13.07.2012 | IFRS

IFRS 10 führt nicht zu Verbesserung der Finanzberichterstattung

Bild: Haufe Online Redaktion

Die EFRAG hat die Ergebnisse einer ergänzenden Studie zu den Auswirkungen von IFRS 10 auf die Konsolidierung von Zweckgesellschaften veröffentlicht. Die Ergebnisse sind ernüchternd.

Anfang Juni hat die Europäische Beratungsgruppe für Rechnungslegung (European Financial Reporting Advisory Group, EFRAG) die Ergebnisse der ergänzenden Studie zu den Auswirkungen von IFRS 10 auf die Konsolidierung von Zweckgesellschaften veröffentlicht (Supplementary study - Consolidation of Special Purpose Entities (SPEs) under IFRS 10). Diese Studie wurde Ende März 2011 begonnen. An der Studie nahmen insgesamt 14 Unternehmen aus drei verschiedenen Branchen (hauptsächlich Finanzsektor - 9 Teilnehmer - und Versicherungen - 4 Teilnehmer) aus sechs verschiedenen Nationen (u.a. Frankreich, Großbritannien und Deutschland) teil.

Verbessert IFRS 10 die Finanzberichterstattung?

Die in Zusammenarbeit mit verschiedenen europäischen nationalen Standardsetzern durchgeführte Studie dient dabei in erster Linie als Auswirkungsanalyse für die Europäische Kommission. Hauptaugenmerk ist dabei eine Evaluierung inwiefern die Neueinführung von IFRS 10 zu einer Verbesserung der Finanzberichterstattung führt, hierbei insbesondere die Veränderung bei der Konsolidierung von Zweckgesellschaften gegenüber IAS 27/SIC-12. Dieser Bereich wurde gerade mit Bezug auf die Finanzmarktkrise - als letztendlich mitauslösendes Moment für die Initiierung eines neuen Konsolidierungsstandards - als besonders ermessensbehaftet bzw. kritisch angesehen. Die Ergebnisse sind auch vor dem Hintergrund interessant, dass die EFRAG am 30. März 2012 noch ihre Übernahmeempfehlung für IFRS 10 ausgesprochen hatte.

Vor diesem Hintergrund fällt das Ergebnis dieser Studie hinsichtlich der quantitativen Auswirkungen der Übernahme von IFRS 10 auf das Ausmaß der Konsolidierung von Zweckgesellschaften im Vergleich mit noch geltenden Regeln ernüchternd aus. Die Auswirkung wird als „vermutlich relativ begrenzt“ angesehen (is likely to be relatively limited).

„Folgeeffekt“ von IFRS 10 durch IFRS 12

Bei einer Grundgesamtheit von 10.537 Zweckgesellschaften wurden nach IAS 27/SIC-12 insgesamt 2.163 konsolidiert, nach IFRS 10 werden vermutlich (Nettoeffekt) nur 50 neue SPEs als Tochterunternehmen hinzukommen. Bezogen auf die dahinterstehenden Vermögenswerte wird sich vermutlich ein Nettozuwachs von gerade einmal 1,3% ergeben. Interessanter sind hierbei eher, die hohe Anzahl an bereits nach IAS 27/SIC-12 - aber auch noch nach IFRS 10 - nicht konsolidierten Gesellschaften bzw. Konstruktionen (ca. 8.000) und die nach IFRS 10 zu erwartenden erstmaligen Entkonsolidierungen von Zweckgesellschaften (ca. 193).

Demgegenüber wiesen die Teilnehmer der Studie auch auf den „Folgeeffekt“ von IFRS 10 durch IFRS 12 hin. Insbesondere die neuen Anhangvorschriften in IFRS 12 würden signifikant mehr narrative Informationen zu Beteiligungen an nicht konsolidierten Zweckgesellschaften fordern als bisher.

Praxistipp

Die Ergebnisse der Studie sind hinsichtlich der in den Standard gesetzten Erwartungen als interessant anzusehen. Fakt ist, auch wenn auf Basis dieser Studie keine großen Auswirkungen zu erwarten sind, dass IFRS 10 kommen wird. Die Unternehmen müssen sich also davon unabhängig auf die neuen Regelungen vorbereiten. Insbesondere im Bereich der Finanzunternehmen kann es zu einer deutlichen Ausweitung des Konsolidierungskreises kommen. Eine Herausforderung für alle Bilanzierer stellen die neuen Anhangvorschriften dar.

Schlagworte zum Thema:  IFRS, Anhang, Finanzberichterstattung

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