22.02.2013 | Als Workaholic zu gelten, fand ich cool

Ursachen für ein Leben im Dauerstress

Ständig erreichbar sein - gar nicht cool.
Bild: John Foxx Images and Images 4 Communication

Matthias Onken, ehemaliger Chef der Bild-Zeitung lebte jahrelang im Dauerstress. Ständige Erreichbarkeit und "Megadruck" fand er cool - bis nichts mehr ging, wie er in seinem gleichnamigen Buch beschreibt. Wie kommt es dazu, dass so viele Menschen in die Stressfalle tappen?

Ständige Erreichbarkeit war oberstes Gebot, selbst Kino war tabu, zwei Stunden keine Mails checken - für Matthias Onken undenkbar. Doch jahrelanger Stress machten ihn fertig. Mit 38 Jahren zog er die Notbremse - und kündigte. Seinen Ausstieg aus der Führungsposition hat Onken in dem Buch "Bis nichts mehr ging" beschrieben.

"Als Workaholic zu gelten, fand ich cool"

schreibt Onken. Für ihn war es ein Traum, Reporter zu sein. Er machte schnell Karriere und wurde schließlich Redaktionsleiter bei der "Bild".

Arbeit, Arbeit, Arbeit, da bleibt kein Platz mehr für Privatleben

"Ich glänzte bei der Arbeit und versagte im Restleben", sagt der heute 40-Jährige. Wie ein "Junkie" sei er gewesen, mit Arbeit als Suchtstoff, voller Sehnsucht nach Anerkennung. Was folgt waren Scheidung, kein Zeit für seinen ersten Sohn und für Freunde. Er fühlte sich zunehmend beziehungsunfähig.

Neuer Umgang mit Stress

Onken hofft, dass das Thema "viel weitere Kreise" zieht. Und dass Unternehmen sich stärker darum kümmern, wie sie ihre Führungskräfte schützen können. Zum Beispiel mit Coachings von Anfang an - und vor allem mit Auszeiten von der ständigen Erreichbarkeit.

Manchmal fragt sich Onken kopfschüttelnd: "Wie blöd warst du früher eigentlich?"
Dem 40-Jährigen jedenfalls scheint der Ausstieg aus der Stressfalle gelungen zu sein. Er setze nun andere Prioritäten: "Meinen kleinen Sohn ins Bett zu bringen, das ist der schönste Kick."

Schlagworte zum Thema:  Arbeitssucht, Psychische Belastung, Workaholic, Erreichbarkeit, Stress, Burn-out-Syndrom

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