23.10.2012 | Serie Stuttgarter Controller-Forum 2012

Unsicherheit beherrschen – Steuerungskonzepte gegen volatile Märkte

Serienelemente
Bild: Günter E. Bergmann, Waldenbuch

Viele Vorträge auf dem Stuttgarter Controller-Forum widmeten sich dem Motto „Steuerung im volatilen Umfeld“. Zum Einstieg in das Thema stellte Dr. Michael Kieninger die grundlegenden Anforderungen und bewährte Reaktionsmöglichkeiten zur Verbesserung der Steuerung vor.

Volatilitätsbedingte Anforderungen an die Unternehmenssteuerung
Bei den konjunkturellen Ausschlägen nehmen sowohl Frequenz als auch Stärke zu und zwar sowohl in Richtung Wachstum wie auch in Richtung Rezession. Dies erhöht die volatilitätsbedingten Anforderungen an die Unternehmenssteuerung, auf die Dr. Michael Kieninger, Sprecher des Vorstands der Horváth AG, zu Beginn seines Vortrags einging. Er benannte vier Trends.

  • Globale Steuerung: Um lokale Optimierungsbemühungen zu Lasten des Gesamtunternehmen zu vermeiden, werden Ziele und Steuerungssysteme zukünftig stärker zentral gesteuert werden.
  • Vernetzte Steuerung: Hier geht es darum, die Steuerung von Gesamtunternehmen (-sgruppe) und Funktionen, Regionen etc. effizient zu verknüpfen.
  • Flexible Steuerung: Wenn sich Planungsgrundlagen ändern, müssen diese schnell in den Planungssystemen angepasst werden können, um aktualisierte Informationen zu liefern.
  • Effiziente Steuerung: Der Umgang mit der Volatilität erschwert die Planung an sich. Deshalb ist es wichtig, sich auf Kennzahlen mit Steuerungswirkung zu konzentrieren anstatt eine Vielzahl von Detailinformationen zu liefern.

Zur Optimierung der Steuerungssysteme stellte er drei Prozesse bzw. Elemente vor.

1. Steuerung über Group Control- oder One-ERP-Ansatz?

  • Der Group-Control- oder Group-Reporting-Ansatz standardisiert die Informationsinhalte, die zur Steuerung verwendet werden. Die Quellen sind zweitrangig und können auch dezentral strukturiert sein.

  • Beim One-ERP-Ansatz werden die Hauptprozesse sowie die Datenstrukturen eines Unternehmens durch ein einheitliches ERP-System standardisiert. Auf diese Weise können auch einheitliche Reports generiert werden.

Die Eignung des einen oder des anderen Ansatzes richtet sich nach verschiedenen Kriterien (S. Abb. 1 in der Bilderserie).

2. Planungs- und Prognosesysteme
Bei den Planungs- und Prognosesysteme stellte Dr. Kieninger drei Stoßrichtungen vor.

  • Frontloading und Eckwerteplanung: Dabei liegt der Fokus der auf einer intensiven Zielsetzungs- und Commitment-Phase. Ziele und Rahmenbedingungen, definiert in Form von Werttreibern, stehen im Mittelpunkt der Arbeit. Anschließend kann die operative Ausplanung recht zügig erfolgen.

  • Relevanz: Bei diesem Ansatz werden die Ressourcen überproportional auf die 5 – 20 % der Parameter verteilt, die die Ergebnisse massiv beeinflussen. Dagegen werden die weniger relevanten Parameter verstärkt maschinell bearbeitet.

  • Dynamisierung von Planung und Forecast: Anstelle fixer Planungszeiträume (z.B. ein Jahr) werden rollierende Forecasts verwendet, die auch über ein Geschäftsjahresende hinausgehen. In der Praxis setzen sich laut Kieninger immer mehr „teilrollierende“ Systeme durch (S. Abb. 2, linke Seite).

3. Funktionale Steuerung.
Die funktionale Steuerung sorgt für die strategiekonforme Ausrichtung der Funktionsbereiche. Hier konzentrierte sich Dr. Kieninger auf die internationale Vertriebssteuerung, die laut einer aktuellen Studie oft als verbesserungsfähig betrachtet wird. So führt die Globalisierung der Märkte zu einer Zentralisierung von Preisen, Angebotsformen, Rabatten und Vertriebsprozessen. Aus einem Best-Practice-Ansatz stellte Dr. Kieninger fünf KPIs zur Vertriebssteuerung vor, die sowohl den Anforderungen der globalen Steuerung wie auch der lokalen Vertriebsoptimierung gerecht werden (S. Abb. 3).

Effizienz der Steuerungssysteme
Zum Abschluss zeigte Dr. Kieninger Stufen der Effizienzsteigerung im Finance-Bereich auf. Am Anfang stand die Optimierung bestehender Strukturen durch Standardisierung, Automatisierung, Reduzierung des Detaillierungsgrades und Operational Excellence. Danach folgte die Zentralisierung durch Shared Service Center, Scale Services, Expert Services, Factory-Konzepte und Onshore/Offshore. Als letzte Stufe kam das Outsourcing einzelner Prozesse oder ganzer Funktionsbereiche.

Grundlagen
Der Beitrag beruht auf dem Vortrag „Steuerungskonzepte für die volatile Ökonomie“ von Dr. Michael Kieninger, Sprecher des Vorstands der Horváth AG im Rahmen des 26. Stuttgarter Controller-Forums am 18. September 2012 in Stuttgart sowie dem Artikel „Die Unsicherheit beherrschen - Steuerungskonzepte für die volatile Ökonomie“ im Tagungsband von Péter Horváth/Uwe Michel (Hrsg.): Controlling und Finance: Steuerung im volatilen Umfeld, 2012, S. 3.

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Schlagworte zum Thema:  Horváth & Partners, Volatilität, Unternehmenssteuerung, Controlling

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