Für Kennzahlen gibt es diverse Einordnungsmöglichkeiten.

Abb. 1: Systematisierung von Kennzahlen

Bei den Einzelkennzahlen werden zwischen Grund- und Verhältniszahlen unterschieden (vgl. Abb. 1). Sogenannte Grundzahlen sind absolute Mengen- und Wertegrößen. Hierunter versteht man

  • Einzelzahlen (z. B. Zahl der Mitarbeiter eines Unternehmens),
  • Summen (z. B. Bilanzsumme),
  • Differenzen (z. B. Betriebsergebnis als Differenz von Umsatzerlösen und Kosten) sowie
  • Mittelwerte bzw. Durchschnitte (z. B. durchschnittlicher Lagerendbestand).

Grundzahlen allein besitzen keine wesentliche Aussagekraft, sondern sind nur im Vergleich zueinander bedeutend. Dazu bieten sich so genannte Soll-Ist- oder Zeitvergleiche an.

Verhältniszahlen dagegen sind in sich aussagekräftig, da sie relative Größen sind, bei denen Sachverhalte zueinander in Beziehung gesetzt werden. Zu den Verhältniszahlen gehören

  • Gliederungszahlen, welche den Anteil einer bestimmten Größe im Verhältnis zu einer Vergleichsgröße messen (z. B. Anteil des Eigenkapitals am Gesamtkapital).
  • Beziehungszahlen dagegen setzen solche Zahlen in Beziehung, zwischen denen eine Ursache-Wirkungs-Beziehung vermutet wird (z. B. Produktivität als das Verhältnis zwischen Ausbringungs- und Einsatzmenge) und
  • Indexzahlen stellen zeitliche oder örtliche Veränderungen inhaltlich gleichartiger Zahlen in ein Verhältnis (z. B. Lohnkostenindex).[1]

In der Regel zieht man zur Beurteilung betriebswirtschaftlicher Sachverhalte nicht nur eine, sondern mehrere Kennzahlen heran. Ein Kennzahlensystem ist die Gesamtheit von geordneten Kennzahlen, das Einzelkennzahlen in einem System von gegenseitig abhängigen und einander sich ergänzenden Kennzahlen zu einer Gesamtheit zusammenfasst. Kennzahlensysteme gibt es in zwei Erscheinungsformen:

  • Ordnungssysteme teilen die Kennzahlen bestimmten Sachverhalten zu und erfassen hierdurch bestimmte Aspekte des Unternehmens (z. B. Balanced Scorecard).
  • Rechensysteme beruhen auf der rechnerischen Zerlegung von Kennzahlen und sind hierarchisch aufgebaut (z. B. DuPont- oder ZVEI-Kennzahlensystem).[2]

Kennzahlen lassen sich neben ihrer statistischen Differenzierung auch in folgende Kategorien einteilen:

  • Differenzierung nach der Zielorientierung: Kennzahlen lassen sich nach dem zugrunde liegenden Sachverhalt, der durch sie ausgedrückt werden soll, gliedern. Hierbei lassen sich monetäre und nicht-monetäre Kennzahlen unterscheiden. Beispiele für monetäre Kennzahlen sind Erfolgskennzahlen (Umsatz, Gewinn, EBIT, EBITDA, etc.), Liquiditätskennzahlen (Liquidität 1. bis 3. Grades, Cashflow, Working Capital, etc.) Rentabilitätskennzahlen (Umsatzrendite, Eigenkapitalrendite, Gesamtkapitalrendite, Return on Capital Employed (ROCE), Return on Investment (ROI), etc.) sowie Bilanzkennzahlen (Eigenkapitalquote, Fremdkapitalquote, Verschuldungsgrad, Anlagenintensität, etc.). Diesen stehen vielfältige nicht-monetäre Kennzahlen gegenüber, beispielsweise Markt- und Kundenkennzahlen (Marktanteil, Kundenakquisitionsrate, etc.), Prozesskennzahlen (Fehlerquote, Kapazitätsauslastung, Servicegrad, etc.), Mitarbeiterkennzahlen (Krankenstand, Fluktuationsquote, Mitarbeiterproduktivität etc.) sowie Innovationskennzahlen (Innovationsrate, Forschungsintensität, Vorschlagsquote etc.).[3]
  • Differenzierung nach der Erfolgswirksamkeit: Der durch Kennzahlen zu betrachtende Sachverhalt kann für Unternehmen eine kurzfristige oder langfristige Erfolgswirksamkeit besitzen. Strategische Kennzahlen zeichnen sich grundsätzlich durch eine hohe Erfolgswirksamkeit aus. Diese werden daher auch als sogenannte Key Performance Indicators (KPI) bezeichnet. Operative Kennzahlen demgegenüber werden zur Effektivitäts- und Effizienzmessung betrieblicher Prozesse angewendet.
  • Differenzierung nach dem Objektbezug: Das Kriterium des Objektbezuges ordnet Kennzahlen nach ihrem Untersuchungsgegenstand. Dieser kann sowohl das gesamte Unternehmen, als auch einzelne Teilbereiche (Divisionen, Sparten, etc.) oder Unternehmensfunktionen (Einkauf, Produktion, Vertrieb, etc.) betreffen.
  • Differenzierung nach dem Handlungsbezug: Im Hinblick auf den Handlungsbezug von Kennzahlen ist zwischen normativen und deskriptiven Größen zu unterscheiden. Normative Kennzahlen als Ziele enthalten Handlungsaufforderungen. Deskriptive Größen beschreiben lediglich betriebliche Sachverhalte, die einer weiteren Erklärung oder zumindest einer weiteren Analyse bedürfen.[4]
[1] Vgl. Küpper, 2013, S. 471 f. sowie Gladen, 2014, S. 14 ff.
[2] Vgl. Horváth, 2020, S. 309 f.
[3] Vgl. Weber/Schäffer, 2020, S. 180 f.
[4] Vgl. Reichmann/Kißler/Baumöl, 2017, S. 40 f. sowie Weber/Schäffer, 2020, S. 181.

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