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Bild: ECB European Central Bank

Ein Geldsystem ohne staatliche Kontrolle? Eine Währung, die nicht von einer Zentralbank ausgegeben wird? Welche Chancen und Risiken verbergen sich hinter den populärsten Kryptowährungen?

Ausgangslage

Kryptowährungen sind für einen Großteil der Bevölkerung noch ein Buch mit sieben Siegeln. Wie auch im traditionellen Bankgeschäft ist ein wesentlicher Erfolgsfaktor die Bildung einer gegenseitigen Vertrauenskultur. Diese ist zwischen sämtlichen Marktakteuren wie Regierungen, Unternehmen und Konsumenten herzustellen. Die derzeit noch fehlende Regulierung stellt für einige Akteure eine nicht unwesentliche Markteintrittsbarriere dar. Insbesondere wegen der Anonymität und Dezentralität von Kryptowährungen ist eine staatliche Überwachung für die Erschaffung, Markteinführung und Verbreitung von Kryptowährungen erforderlich. Straftaten wie Geldwäsche oder Terrorismusfinanzierung sollen schließlich durch Kryptowährungen nicht verschleiert werden. Im Folgenden werden zunächst die allgemeinen Chancen und Risiken von Kryptowährungen dargestellt. Anschließend werden spezifische Merkmale der Kryptowährungen mit den derzeit größten Marktkapitalisierungen dargestellt.

Chancen

  • Geringere Transaktionskosten als im herkömmlichen Zahlungsverkehr
  • Schnellere Transfergeschwindigkeit
  • Effizienzgewinne für Zahlungssysteme
  • Erfolgsversprechende künftige Blockchain-Technologie
  • Steigende Beliebtheit als Investitionsalternative durch Vertrauensverlust in das bestehende Banken- und Währungssystem als Folge der Finanz- und Staatsschuldenkrisen
  • Hohe Spekulationsgewinne möglich
  • Unabhängigkeit von staatlicher Kontrolle
  • Anonymität

Risiken

  • Cyberattacken durch Sicherheitslücken
  • Rechts- und Compliance-Risiken durch Rechtsunsicherheit aufgrund fehlender einwandfreier rechtlicher Definitionen bzw. Einstufung durch Aufsichtsbehörden (rechtliche Konflikte hinsichtlich Geldwäsche und Betrugsverdacht)
  • Vertrauensverlust der breiten Bevölkerung
  • Hohe Volatilität in der Kursentwicklung
  • Gefährdung der Stabilität im Finanzsystem
  • Nutzung durch Kriminelle für illegale Geschäfte
  • Kapazitätsprobleme der Blockchain

Bitcoin (BTC)

Bitcoin bietet aufgrund des sog. „Coin Limits“ bei rund 21 Millionen Inflationssicherheit. Inzwischen ist eine relativ einfache Handhabung und Beschaffung möglich. Es ist die populärste Digitalwährung mit der höchsten Marktkapitalisierung. Bitcoin können jedoch durch Sicherheitslücken aus dem sog. „Wallet“ ähnlich wie Bargeld gestohlen werden. Auch die künftigen noch ausstehenden Regulierungsmaßnahmen könnten die Kursentwicklung massiv beeinflussen. Es besteht von einigen Marktakteuren Misstrauen, da die Erschaffung von Bitcoins losgelöst von Zentralnotenbanken erfolgt.

Ethereum (ETH)

Ethereum ist derzeit deutlich günstiger in der Anschaffung als Bitcoin und profitiert gleichzeitig von der Akzeptanz von Bitcoin. Es ist nicht nur eine Kryptowährung, sondern auch Plattform für verteilte Anwendungen (Distributed Apps). In der Blockchain wird das Management rund um sog. „Smart Contracts“ angeboten. Zudem hat Ether eine schnellere Transaktionsabwicklung als Bitcoin. Zuletzt machte Ethereum jedoch negative Schlagzeilen mit dem Verdacht auf einen Betrugsversuch im Juni 2017, als der Kurs von ca. 319 Dollar auf 10 Cent herunterrauschte, jedoch innerhalb kürzester Zeit wieder das Ausgangskursniveau erreichte. Durch Stop-Loss-Orders haben etliche Anleger massive Kursverluste erlitten. Dieser Vorfall wird derzeit von der US-Finanzmarktaufsicht untersucht. Der fehlende Einbezug von Zentralnotenbanken könnte sich auch hier langfristig negativ auswirken.

Ripple (XRP)

Ripple als Zahlungsnetzwerk und verteiltem Handelsplatz ist währungsneutral. Es unterstützt damit auch sämtliche staatliche Währungen und kann als eine Art Brückenwährung für den Handel mit realen oder virtuellen Währungen genutzt werden. Im Gegensatz zu den übrigen Kryptowährungen fügt sich Ripple in unser bestehendes Finanzsystem ein. Positive Zukunftsaussichten können Ripple auch deshalb attestiert werden, da ständig weltweit weitere Banken in die Blockchain integriert werden. Inzwischen sind dies schon etliche renommierte Geldinstitute. Statt ein komplett anderes Geldsystem zu etablieren, setzt das Ripple-Netzwerk auf eine Art Ergänzung zu den bestehenden Bankdienstleistungen. Dies wird in der Bankenwelt positiv wahrgenommen, was die Vielzahl der bereits involvierten Bankinstitutionen bestätigt. Langfristig betrachtet könnte sich daher eine Kryptowährung wie beispielsweise Ripple als Führende durchsetzen.

Kryptowährungen – Fluch oder Segen für unser Geldsystem?

„Banken, die Bitcoin regulieren wollen, sind wie Dinosaurier, die Asteroiden regulieren möchten.“ Dieses Zitat von Mike Gogulski (Online-Aktivist) verdeutlicht die Herkulesaufgabe vor denen Aufsichtsbehörden stehen. Ohne flächendeckende staatliche Regulierung der Kryptowährungen besteht aufgrund fehlender übergeordneter Kontrollinstanz eine ernstzunehmende Gefahr für die Stabilität unseres Finanzsystems. Vertrauensverlust in das Bankensystem, Währungsängste sowie die globale Niedrigzinsphase verstärken die Flucht in die alternative Assetklasse Kryptowährungen. Trotz der zahlreichen Risiken bieten sich jedoch ebenso einige Chancen. In erster Linie ist hier die Integration der kostengünstigen und schnellen Transaktionsmöglichkeiten in unser bestehendes Finanzsystem (z. B. Ripple) anzuführen.

Die positiven Aspekte gilt es also zur Weiterentwicklung unserer Geldsystems sinnvoll zu nutzen. Voraussetzung hierfür ist die Schaffung von verlässlicher IT-Sicherheit. Des Weiteren sind entsprechende rechtliche Grundlagen erforderlich, um die künftigen wirtschaftlichen, finanz- und geldpolitischen Auswirkungen im Zeitalter der Kryptowährungen nicht dem Zufall zu überlassen.

Schlagworte zum Thema:  Compliance, Bitcoin, Geldwäsche

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