Transitorische Abgrenzungen sind nach § 250 HGB zwingend zu buchen, wenn es im aktuellen Wirtschaftsjahr zu Ausgaben oder Einnahmen aus einem gegenseitigen Vertrag oder aufgrund von öffentlich-rechtlichen Verpflichtungen (z. B. Kfz-Steuer) kommt, die Erträge oder Aufwendungen für einen bestimmten Zeitraum nach dem Bilanzstichtag darstellen.

Die Bildung eines Rechnungsabgrenzungspostens setzt danach einen Zahlungsvorgang vor dem Bilanzstichtag voraus, d. h.

  • eine Veränderung des Bestands von Bank oder Kasse,
  • die Herausgabe oder Annahme von Schecks oder Wechseln,
  • die Entstehung von Forderungen oder Verbindlichkeiten.

Gleichzeitig wurde die zu erbringende zeitraumbezogene Leistung bis zum Bilanzstichtag noch nicht bzw. nicht vollständig geleistet. Im Umfang der ausstehenden zeitraumbezogenen Leistung ist ein Rechnungsabgrenzungsposten zu bilden. Die bestimmte Zeit, d. h. Anfang und Ende, muss eindeutig aus dem Sachverhalt ableitbar sein.

Die Auflösung eines Rechnungsabgrenzungspostens im Folgejahr erfolgt in Höhe der zeitanteilig erbrachten Gegenleistung. Rechnungsabgrenzungen können sich auch über mehrere Geschäftsjahre erstrecken.

Grundsätzlich besteht für Rechnungsabgrenzungsposten eine Bilanzierungspflicht. Bei unwesentlichen Beträgen darf unter Berufung auf den Grundsatz der Wesentlichkeit in der Handelsbilanz auf eine Bildung verzichtet werden.[1]

In der Steuerbilanz sind nach dem BFH-Urteil vom 16.3.2021 aktive Rechnungsabgrenzungsposten jedoch auch bei geringfügigen Beträgen zu bilden. Weder aus dem Grundsatz der Wesentlichkeit noch dem Verhältnismäßigkeitsgrundsatz lässt sich nach Auffassung des BFH eine Einschränkung der Pflicht zur Bildung von Rechnungsabgrenzungsposten auf wesentliche Fälle ableiten.[2] Im Beschluss v. 18.3.2010 hatte der BFH noch zugelassen, dass für geringfügige Beträge Rechnungsabgrenzungsposten (wahlweise) entfallen können.[3] Daran hält der BFH nicht mehr fest.[4]

 
Hinweis

So unterscheiden Sie Anzahlungen und Rechnungsabgrenzungen

Anzahlungen und Rechnungsabgrenzungen sind nicht immer einfach zu unterscheiden. Grundsätzlich beziehen sich Rechnungsabgrenzungen i. d. R. auf Dauersachverhalte und Anzahlungen auf einmalige Vorgänge.[5] Anzahlungen fallen nicht unter § 250 HGB.

[1] Vgl. WP-Handbuch, Kapitel F, 16. Aufl., Rz. 440.
[2] Vgl. BFH, Urteil v. 16.3.2021, X R 34/19, veröffentlicht am 9.9.2021.
[3] BFH, Beschluss v. 18.3.2010, X B 20/09.
[4] Vgl. BFH, Urteil v. 16.3.2021, X R 34/19, veröffentlicht am 9.9.2021, Rz. 25.
[5] Vgl. hierzu Bertram, in Bertram/Brinkmann/Kessler/Müller, Haufe HGB Bilanz Kommentar, § 250 HGB Rz. 2, Stand: 23.05.2022.

4.1 Aktive Rechnungsabgrenzungsposten

Soweit Ausgaben vor dem Bilanzstichtag entstehen, die Aufwand für eine bestimmte Zeit nach diesem Abschlussstichtag darstellen, ist ein aktiver Rechnungsabgrenzungsposten zu bilden. Bei aktiven Rechnungsabgrenzungsposten handelt es sich um Ausgaben vor dem Abschlussstichtag, die Aufwand für eine bestimmte Zeit nach diesem Abschlussstichtag darstellen.

 
Praxis-Beispiel

Kfz-Versicherung vom Folgejahr wird gezahlt

Am 21.12.01 wird die Kfz-Versicherung für die Zeit vom 1.1.02 bis zum 31.12.02 i. H. v. 1.100 EUR überwiesen.

Konsequenz

Diese Versicherungsbeiträge gehören wirtschaftlich in das Jahr 02. Die Versicherungssumme wurde aber bereits in 01 für eine bestimmte Zeit nach dem Abschlussstichtag bezahlt. Daher muss ein aktiver Rechnungsabgrenzungsposten gebildet werden.

Buchungsvorschlag

 

Konto SKR

03/04 Soll
Kontenbezeichnung Betrag

Konto SKR

03/04 Haben
Kontenbezeichnung Betrag
0980/1900 Aktive Rechnungsabgrenzung 1.100 4520/6520 Kfz-Versicherungen 1.100

4.2 Passive Rechnungsabgrenzungsposten

Bei passiven Rechnungsabgrenzungsposten handelt es sich um Einnahmen vor dem Abschlussstichtag, die Ertrag für eine bestimmte Zeit nach dem Abschlussstichtag darstellen.

 
Praxis-Beispiel

Mieteinnahmen: Vorschüssig vom Mieter gezahlte Miete

Unternehmer Hans Groß erhält am 1.12.01 vorschüssig die Miete für 3 Monate, insgesamt 1.500 EUR.

Konsequenz

Nur die Dezembermiete, also 500 EUR, ist Ertrag des Jahres 01. Die Mieten für Januar und Februar 02 muss er daher passiv abgrenzen.

Buchungsvorschlag

 
Konto SKR 03/04 Soll Kontenbezeichnung Betrag Konto SKR 03/04 Haben Kontenbezeichnung Betrag
2750/4860 Grundstückserträge 1.000 0990/3900 Passive Rechnungsabgrenzung 1.000

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