Ethische Fragen sind immer persönlich. Nachfolgend haben wir Ihnen spannende Anregungen zusammengestellt.

Die Geschäftsgrundlagen ändern sich

Früher hatte es die ökonomische Zunft leichter: Man musste planen und berichten und mit den Banken umgehen können und schauen, dass ein Unternehmen unter dem Strich Geld verdient. Rendite und Gewinn waren die ultimativen Erfolgskriterien. Peter Drucker und andere Management-Gurus sprachen zwar schon vor 60 Jahren von Leadership und der Orientierung auf Werte, aber in der Praxis wurde das alles nicht so heiß gegessen wie gekocht. Die objektiven Zahlen waren der feste Grund jeder betriebswirtschaftlichen Unternehmenssteuerung; das bisschen „Menscheln“ galt als ein nettes Zubrot.

Das hat sich in den letzten 20 Jahren spürbar geändert. Heute gerät die nachhaltige Marktpositionierung in den Fokus von Finanzen und Controlling sowie die Entwicklung und Umsetzung einer Strategie, die diese Positionierung ermöglicht. Die Unternehmenssteuerung wird in diesem Kontext zur Gestaltung von Geschäftsmodellen, mit denen die Finanzierung der Strategie gewährleistet werden kann. Damit wird das Verständnis des Geschäfts und der Strategie mit ihren Leistungs- und Kostenpotenzialen zum entscheidenden Erfolgsfaktor für die kaufmännische Führung bzw. den Finanz-Bereich.

Ethische Fragen werden zu Erfolgskriterien

Wenn es nicht mehr allein ums Geld geht, sondern in erster Linie um das Geschäft, gelangt die Frage in den Vordergrund: Was für Geschäfte wollen wir betreiben?

Sollen sie auf dem Streben nach

  • Innovation (bessere Lösungen für die Menschen durch neue Produkte und Technologien),
  • gegenseitigem Vorteil (Kooperation auf Augenhöhe) und
  • Fairness (Teilhabe aller Beteiligten an den Anstrengungen wie am Erfolg)

beruhen oder auf

  • Monopolmacht (z.B. durch Preisabsprachen, informelle Marktmanipulationen, Abschiebung von Geschäftsrisiken auf Dritte etc.),
  • Betrug (z.B. durch das Unterlaufen bzw. Brechen von Gesetzen – Dieselskandal, Libor-Manipulationen, illegale Müllentsorgung etc.) und der
  • Ausnutzung menschlicher Notsituationen (z.B. durch Lohndumping, unzumutbare Arbeitsbedingungen, Tarifflucht etc.)?

Das sind ethische Fragen, die spätestens mit der Umsetzung der europäischen CSR-Richtlinie in deutsches Recht zu Erfolgskriterien wirtschaftlicher Tätigkeit aufgestiegen sind.

Wie soll mit ethischen Fragen im Unternehmenskontext umgegangen werden?

Damit sind persönliche Herausforderung für alle an der Unternehmenssteuerung beteiligten Mitarbeiter und Führungskräfte verbunden. Riskiere ich meinen Job, wenn ich das Brechen von Gesetzen thematisiere? Handele ich mir unnötigen Ärger ein? Ist es für mich nicht einfacher, frühe Signale zu ignorieren und bei den „sicheren“ Zahlen des Rechnungswesens zu bleiben? Und wenn es zum Crash kommt, einfach zu sagen: Tja …? Und zu hoffen, dass die dann folgenden Entlassungen andere treffen?

Bei allem Wandel: Noch erfordert es Mut, ethische Fragen im Unternehmen offen anzugehen. Noch ist es wesentlich einfacher, z.B. von „Personalüberhängen“ zu sprechen und damit andere Menschen salopp für „überflüssig“ zu erklären, als strategische Versäumnisse frühzeitig anzusprechen und auf die Veränderung des Geschäftsmodells zu drängen, z.B. weil sich das wirtschaftliche Umfeld verändert, einschließlich der sozialen und ökologischen Anforderungen.

Zum Schluss muss sich jeder Einzelne fragen: Was bin ich bereit, für Geld zu tun? Will ich weiterhin Menschen auf Zahlen reduzieren und wie Objekte – wie einen Felsüberhang – behandeln? Oder beziehe ich die oft in den Hochglanzpapieren oder auf den Webseiten deklarierten Werte des Unternehmens unmittelbar in die Geschäftsmodelle ein?

Es bleibt die alte Frage aus dem Johannesevangelium: Quo vadis?

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Schlagworte zum Thema:  CSR, Management