Ein Ausweis als Kapitalrücklage kommt erst ab dem Zeitpunkt der Eintragung der Kapitalerhöhung in Betracht. Bild: Haufe Online Redaktion

In der Rubrik „Aus der Praxis ‒ für die Praxis“ greifen wir Kundenanfragen aus dem Bereich Jahresabschluss, Buchhaltung und Steuern auf, die ein Fachautor für uns beantwortet. Heute geht es um die Frage, wie eine Kapitalerhöhung in der Bilanz auszuweisen ist, wenn die Eintragung der Kapitalerhöhung in das Handelsregister erst nach dem Bilanzstichtag erfolgt.

Sachverhalt

Der Beschluss zur Kapitalerhöhung erfolgt im alten Geschäftsjahr, die Einzahlung des gezeichneten Kapitals sowie des Aufgelds ebenfalls, die Eintragung in das Handelsregister allerdings erst nach dem Bilanzstichtag.

Wann ist das gezeichnete Kapital in der Handelsbilanz um den Nennbetrag zu erhöhen?

Handelsbilanziell ist das gezeichnete Kapital mit der Eintragung der Kapitalerhöhung im Handelsregister um den Nennbetrag der Kapitalerhöhung erhöht auszuweisen.

Wie sieht es handelsrechtlich mit Zahlungen auf ein Agio aus?

Hier gilt im Grunde das Gleiche. Handelsrechtlich kommt ein Ausweis als Kapitalrücklage erst ab dem Zeitpunkt der Eintragung der Kapitalerhöhung in Betracht (ADS, 6. Aufl., § 272 HGB Tz. 93; Knop in Küting/Weber, HdR, 5. Aufl., § 270 HGB Anm. 17).

Wie verhält es sich im Hinblick auf das steuerliche Einlagenkonto?

Maßgebend hierfür ist, dass die Vermögenszuwendung steuerlich als Einlage qualifiziert werden kann (Binneweis, in Streck u.a., KStG, 8. Aufl., § 27 Rn. 12). Einlagen sind Vorteilszuwendungen eines Gesellschafters an seine Gesellschaft mit Rücksicht auf seine Mitgliedschaft. Begrifflich setzt die Einlage voraus, dass ein Wirtschaftsgut auf die Körperschaft übergeht und ein entsprechender Einlagewille vorhanden ist (Heinecke, in Schmidt, EStG, 36. Aufl., § 4 Rn. 318). Da die Einlage von der erfolgreichen Durchführung der Kapitalerhöhung abhängt, wird man grundsätzlich nur einen aufschiebend bedingten Einlagewillen annehmen können. Demgemäß liegt bis zur Eintragung der Kapitalerhöhung mangels unbedingten Einlagewillens noch keine Einlage vor, die auf dem steuerlichen Einlagenkonto zu erfassen ist. Etwas anderes gilt, wenn das Agio unabhängig von der erfolgreichen Eintragung der Kapitalerhöhung in der Gesellschaft belassen werden soll.

Schlagworte zum Thema:  Kapitalerhöhung, Eigenkapital, Einlage

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