PPWR: Beiersdorf spart tausende Tonnen Plastik
Die europäische Verpackungsverordnung PPWR kommt. Wie hat sich Beiersdorf auf die neuen Anforderungen vorbereitet?
Urte Koop: Wir haben die Anforderungen schon früh in unserer Nachhaltigkeitsstrategie berücksichtigt. Wir verfolgen seit Jahren das Prinzip der Kreislaufwirtschaft, indem wir die verschiedenen Nachhaltigkeitskriterien für Verpackungen, wie „Vermeiden, Reduzieren, Wiederverwenden, Recyceln und Ersetzen“ auf unser Verpackungsdesign anwenden.
Was haben Sie denn ganz konkret getan?
Beiersdorf arbeitet an einem ganzen Spektrum von Maßnahmen, um den Anforderungen der PPWR gerecht zu werden. Wir haben uns verpflichtet, mehr recycelten Kunststoff zu nutzen und recyclingfähige Verpackungen zu entwickeln. Außerdem arbeiten wir an der Reduktion des Materialverbrauchs, dafür reduzieren wir zum Beispiel das Verpackungsgewicht in großem Stil. Das ist uns unter anderem bei den Nivea Duschprodukten sehr gut gelungen. Sie werden seit 2023 mit 20 Prozent weniger Material hergestellt und bestehen zudem aus mindestens 96 Prozent Post-Consumer Rezyklat (kurz PCR). So haben wir über 650 Tonnen Plastik eingespart. Das Nivea Body Sortiment haben wir 2025 auf ähnliche Weise umgestellt – auch hier sparen wir erhebliche Mengen Material ein und haben PCR integriert. Damit konnten wir mehr als 4.300 Tonnen Neuplastik vermeiden.
Haben Sie noch ein Beispiel?
Ein gutes Beispiel dafür, wie wir Umverpackungen einsparen und neue Konsumroutinen etablieren wollen, sind auch unsere sogenannten Refill-Tiegel, die wir für unsere Eucerin Gesichtspflegeprodukte entwickelt haben. Wir haben sie bereits 2024 auf den Markt gebracht. Beim Kauf des Refill-Tiegels können Konsument:innen 90 Prozent Material einsparen im Vergleich zum Neukauf des Standard-Tiegels. Generell überprüfen wir kontinuierlich den Einsatz von nachhaltigeren Materialien, um den regulatorischen Anforderungen nicht nur zu genügen, sondern bestenfalls sogar einen Schritt voraus zu sein.
Weiterentwicklung durch Partnerschaften
Arbeiten Sie dafür mit externen Stellen zusammen, etwa aus der Materialforschung oder der Verpackungsindustrie?
Wir kooperieren seit Jahren erfolgreich mit verschiedenen externen Partnern. Mit dem Fraunhofer-Institut für Verfahrenstechnik und Verpackung (IVV) haben wir zum Beispiel einen Vorschlag für einen Industriestandard für Kosmetikverpackungen entwickelt zur sicheren Verwendung von recyceltem Kunststoff (PCR) aus dem gelben Sack. Dieser Vorschlag führte zur Gründung der CosPaTox Initiative, wurde weiterentwickelt, mit anderen Fachgremien geteilt und ist heute eine wichtige Grundlage für unsere Industrie.
Ein weiteres Beispiel ist unsere Partnerschaft mit dem Schweizer Start-up DePoly SA. Dieses Unternehmen entwickelt eine energieeffiziente und selektive chemische Recyclingtechnologie für Plastik- und Polyesterabfälle, die bisher nicht recycelbar waren. Ziel dieser Zusammenarbeit ist es, nachhaltige und sichere Verpackungsmaterialien für die Kosmetikindustrie zu entwickeln. Auch NGOs gehören zu unseren Partnern, zum Beispiel der WWF Deutschland, dessen Expertise und Know-how wir auch für unser Vorankommen im Bereich der kreislauffähigen Verpackungen nutzen und sehr schätzen.
Gab es im Zuge der Umstellungen Quick Wins?
Ein relativ schneller Erfolg war die Umstellung unserer PET-Verpackungen auf recyceltes PET, das in sogenannter „Food-Qualität“ direkt verfügbar und einsetzbar war. Dies brachte uns bereits 2021 relevante CO₂-Einsparungen im Verpackungsbereich. Dieses sogenannte r-PET ist unter anderem bei unseren transparenten NIVEA Duschprodukten und Gesichtswassern im Einsatz.
Kein Quick Win, aber ein Erfolg, der viel Impact bringt, ist die Gewichtsreduktion von Verpackungen. Das haben wir sowohl für Kunststoffverpackungen als auch für unsere Aluminiumdosen, die wir unter anderem für Aerosole nutzen, geschafft. Alle Aerosole, die in unserem Werk in Leipzig hergestellt werden, können mithilfe innovativer Technologien in leichtgewichtige Dosen abgefüllt werden. Weniger Material bedeutet effizientere Ressourcennutzung und damit eine bessere Umweltbilanz, sprich weniger Emissionen.
An welchen Stellen war die Umsetzung schwieriger als gedacht?
Herausfordernd ist die Umsetzung hoher Recyclinganteile für die Kunststofftypen PE und PP, weil es hier um einen Balanceakt zwischen Nachhaltigkeit, Produktsicherheit und Ästhetik geht. Das betrifft besonders die Produktkategorien, deren Formeln nach dem Auftragen auf der Haut verbleiben und nicht abgespült werden. Auch hier arbeiten wir eng mit externen Partnern zusammen, um gezielt Lösungen für diese anspruchsvollen Anwendungsbereiche zu entwickeln. Denn wir müssen sicherstellen, dass Produktsicherheit, Produktästhetik und Nachhaltigkeit bestmöglich gewährleistet sind.
„Nachhaltigkeitstransformation ist ein Teamsport“
Auf das Erreichen welches Ziels sind Sie stolz?
Wir als Beiersdorf sind sehr stolz darauf, was wir seit dem Start unserer Nachhaltigkeitsagenda „Care Beyond Skin“ im Jahr 2020 an Fortschritten erzielt haben. Damals lagen wir bei der Umsetzung nachhaltigerer Verpackungen noch deutlich hinter unseren Wettbewerbern. Heute stehen wir mitten in der Transformation mit soliden Errungenschaften. Ein Meilenstein, auf den wir besonders stolz sind, ist die Nutzung von recyceltem Plastik aus dem gelben Sack beziehungsweise Haushaltsmüll (PCR), wo es alles andere als einfach war, unsere Qualitätsanforderungen zu erfüllen. Mit Ende 2025 haben wir unser Etappenziel von 30 Prozent Rezyklat-Anteil in unseren Verpackungen erreicht, bis 2030 wollen wir 50 Prozent schaffen.
Wichtig ist mir, zu betonen, dass wir uns nicht mit kleinen Leuchtturmprojekten begnügen, sondern unser Kerngeschäft transformieren: unsere großen und ikonischen Produkte sowie ganze Sortimente. Das hat eine enorme Komplexität, benötigt Mut und das Commitment von allen Beteiligten, intern wie extern. Eine Nachhaltigkeitstransformation ist ein Teamsport und wir haben ein großartiges Team.
Um nochmal auf die Entwicklung nachhaltigerer Verpackungslösungen nach PPWR zurückzukommen: Diese tragen direkt zur Reduktion unseres ökologischen Fußabdrucks bei. Sie spielen also eine wichtige Rolle bei der Dekarbonisierung hin zu Netto-Null Emissionen, die wir bis 2045 erreichen wollen. Aktuell liegen wir mit -33 Prozent Emissionen – Stand Ende 2025, entlang der gesamten Wertschöpfungskette Scope 1, 2 und 3 versus 2018 – schon auf einem sehr guten Weg dorthin.
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