„Die Kunst des Machbaren im Blick haben“
Muss der deutsche Mittelstand zu nachhaltigem Handeln gezwungen werden? Das Gegenteil ist der Fall – zumindest laut einer neuen Umfrage von Innofact in Zusammenarbeit mit dem Smarter Service Institut und Mind Digital. 45 der 100 befragten Unternehmen gaben an, bereits über ein Nachhaltigkeitsmanagement zu verfügen und auf die kommenden Berichtspflichten vorbereitet zu sein. Die übrigen Unternehmen zeigten sich zuversichtlich, bis Ende des Jahres berichtsfähig zu sein.
„Mich hat überrascht, wie viele Unternehmen sich bereits aktiv vorbereiten. Es gibt viele ‚Überzeugungstäter‘ im Mittelstand, die beim Thema Nachhaltigkeit die Kunst des Machbaren im Blick haben,“ kommentiert Bernhard Steimel, Gründer des Beratungsnetzwerks Mind Digital.
Vier Kernthesen zu ESG im Mittelstand
Aus der Studie lassen sich folgende Kernthesen ableiten:
Nachhaltigkeit erfordert Teamarbeit
Einzelpersonen und das Management allein reichen nicht aus. Unternehmen setzen auf Nachhaltigkeitsteams aus verschiedenen Fachbereichen, die von einem Nachhaltigkeitsbeauftragten koordiniert werden. Die Strategie liegt beim Vorstand, lokale Aktivitäten werden subsidiär finanziert. 64 Prozent der befragten Unternehmen haben Verantwortlichkeiten auf Vorstandsebene geschaffen.
Unternehmen verankern Nachhaltigkeit strategisch
ESG-Management wird Teil der Unternehmensstrategie. Das Studienpapier definiert vier Anspruchsniveaus von Vorreitern bis zu Nachzüglern. In Familienunternehmen haben die Eigentümer einen großen Einfluss auf Nachhaltigkeit, da die langfristige Perspektive zählt. 79 Prozent sehen im ESG-Performance-Management die größte Herausforderung.
ESG-Performance-Management hat Priorität
Unternehmen konzentrieren sich auf die Umsetzung der CSR-Richtlinie und nutzen Software zur Vereinfachung. Eine zentrale Aufgabe im Nachhaltigkeitsmanagement ist der Aufbau transparenter Datenpipelines. Die Software-Anforderungen variieren je nach Management-Reife: Einsteiger benötigen einfache Tools, Experten setzen auf Data Analytics und Datenintegration. 90 Prozent planen, digitale Lösungen für das Nachhaltigkeitsmanagement einzuführen.
Co-Creation und Innovation treiben den Fortschritt
In vielen Unternehmen ist der Wandel in vollem Gange, es herrscht jedoch Unsicherheit über den richtigen Weg. 90 Prozent der Befragten wollen mit anderen Verantwortlichen und Experten Innovationschancen erkunden. Das Interesse an Dialog-Plattformen und Austausch ist hoch, die Schwerpunkte variieren dabei: Starter wollen Coaching zum ESG-Reporting, Fortgeschrittene wollen ihr Daten-Management verbessern, Experten bevorzugen Co-Creation, beispielsweise um gemeinsam mit Lieferanten „digitale Zwillinge“ für die Lieferkette zu entwickeln.
Unternehmen sehen größte Herausforderung im ESG-Datenmanagement
Laut Bernhard Steimel ist der Mangel an belastbaren Daten eine der größten Hürden bei der Nachhaltigkeitsberichterstattung: „Viele Unternehmen haben Schwierigkeiten bei der Erhebung, Qualität, Aufbereitung und Analyse ihrer Daten. Das beginnt bereits bei der Zusammenführung aller relevanten Nachhaltigkeitsdaten aus unterschiedlichen Quellen in einem System. Die nächste Hürde sind Berechnungsmodelle, zum Beispiel für CO2-Emissionen, die auf weitreichenden Annahmen ohne reale Daten beruhen. Schließlich ist es schwierig, die Wirkung von Nachhaltigkeitsmaßnahmen kontinuierlich zu überwachen.“
Vor diesem Hintergrund sei es nicht verwunderlich, so die Autoren der Studie, dass 9 von 10 Unternehmen die Anschaffung digitaler Lösungen für das Nachhaltigkeitsmanagement planen.
Weitere Informationen und die Studie zum Download finden Sie hier.
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