Latente Steuern bei Personengesellschaften im Einzelabschluss und im Konzernabschluss

Zusammenfassung

 

Überblick

Latente Steuern zeigen in der Handelsbilanz künftige Änderungen von Ertragsteuern, die sich aus den Differenzen zwischen den handelsrechtlichen und den steuerlichen Werten von Bilanzposten ergeben. Der Ansatz latenter Steuern hat zum Ziel, den Steueraufwand in der Handelsbilanz so darzustellen, als wäre der handelsrechtliche Gewinn auch das steuerpflichtige Einkommen. Nach § 274 HGB bzw. § 306 HGB sind latente Steuern im Handelsrecht sowohl für die Rechnungslegung im Einzelabschluss als auch im Konzernabschluss abzugrenzen.

Latente Steuern werden auf Unterschiedsbeträge zwischen Handelsbilanz und Steuerbilanz gebildet, wenn die Differenzen temporär oder quasi-permanent sind. Darüber hinaus können aktive latente Steuern auf Verlustvorträge gebildet werden, wenn diese innerhalb der kommenden 5 Jahre erwartungsgemäß verrechenbar sind.

 

Gesetze, Vorschriften und Rechtsprechung

Die Vorschriften zu den latenten Steuern sind in § 274 HGB (Einzelabschluss) und in § 306 HGB (Konzernabschluss) geregelt. § 274a Nr. 5 HGB regelt größenabhängige Erleichterungen. Kleine Kapitalgesellschaften sind von der Verpflichtung zum Ausweis latenter Steuern nach § 274 HGB befreit. Bei Vorliegen der Voraussetzung für eine Rückstellung gem. § 249 Abs. 1 Satz HGB kann es zu einer Bilanzierungspflicht passiver latenter Steuern kommen. Erläuterungen zur Bilanzierung der latenten Steuern ergeben sich durch DRS 18. Weitere Informationen zu latenten Steuern ergeben sich aus IDW RS HFA 18. und IDW RS HFA 7 sowie IDW ERS HFA 7 n. F..

1 Grundlagen zu latenten Steuern

1.1 Allgemeines

Latente Steuern zeigen in der Handelsbilanz künftige Änderungen der Ertragsteuern, die sich aus den Differenzen zwischen den handelsrechtlichen und den steuerlichen Werten von Bilanzposten ergeben.

Sie werden auf Unterschiedsbeträge zwischen Handelsbilanz und Steuerbilanz gebildet, wenn die Differenzen temporär oder quasi-permanent sind. Darüber hinaus können aktive latente Steuern auf Verlustvorträge gebildet werden, wenn diese innerhalb der kommenden 5 Jahre erwartungsgemäß verrechenbar sind.

1.2 Temporäre Differenzen

Temporäre Differenzen sind Differenzen zwischen dem Wert eines Vermögensgegenstands oder einer Schuld laut Handelsbilanz und Steuerbilanz, die sich künftig wieder umkehren lässt, d. h. sie sind zeitlich begrenzt.

 

Praxis-Beispiel

Drohverlustrückstellung

Eine Drohverlustrückstellung führt zu einer temporären Differenz zwischen Handelsbilanz und Steuerbilanz, weil es steuerlich ein Ansatzverbot für Drohverlustrückstellung gem. § 5 Abs. 4a EStG gibt. Bei Verbrauch der handelsrechtlichen Rückstellung in den Folgejahren kehrt sich die Differenz zwischen dem Wertansatz laut Handelsbilanz und Steuerbilanz um. Die Differenz ist also temporär, weil sie sich im Zeitablauf wieder ausgleicht.

1.3 Permanente Differenzen

Permanente Differenzen kehren sich im Gegensatz zu temporären Differenzen künftig nie mehr um. Dieser Effekt ist einmalig. Typische Beispiele hierfür sind steuerlich nicht abzugsfähige Betriebsausgaben wie Geschenke mit einem Wert von über 35 EUR oder steuerfreie Erträge (u. a. steuerfreie Dividenden).

1.4 Quasi-permanente Differenzen

Quasi-permanente Differenzen kehren sich erst am Ende der Lebenszeit eines Unternehmens oder durch unvorhersehbare Umstände um; die Umkehrung ist also nicht zwangsläufig gegeben.

1.5 Ermittlung und Ausweis aktiver und passiver latenter Steuern

Aktive latente Steuern ergeben sich, wenn der handelsrechtliche Wert bei Vermögensgegenständen kleiner ist als der steuerliche Wert oder wenn der Wert der Verbindlichkeiten und Rückstellungen laut Handelsbilanz größer ist als der steuerliche Wertansatz.

Passive latente Steuern entstehen hingegen, wenn der handelsrechtliche Wertansatz bei Vermögensgegenständen größer ist als der steuerliche Wertansatz oder wenn der Wert für Verbindlichkeiten und Rückstellungen laut Handelsbilanz kleiner ist als der steuerliche Wert.

 
  Aktive latente Steuern Passive latente Steuern
Vermögensgegenstände HB < steuerlicher Wert HB > steuerlicher Wert
Verbindlichkeiten/Rückstellungen HB > steuerlicher Wert HB < steuerlicher Wert

Für aktive latente Steuern besteht ein Aktivierungswahlrecht, für passive latente Steuern besteht eine Passivierungspflicht. Bisher bestand ein Saldierungsgebot der aktiven und latenten Steuern. Seit BilMoG kann ein Wahlrecht bezüglich der Saldierung ausgeübt werden.

 

Praxis-Beispiel

Saldierung

Eine GmbH berechnet aktive latente Steuer von 55.000 EUR sowie passive latente Steuern von 30.000 EUR. Damit besteht ein Aktivüberhang von 25.000 EUR. Ein Ausweis kann wie folgt vorgenommen werden:

  1. Ausübung Aktivierungswahlrecht (saldiert): Ausweis aktive latente Steuern von 25.000 EUR (= Passive latente Steuern von 55.000 EUR abzüglich aktive latente Steuern von 30.000 EUR).
  2. Ausübung Aktivierungswahlrecht (unsaldiert): Ausweis aktive latente Steuern von 55.000 EUR und passive latente Steuern von 30.000 EUR.
  3. Keine Ausübung Aktivierungswahlrecht: weder Ausweis von aktiven noch von passiven latenten Steuern.
  4. Ausübung Aktivierungswahlrecht (teilsal...

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