden. Fehler oder Compliance-Verstöße, die durch menschliches Handeln entstehen, können somit durch die Automatisierung vermieden werden und selbst die Kalkulation zur Nutzung von Skonti bis hin zur Optimierung des Working Capital Management kann vollautomatisch erfolgen. Selbstverständlich existieren bereits Systeme, die das händische Agieren schon lange digitalisieren. Eine Blockchain verbindet jedoch die oben beschriebenen Vorteile der Smart Contracts mit den bekannten systematischen Vorgehensweisen und kann die Effizienz sowie die Skalierbarkeit der Geschäftstätigkeit steigern.

Gesetzliche Anpassungen werden der Dynamik zur fortschreitenden Digitalisierung folgen

Ähnlich der Abwicklung von Wertpapiertransaktionen samt Clearing und Settlement, ist auch die Verlagerung gesamter vertraglicher Beziehungen von Handelsströmen in die Blockchain noch abhängig von gesetzlichen Anpassungen. Beispielsweise Rechnungsstellungen und Steuerzahlungen sind an gesetzliche Vorgaben gebunden. Manche der geforderten Aspekte sind derzeit nur schwer mit einer rein digitalen Blockchain-Umgebung in Einklang zu bringen. Der derzeitige und zukünftige Trend der weiteren Digitalisierung von Betriebsabläufen wird sich in den nächsten Monaten und Jahren jedoch weiter dynamisieren und auch die gesetzlichen Rahmenbedingungen werden früher oder später geschaffen werden, wenn einzelne Jurisdiktionen nicht abgehängt werden wollen.

Digitalisierung erfordert menschlichen Einfluss

Hinsichtlich der Debatte, ob die Blockchain oder grundsätzlich die Digitalisierung Arbeitsplätze kostet, sollte ein Blick in die Vergangenheit gerichtet werden. Das Internet und zuvor bereits die Mechanisierung haben einerseits gewisse – zuvor von Menschen erbrachte – Tätigkeiten überflüssig gemacht bzw. ersetzt, andererseits wurden jedoch auch neue Aufgaben geschaffen. Digitalisierung und die Möglichkeiten einer Blockchain hängen immer noch von Menschen ab, die diese erschaffen und genau so sollte sich die Technologie weiterentwickeln – von Menschen gelenkt und unter Berücksichtigung des menschlichen Verhaltens und unserer Anforderungen. Geringwertige Tätigkeiten können ersetzt werden, ohne menschliches Handeln überflüssig zu machen und unter Schaffung neuer, ggf. höherwertigerer Aufgaben, welche Kontrolle, strategische Weiterentwicklung und eben menschliche Anforderungen miteinbeziehen.

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Schlagworte zum Thema:  Blockchain, Digitalisierung