Rz. 56

Anteile, die ein Unternehmen an sich selbst hält; es befinden sich also eigene Aktien im Eigentum der bilanzierenden AG bzw. KGaA oder eigene Geschäftsanteile im Eigentum der bilanzierenden GmbH.[1] Nach § 71 Abs. 1 AktG darf die Gesellschaft eigene Aktien in den enumerativ aufgezählten Fällen (Nr. 1 bis Nr. 8) erwerben (Ausnahmeregelung). Das GmbH-Recht kennt diese Restriktion nicht. Allerdings kann die GmbH nach § 33 Abs. 1 GmbHG eigene Geschäftsanteile, auf welche die Einlagen noch nicht vollständig geleistet sind, nicht erwerben oder als Pfand nehmen. Gemäß § 33 Abs. 2 Satz 1 GmbHG darf sie eigene Geschäftsanteile, auf welche die Einlage vollständig geleistet ist, nur erwerben, sofern sie im Zeitpunkt des Erwerbs eine Rücklage in Höhe der Aufwendungen für den Erwerb bilden könnte, ohne das Stammkapital oder eine nach dem Gesellschaftsvertrag zu bildende Rücklage zu mindern, die nicht zur Zahlung an die Gesellschafter verwandt werden darf.

 

Rz. 57

Nach § 272 Abs. 1a HGB ist der Nennbetrag bzw. der rechnerische Anteil am gezeichneten Kapital von erworbenen eigenen Anteilen in einer Vorspalte offen von dem Posten "Gezeichnetes Kapital" abzusetzen.

Die Differenz zwischen dem Nennbetrag bzw. dem rechnerischen Anteil am gezeichneten Kapital und den Anschaffungskosten ist gemäß § 272 Abs. 1a Satz 2 HGB mit den frei verfügbaren Rücklagen zu verrechnen, die Anschaffungsnebenkosten (Provision, Gebühren) sind als Aufwand zu verbuchen[2] Der Erwerb eigener Anteile wird somit unabhängig vom Erwerbszweck und von der speziellen Rechtsform der Kapitalgesellschaft als Kapitalrückzahlung bzw. als Kapitalherabsetzung interpretiert und entsprechend bilanziert.[3]

 

Rz. 58

Folgerichtig wird der Verkauf eigener Anteile wirtschaftlich als Kapitalerhöhung dargestellt: Werden die Anteile wieder veräußert, entfällt die offene Absetzung des Nennwertes bzw. des rechnerischen Anteils am gezeichneten Kapital mit dem Posten "Gezeichnetes Kapital" und die Differenz zum Veräußerungspreis erhöht die freien Rücklagen bis höchstens zu dem Betrag, der bei der Anschaffung mit den freien Rücklagen verrechnet wurde. Ist der Veräußerungserlös höher als die Anschaffungskosten, ist gem. § 272 Abs. 1b HGB der Gewinn in die Kapitalrücklage einzustellen.[4]

Aufwendungen im Zusammenhang mit der Veräußerung sind – analog zu den Anschaffungsnebenkosten – als Aufwand zu verbuchen.[5]

[3] Vgl. Mühlberger, in Kirsch, 360°  BilR eKommentar, § 272 HGB Rz. 100.
[4] Vgl. Breidenbach, StuB 18/2009, S. 918; Winkeljohann/Hoffmann, in Grottel u. a., Beck'scher Bilanzkommentar, 10. Aufl. 2016, § 272 Rz. 141 ff; siehe auch Beispiel in Mühlberger, in Kirsch, 360°  BilR eKommentar, § 272 HGB Rz. 105.

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