Küting/Weber, Handbuch der ... / I. Handelsrechtliche Buchführungspflicht
 

Rn. 4

Stand: EL 11 – ET: 04/2011

Nach § 238 ist jeder Kaufmann verpflichtet, Bücher zu führen und in diesen seine Handelsgeschäfte und die Lage seines Vermögens nach den GoB ersichtlich zu machen (Ausnahme: Einzelkaufleute i. S. v. § 241a, vgl. Ellerich, HdR-E, HGB § 241a, Rn. 1 ff.). Diese Verpflichtung gilt für Kaufleute i. S. d. §§ 1 bis 6. Mit dem HRefG (BGBl. I 1998, S. 1474; In-Kraft-Treten: 01.07.1998) wurde u. a. der Kaufmannsbegriff grundlegend reformiert. Die Unterscheidung zwischen Musskaufmann und Sollkaufmann sowie die Rechtsfigur des Minderkaufmanns sind entfallen. Nunmehr sind alle Gewerbetreibende Kaufleute, es sei denn, ihr UN erfordert keinen in kaufmännischer Weise eingerichteten Geschäftsbetrieb (§ 1 = Musskaufmann). Dies gilt ohne Rücksicht auf die Branche, d. h., der Katalog der Grundhandelsgewerbe ist weggefallen. Kleingewerbetreibende (§ 2 = Kannkaufmann), deren UN keinen in kaufmännischer Weise eingerichteten Geschäftsbetrieb erfordert, sowie kleingewerbetreibende und vermögensverwaltende PersG (§ 105 Abs. 2 = Kannkaufmann) können aber durch freiwillige Eintragung in das Handelsregister, die konstitutiv ist, die (volle) Kaufmannseigenschaft erwerben. Den Kleingewerbetreibenden nach § 2 bzw. § 105 Abs. 2 steht das uneingeschränkte Recht zu, die Löschung im Handelsregister zu bewirken und sich dadurch – ex nunc – dem Kaufmannsstatus unter Wegfall der Bufü-Pflicht zu entledigen. Für Betriebe der Land- und Forstwirtschaft bleibt es bei der bisherigen Regelung (§ 3 = Kannkaufmann). Freiberufler (Ärzte, Anwälte etc.) sind weiterhin keine Gewerbetreibenden und damit auch keine Kaufleute, mit der Folge, dass (handelsrechtl.) keine Bufü-Pflicht besteht. Genossenschaften gelten als Kaufleute i. S. d. HGB (§ 17 Abs. 2 GenG) und sind damit ebenfalls zur Bufü verpflichtet. Wie bisher gelten auch AG, KGaA, GmbH und Genossenschaft als Handelsgesellschaften i. S. d. HGB und sind damit Formkaufmann nach § 6 (§§ 3 und 278 AktG, § 13 GmbHG, § 17 GenG). Zur Auslegung der Begriffe ›Gewerbebetrieb‹ und ›nach Art und Umfang in kaufmännischer Weise eingerichteter Geschäftsbetrieb‹ wird in der Gesetzesbegründung auf die in der Rspr. entwickelten Kriterien verwiesen (vgl. BT-Drucks. 13/8444, S. 24 und 48, s. a. Hopt 2010, § 1, Rn. 11 ff.; Stork, S. 2001, S. 821). Zu beachten ist, dass der handelsrechtl. und der steuerrechtl. Gewerbebegriff nicht deckungsgleich sind, z. B. sind Laborärzte/Laborhandel handelsrechtl. als Freiberufler zu qualifizieren, während sie steuerrechtl. ggf. als Gewerbetreibende einzustufen sind; eine Bufü-Pflicht kann sich dann nur stl. unter den Voraussetzungen des § 141 AO ergeben (vgl. FG Baden-Württemberg, Urt. v. 12.02.2001, EFG 2001, S. 807 f.; vgl. zum HRefG auch Ammon, L. 1998, S. 1474 ff.).

Vgl. zur Bufü und Bufü-Pflicht von Bauarbeitsgemeinschaften Albrod (P. 1994, S. 10 f.), von Gemeinden für ihre Betriebe gewerblicher Art OFD Frankfurt a. M. (2000, Vfg. v. 27.03.2000, BB 2000, S. 1517) und OFD Magdeburg (1998, Vfg. v. 23.02.1998, BB 1998, S. 1001), bei gewerblichem Grundstückshandel OFD Düsseldorf (2001, Vfg. v. 24.04.2001, DB 2001, S. 1065), Stork (S. 2001a, S. 116 f.), OFD Frankfurt a. M. (2000a, Vfg. v. 18.04.2000, BB 2000, S. 1400 f.), BFH-Beschl. v. 02.06.1998 (BFH/NV 1999, S. 31 f.), FG Niedersachsen (Urt. v. 03.02.1998, EFG 1999, S. 275), FG Münster (Urt. v. 24.04.1995, EFG 1996, S. 424).

Vgl. zu den Aufzeichnungspflichten von gemeinnützigen Körperschaften Buchna (J. 1998, S. 226 f.), von Vereinen Galli (A. 1997, S. 1723). Vgl. zur RL von (gemeinnützigen) Vereinen Lutter (M. 1988, S. 489 ff.), Galli (A. 1997, S. 1723), Littkemann, J./Sunderdiek, B. (1999, S. 1781), HFA 4/1995 (S. 698 ff.).

Vgl. zur RL von Stiftungen Orth (M. 1997, S. 1341 ff.), Walter, O./Golpayegani, I. N. (2000, S. 701 ff.), IDW RS HFA 5 (S. 391 ff.) sowie zur Prüfung IDW PS 740 (S. 385 ff.). Vgl. zur RL der gemeinnützigen GmbH Hüttche (T. 1997, S. 1095 ff.). Vgl. zur Bilanzierung von Joint Ventures HFA 1/1993 (S. 441 ff.) sowie die Erläuterungen hierzu von Früh, H.-J./Klar, M. (1993, S. 493 ff.) und Hebestreit (G. 1994, S. 834 ff.) mit Replik von Früh, H.-J./Klar, M. (1994, S. 1706 f.) und Duplik von Hebestreit (G. 1994a, S. 1707 ff.) und Niehus (R. J. 2005, Rn. 52 ff.).

Für ambulante Pflegeeinrichtungen (Pflegedienste) sowie für teil- und vollstationäre Pflegeeinrichtungen (Pflegeheime), mit denen ein Versorgungsvertrag nach dem Sozialgesetzbuch (Elftes Buch) besteht (zugelassene Pflegeeinrichtungen), gilt die PBV v. 28.11.1995 (BGBl. I 1995, S. 1528). Dabei kommt es nicht darauf an, welche Rechtsform die Pflegeeinrichtung hat und ob sie Kaufmann i. S. d. HGB ist. Durch § 3 PBV werden die Pflegedienste zur kaufmännischen doppelten Bufü nach §§ 238 bis 241 und zur Erstellung eines JA verpflichtet. Diese Vorschriften sind nach § 140 AO auch für Zwecke der Besteuerung zu erfüllen (vgl. zu Befreiungen von den Vorschriften der PBV § 9 PBV; vgl. zur PBV auch Eickstädt, A. 1998, S. 2429; Klusmeier, S. 1998, S...

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