22.10.2012 | Serie Stuttgarter Controller-Forum 2012

Entwicklung eines neuen Kompetenzmodells für Controller

Serienelemente
Bild: Günter E. Bergmann, Waldenbuch

Das Controlling steht vor der Herausforderung, seinen Beitrag zur Steigerung der betrieblichen Effektivität und Effizienz zu leisten und nachzuweisen. Damit verändert sich auch das zukünftige Kompetenzprofil von Controllern, wie Alexander Göttling auf dem Stuttgarter Controller-Forum erläuterte.

Im Rahmen des diesjährigen Stuttgarter Controller-Forums der Horváth & Partner GmbH stellte Alexander Göttling, Leiter der Horváth Akademie, die aktuellen Ergebnisse einer gemeinsamen Studie von Horváth & Partners und der EBS Universität für Wirtschaft und Recht vor. Ziel dieser Studie war es, ein unternehmensübergreifendes, controllingspezifisches Kompetenzmodell zu entwickeln, das Anhaltspunkte für die Auswahl und Beurteilung von Mitarbeitern auf Basis von beobachtbarem Verhalten liefert. Dazu wurde konzeptionell ein hybrider Ansatz gewählt, der eine Anforderungsanalyse auf Basis aktueller Aufgaben von Controllern in der unternehmerischen Praxis sowie die Kompetenzmodellierung auf Basis eines zukünftig erwünschten Verhaltens miteinander kombiniert.

Vier charakteristische Rollenbilder des Controllers
Im Rahmen einer qualitativen Vorstudie wurden in teilstrukturierten Interviews mit Experten aus der Wissenschaft sowie der Unternehmenspraxis unternehmensübergreifend gültige Rollen, Aufgaben und Anforderungen von Controllern identifiziert. Die Interviews basierten auf der „Critical Incident Technique“, die erfolgskritische Situationen, die eine hohe Bedeutung für das erfolgreiche Wirken eines Controllers haben, als Grundlage für die Analyse nutzt. Aus den Ergebnissen der qualitativen Vorstudie konnten vier charakteristische Rollenbilder des Controllers abgeleitet werden:

  • der Controller als Kontrolleur/kaufmännisches Gewissen, bei dem die operative Überwachung von Leistungsindikatoren im Vordergrund steht;
  • der Controller als Analyst/Informationsspezialist, der Informationen auswertet und managementorientiert aufbereitet;
  • der Controller als Business Partner/Berater der Führungskräfte, der auf Basis valider Informationen Führungskräfte aktiv im Entscheidungsprozess unterstützt sowie

der Controller als Change Agent/Veränderungstreiber, der eigeninitiativ Veränderungsprozesse im Unternehmen anstößt (vgl. Abbildung 1).

Ableitung von rollenspezifischen Kompetenzprofilen
Im zweiten Schritt wurden die Ergebnisse der Vorstudie über eine Onlinebefragung unter Controllern unterschiedlicher Branchen und Unternehmen validiert. Insgesamt beteiligten sich daran 114 Controller, die dabei auch die verschiedenen Positionen und Führungsebenen im Controlling adäquat repräsentierten.

Die im Rahmen der Erhebung der „Critical Incidents“ ermittelten Kompetenzfelder von Controllern wurden durch die empirische Studie gewichtet, selektiert und verdichtet. Dadurch wurde eine Zuordnung spezifischer Kompetenzfelder zu den einzelnen Rollenbildern und damit die Generierung von rollenspezifischen Kompetenzprofilen möglich (vgl. Abbildung 2).

Zuordnung von konkreten Verhaltensankern
Im Kompetenzmodell wurden darüber hinaus alle ermittelten spezifischen Kompetenzfelder bis auf die konkrete Verhaltensebene operationalisiert. Dazu wurden die einzelnen Kompetenzfelder mit Kompetenzdimensionen und Teilkompetenzen bis hin zum konkreten Verhaltensanker hinterlegt (vgl. Abbildung 3), so dass sich im Ergebnis ein differenziertes, rollenspezifisches Anforderungsbild für erfolgreiche Controller ergibt.

Kompetenzmodell als Basis für die effektive Qualifizierung von Controllern
Das im Rahmen der Studie entwickelte Kompetenzmodell sollte zukünftig der zentrale Anker von Personalentwicklungsmaßnahmen im Controlling sein. Neben der zielgenauen Auswahl von Mitarbeitern im Controlling ermöglicht ein unternehmensunabhängiges Kompetenzmodell die Entwicklung wirksamer, an den aktuellen Anforderungen ausgerichteten Trainings- und Qualifizierungsmaßnahmen für Controller und bildet damit die Basis für eine nachhaltige Leistungssteigerung im Controlling.

Grundlagen
Der Beitrag beruht auf der Präsentation „Das Kompetenzmodell für Controller und Ergebnisse der Kompetenzstudie“ von Alexander Göttling, Leiter Horváth Akademie der Horváth & Partner GmbH, im Rahmen des 26. Stuttgarter Controller-Forums am 19. September 2012 in Stuttgart.

Der Autor

Dipl.-Kfm. Mike Schulze ist Wissenschaftlicher Mitarbeiter und Doktorand am Strascheg Institute for Innovation and Entrepreneurship (SIIE) der EBS Business School in Oestrich-Winkel.

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Schlagworte zum Thema:  Horváth & Partners, Controlling

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