(Fehlende) Wahrnehmung sozialer Verantwortung im Unternehmen wirkt sich nicht nur auf den Aktienkurs aus Bild: M. Gapfel ⁄

Alle reden, spätestens im Lagebericht, vom Verhaltenskodex. Doch im betrieblichen Alltag ist davon oft wenig zu spüren. Margot Käßmann übte in einem Interview in der Wirtschaftswoche harte Kritik an der Wertevorstellung der deutschen Manager. Sie vermisst den ehrbaren Kaufmann und fordert Manager dazu auf, von ihrer Machtbesessenheit wegzukommen.

Der Deutsche Corporate Governance Kodex gilt als Kompass für ethische Unternehmensführung: Künftig soll das Leitbild des ehrbaren Kaufmanns im Deutschen Corporate Governance Kodex enthalten sein und damit als Vorbild für die gute Unternehmensführung dienen. Doch wie präsent ist er?

Von der Notwendigkeit, Verantwortung zu übernehmen

In den Chefetagen finde sich kaum noch der Managertyp, der seine Mitarbeiter ernst nimmt, der verlässlich und integer ist und Verantwortung übernimmt, so die ehemalige Ratsvorsitzende der evangelischen Kirche Käßmann in der Wirtschaftswoche.

Bei den großen Skandalen in den vergangene Jahren, ob bei den Banken oder in der Automobilbranche, hielt es keiner der Chefs für notwendig, für die Unternehmenswerte einzustehen und Verantwortung zu übernehmen.

Respekt vor wirtschaftlicher Elite geht verloren

Wie wirken sich Unternehmensskandale jenseits der Umsätze und der Aktienwerte aus?

Das verantwortungslose Verhalten der Manager führe immer mehr dazu, dass niemand mehr Respekt vor der wirtschaftlichen Elite habe. Im Gegenteil: Korruption und Machtbesessenheit schürten das Misstrauen.

Nächstenliebe und Selbstliebe täte Unternehmensführern gut

Nächstenliebe bedeute Liebe zu Gott, zu sich selbst und zum Nächsten, so Käsmann, und ein Unternehmen lebe von engagierten Mitarbeitern und nicht von Dividenden. Sie stellt auch die Behauptung auf, dass es vielen Managern noch nicht einmal gelingen würde, sich selbst zu lieben. Doch ohne Selbstliebe sei es nicht möglich, anderen – und dazu zählen vor allem auch Mitarbeiter – Respekt entgegenzubringen.

Mitarbeiter wollen sich mit ihrem Arbeitgeber identifizieren

Es sei wichtig, dass der Arbeitgeber die gleichen Werte hochhält, wie der Mitarbeiter. Denn Mitarbeiter wollen sich mit ihrem Arbeitgeber identifizieren. Ist dies der Fall, so Käsmann, setzt Begeisterung ein und diese setze Energie frei. Dadurch werde der Mitarbeiter belastbar und kreativ.

Mitarbeiter sollen sich für ihre Überzeugung einsetzen

Käsmann plädiert auch dafür, dass sich Mitarbeiter für ihre Überzeugung einsetzen. Nur wer seine Werte lebt, könne glücklich sein. Engagement sei als Betriebsrat, in der Gewerkschaft, aber auch bereits im Jahresgespräch möglich. Denn dann könne man dem Chef mitteilen, was einen stört und was man gerne ändern würde.

Weitere News zum Thema:

Werte machen Mitarbeiter aufrichtiger

Der ehrbare Kaufmann als Compliance-Vorbild

Compliance von Mitarbeitern: Lügen und Betrügen ist ansteckend, korrektes Verhalten auch

Mehr zum Thema:

Corporate Governance beschreibt einen Teilbereich der Unternehmensführung. Im internationalen Sprachgebrauch versteht man unter Corporate Governance eine transparente und verantwortliche, auf langfristige Wertschöpfung ausgerichtete Unternehmensleitung und -kontrolle. Seit 2002 gibt es einen Deutschen Corporate Governance Kodex (DCGK). Mehr dazu lesen Sie im Haufe-Fachbeitrag Corporate Governance.

Mustertext für einen Compliance-Verhaltenskodex

Schlagworte zum Thema:  Code of Conduct, Verhaltenskodex, CSR, Soziale Verantwortung

Aktuell
Meistgelesen