Küting/Weber, Handbuch der ... / cc) Geringwertige Wirtschaftsgüter
 

Rn. 207

Stand: EL 22 – ET: 03/2016

Abweichend vom Grundsatz, dass WG einzeln zu aktivieren und Anschaffungsaufwendungen erst im Wege der AfA nach Maßgabe der §§ 7ff. EStG unter Berücksichtigung der jeweils betriebsgewöhnlichen ND des betr. WG gewinnmindernd zu berücksichtigen sind, eröffnen § 6 Abs. 2 und § 6 Abs. 2a EStG für abnutzbare, bewegliche und einer selbständigen Nutzung fähige GWG mit Vereinfachungsintention verschiedene steuerliche Ansatzwahlrechte: Bei (Netto-)AHK bzw. einem Einlagewert bis zu 150 Euro (sog. geringstwertige WG) besteht im WJ der Anschaffung/Herstellung bzw. Einlage das Wahlrecht zur sofortigen ergebnismindernden Berücksichtigung als BA (vgl. § 6 Abs. 2 EStG). Das Wahlrecht kann für jedes WG individuell in Anspruch genommen werden (WG-bezogenes Wahlrecht). Bei (Netto-)AHK bzw. einem Einlagewert von mehr als 150 Euro bis 410 Euro greift neben der möglichen Einzelbilanzierung und Regel-AfA ein doppeltes Wahlrecht. AHK bzw. Einlagewert können entweder in voller Höhe als BA abgezogen werden (WG-bezogenes Wahlrecht; vgl. § 6 Abs. 2 EStG) oder für alle sammelpostenfähigen WG WJ-bezogen einheitlich in einem Sammelposten erfasst werden (WJ-bezogenes Wahlrecht; vgl. § 6 Abs. 2a EStG). Bei (Netto-)AHK bzw. einem Einlagewert von mehr als 410 Euro bis 1.000 Euro: besteht neben der Einzelbilanzierung und Regel-AfA das Wahlrecht zur Erfassung in einem Sammelposten ebenfalls (vgl. § 6 Abs. 2a EStG). Zu berücksichtigen ist, dass das Wahlrecht nur einheitlich für alle im WJ angeschafften/hergestellten/eingelegten WG mit AHK bzw. Einlagewert von mehr als 150 Euro und nicht mehr als 1.000 Euro in Anspruch genommen werden kann, d. h. bei Sammelpostenbildung wird zugleich das Wahlrecht zur Sofortabschreibung für die GWG-Gruppe "AHK/Einlagewert mehr als 150 Euro bis 410 Euro" aufgehoben.

 

Rn. 208

Stand: EL 22 – ET: 03/2016

Handelsrechtlich wird die Sofortabschreibung ebenso wie die Bildung eines Sammelpostens unter Hinweis auf Vereinfachungs- und Wesentlichkeitsaspekte ebenfalls akzeptiert (vgl. IDW 2007, S. 506; vgl. auch BT-Drucks. 16/5491, S. 12 f., 14; Schubert/Andrejewski/Roscher, in: Beck Bil-Komm. 2014, § 253, Rn. 434; Kleinle/Dreixler 2013, § 6 EStG, Rn. 1254; ablehnend dagegen Kulosa 2015, § 6 EStG, Rn. 608, m. w. N.). Gleichwohl greifen betragliche Grenzen ebenso wie die steuergesetzliche Beschränkung auf bewegliche WG handelsrechtlich nicht durch.

 

Rn. 209

Stand: EL 22 – ET: 03/2016

Unabhängig von einem etwaigen GoB-Status der Sofort-/Poolabschreibung (vgl. diesen wohl prognostizierend BR-Drucks. 344/08, S. 80 f.) können die betragsgebundenen steuerlichen Sofort-/Poolabschreibungrechte des § 6 Abs. 2, 2a EStG nach BilMoG als steuerliche Wahlrechte i. S. d. § 5 Abs. 1 Satz 1 2. Halbs. EStG unabhängig von der Abbildung geringst- und geringwertiger WG in der HB ausgeübt werden (vgl. Ortmann-Babel, M./Bolik, A. 2010, S. 58; Kleinle/Dreixler 2013, § 6 EStG, Rn. 1254). Abweichungen zwischen HB und StB können damit bereits in der Ansatzfrage auftreten; sie werden für die Bewertung des Sammelpostens verstärkt, da die pauschalierende jahrgangsbezogene Auflösung zu jeweils einem Fünftel – ohne Ansehen der betriebsgewöhnlichen ND der im Sammelposten abgebildeten WG sowie deren Ausscheiden aus dem BV – analog § 6 Abs. 2a EStG handelsrechtlich nur in Betracht kommt, wenn der Sammelposten insgesamt von untergeordneter Bedeutung ist (vgl. IDW 2007, S. 506).

 

Rn. 210-220

Stand: EL 22 – ET: 03/2016

vorläufig frei

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